Monday, 4. february 2008
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13:19
R: Der Muezzin um ½ 5:00 ist gnädig
und ruft nur kurz zum Gebet. Ein Hund heult dazu zum Steine erweichen. Es ist kühl geworden, der heftige Regen hat die Hitze vorerst erstickt. Ich wüsste gerne wie viel Grad es sind. Hätte gerne
ein Thermometer wie Humboldt eines hatte um die Minimal- und Maximaltemperatur zu bestimmen.
Humboldt hatte seine Präzisionsinstrumente. 5 Jahre hat er unter den unmög-lichsten Bedingungen alles vermessen was zu messen war und aufgeschrieben. Viele seiner Daten konnten erst später
interpretiert werden. Es gab zu seiner Zeit noch keine Matrix um die Daten einordnen zu können. Er war einfach scharf auf Messergebnisse. Ich bewundere ihn. Ich liebe Geschichten.
Gibt es für Afrika einen Forscher mit der Bedeutung, wie Humboldt sie für Lateinamerika hatte? Ich kenne keinen. Humanisten wie Livingstone waren gute Menschen die versuchten, Afrikaner zu
verstehen. Nach ihm kamen Ausbeuter. Stanley, der Livingstone in Ujiji fand, repräsentierte diese Generation. Sie waren an Geld und Ruhm orientiert. Stanley hatte seine Geschichte verkauft bevor er
loszog, später stellte er seine Kenntnisse der Afrikadurchquerung in den Dienst des belgischen Königs als Sklavenausbeuter im heutigen Kongo und ließ Hände abhacken, wenn nicht genug produziert
wurde. Seine Kolonialgenossen, die da-maligen Herrscher in Europa, sahen sich gezwungen, ihm die Kongokolonie wie-der abzunehmen (das Parlament erhielt die Rechte). Er beschädigte ihren eh nicht
guten Ruf zu sehr. Den angehäuften irren Reichtum hat dem belgischen Königshaus niemand wieder abgenommen. Bis heute leidet der Kongo unter den Nachwehen aus dieser Zeit.
R: China kommt
„Überall zwischen Daressalam und Dakar denken die politischen und wirtschaftli-chen Eliten um. Sie fühlen sich von den Chinesen als gleichwertige Partner be-handelt, nicht mehr als bloße
Almosenempfänger“ schreibt Bartolomäus Grill (Der lesenswerte Artikel ist zu finden unter: http://www.zeit.de/2008/03/China-Afrika?page=all Danke Adda). Er beschreibt, wie die
Wirtschaftsoffensive Chinas in Afrika um die Jahrtausendwende begonnen hat. Grund ist, die Chinesen brau-chen den Zugriff auf die reichen Rohstoffvorkommen des Erdteils. Es geht um Öl, Erdgas,
Eisenerz, Kupfer, Bauxit, Uran und andere Bodenschätze. Den staatli-chen chinesischen Rohstoffkonzernen, die in Afrika investieren, folgen immer schneller chinesische Privatunternehmen aus
unterschiedlichsten Industriebran-chen Gleichzeitig geht es um langfristige Handelsabkommen, Aufbauhilfe und gewaltige Infrastrukturprojekte.
Rund 750.000 Chinesen sind in Afrika schon im Einsatz. Manager, Ärzte, Agro-nomen, fliegende Händler, Importeure, Kleinstunternehmer und ein Heer von Kontraktarbeitern auf zahllosen Großbaustellen.
Überall in Afrika findet man sie. In Dar es Salaam wird das Fußballstadion von Chinesen gebaut, auch ein Teil der Fernstraße nach Moçambique. In Maputo konnte ich das neue Wirtschaftsminis-terium
bewundern. Sie hinterlassen Militärkasernen, Textilienmärkte, Präsiden-tenpaläste. Ihre Methode, die Preise zu drücken und die Aufträge zu bekommen, ist konkurrenzlos. Sie bringen ihre eigenen
Arbeitsbrigaden mit, halten sie bei Reis und Soße in Containern und einfachen Wohnungen abgeschlossen vor der einheimischen Bevölkerung und lassen billigst und mit ihnen bekannter Präzision und
Schnelligkeit arbeiten. Für hohe Qualität sind sie auch nicht gerade bekannt und so schauen die anderen internationalen Anbieter oft in die Röhre.
Wenn das so weitergeht – und alles sieht danach aus – werden die Chinesen im Jahr 2010 die 100 − Milliarden Dollar−Marke Handelsvolumen erreichen, und die USA als ersten Handelspartner
überholen.
Es wundert mich nicht, dass die Chinesen hofiert werden. Der Westen hat sich in Afrika nicht gut benommen. Erst haben sie den Kontinent mit dem Lineal unter sich aufgeteilt und als Kolonien
ausgebeutet, dann wurden die Befreiungsbewe-gungen als Kommunisten bekämpft und dubiose Diktatoren unterstützt, dann kamen die Besserwisser mit ihren neuen Ideen die die Afrikaner bitteschön
mor-gen umsetzen sollten und nun setzen sie Demokratieformen, Wirtschaftslibera-lismus und Antikorruptionskampagnen als Bedingung für Entwicklungshilfe. Der Kommandoton der Kolonialherren ist zwar
abgelöst worden von einer mehr dip-lomatischen Diktion, aber Besserwisser werden auch in Afrika nicht geschätzt. Vor allem, wenn dahinter Geschäftemacherei steht. Entwicklungshilfe ist auch
humane Hilfe, das möchte ich betonen. Aber gleichzeitig soll sie auch den Boden für Investitionen bereiten. Das ist nicht falsch, nur wird darüber nicht geredet. Chinesen tun das. Sie akzeptieren
Afrika wie es ist und sagen offen, dass sie Rohstoffe brauchen und Geschäfte machen wollen. Das gefällt zumindest den afrikanischen Eliten.
Im einfachen Volk sieht man nur die Händler und Baubrigaden. Sie sind nicht beliebt, gelten als Wühler und Ausbeuter. Überall bis ins innerste Afrika dringen sie vor, diese Billigstprodukte,
dieser schillernde, kurzlebige Schrott der auch noch Batterien braucht. „Ramschwaren, die keiner braucht und jeder will“ be-zeichnet Grill sie sehr schön. Gerüchte laufen um. Ein Priester erzählt
mir, dass auf den Baustellen chinesische Verbrecher eingesetzt werden. China drückt die Löhne einheimischer Arbeiter, verkauft den Diktatoren Waffen, erhält Kriege am Leben, hat im Volk keine
Freunde. Kann diese Art Afrika helfen? Das ist offen. An der westlichen Art ist der Kontinent nicht genesen. Im Gegenteil. Grill schließt mit einem schönen afrikanischen Sprichwort: „Wer ertrinkt,
klammert sich auch an ein Krokodil“. Hoffen wir, dass das chinesische Krokodil ziemlich satt ist.
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