Thursday, 30. october 2008
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13:43
Tach Freunde und Freundschaft! (Faust her, einmal von oben drauf der eine, dann der andere)
Ihr stellt schwere Fragen! Ich weiß nicht ob wir die befriedigend beantworten können. Und die Marianne hat mir höflich den Vortritt gelassen. OK los gehts.
Also, heute fang ich mit den Fragen von Jonas an. Heut kommen die jüngeren Männer mal zuerst dran. Danach der Ältere, der Jan.
Warum hat die Inderin ihren Mann bedient? Weiß ich nicht Jonas. Also, ich weiß nicht, weshalb unsere Bekannte ihren Mann bedient hat. Vielleicht hatte sie ihn so lieb, dass sie das gerne machte.
Vielleicht gehörte sie einer Religion an, wo man das so macht oder vielleicht hat der Mann gesagt, also, ich bring das Geld heim, dafür bedienst du mich. Sozusagen als Vertrag zwischen den beiden.
Du meinst, das wär ein komischer Vertrag? Ja gut, zwischen Eheleuten ist das nicht so häufig. Aber es gibt viele Menschen, die lassen sich von anderen Menschen bedienen. Und bezahlen dafür was. In
englischen Büchern liest man das oft. Da haben die reichen Leute ihre Diener und die Diener kommen dann morgens ans Bett, machen die Vorhänge auf und haben einen Tee mit Zwieback auf einem Tablett.
Ich wollte damit nur sagen, dass es auch bei uns Menschen gibt, die andere Menschen bedienen. Wenigstens gibt es viele Menschen, die denken anders als wir und ticken deshalb doch richtig. Wenn ich
die Frau wieder sehe und wenn wir uns ein wenig befreunden, dann frage ich sie mal.
So, die nächste Frage her: Wie laut kann ein Löwe brüllen? Ich hab mal einen in Deutschland im Zirkus gesehen, hier noch nicht. Ich hab aber mal gedacht, da wären Löwen vor mir die würden brüllen.
Das war ein schreckliches Gebrüll. Marianne war auch dabei. Es war auf einer Insel in Brasilien. Eigentlich gibt es da keine Löwen. Wir sind trotzdem so schnell als möglich nach Hause gesaust. Am
nächsten Tag haben sie uns erzählt, dass wir Brüllaffen gehört hatten. Wenn ihr kommt, dann ärgern wir mal einen Löwen in der Serengeti und lassen ihn brüllen. Aber dann müssen wir rennen. Wenn die
mal das Maul aufhaben, machen die das so schnell nicht wieder zu.
Jetzt mal im ernst: ich glaube, die Löwen die können ganz schön laut brüllen. Man hat mir gesagt, das sei gruselig.
Gut, die nächste Frage: was für Spielsachen haben die Kinder hier?
Also, die reichen Kinder, die haben so Spielsachen wie ihr. Viel aus Plastik. Natürlich Fußbälle. Was ich noch nicht gesehen hab, sind so gescheite Spiele. Die armen Kinder, die machen sich ihre
Spielsachen selbst. Die spielen mit Autoreifen oder mit den Felgen vom kaputten Fahrrad (die rollen wunderbar wenn man sie mit einem Stock antreibt). Die Mädchen machen sich auch schon mal eine
Puppe aus alten Lumpen und oft hab ich gesehen, dass sie mit Steinen gezielt gegen eine Wand werfen und zwar so, dass derjenige gewonnen hat, dessen Stein am nächsten an der Wand liegen bleibt. In
Zanzibar (das ist eine große Insel) haben wir die Jungens am Strand gesehen wie sie jauchzend im Wasser rumgespielt haben. Mädchen dürfen dort nicht ins Wasser weil in Zanzibar die meisten Menschen
Muslime sind und weil die Frauen sich nach ihrem Glauben verhüllen müssen. Sie tragen lange Kleider – viele Frauen tragen wunderschöne lange Kleider – und dann haben sie einen Kanga (das ist auch
so ein schönes Tuch) also diesen Kanga haben sie um den Kopf geschlungen. Manche nur wie ein Kopftuch, manche verstecken das ganze Gesicht und nur die Augen gucken raus. Und die jungen Mädchen, die
wachsen bei ihren Müttern und bei den anderen Frauen auf und spielen dort. Natürlich gehen sie auch in die Schule. Aber getrennt. Ich hab die jungen Mädchen auch fröhlich gesehen. Sie glauben
einfach, das wäre so recht und von Gott gewollt.
So, ich meine, das wären die Fragen von Jonas. Jetzt kommt Jan dran. Die Frage war, wie wir den Menschen in Afrika helfen. Also Jan, Marianne hat ja schon geschrieben, dass sie da bei den jungen
Menschen im Gefängnis war was eigentlich kein Gefängnis ist. Und sie will diesen jungen Leuten Englisch-Unterricht geben. Sie können kein Englisch und das brauchen sie ganz dringend, sonst finden
sie keine gute Arbeit später. Es gibt noch ein paar andere Sachen, die sie sich anschaut, davon schreibt sie dann noch. Wir wollen unbedingt was mit Kindern machen so wie in Rio.
Was ich mache ist anders. Ich hab viele Projekte. Zum Beispiel haben wir eine Ausbildung für junge Leute, die schon arbeiten. Damit die das besser machen können kriegen sie von uns eine
Zusatzausbildung. Ein Jahr lang jeden Monat 2 Tage. Da lernen sie dann, wie man gute Projekte macht, die das Land entwickeln können. Weil hier sind die meisten Menschen, besonders auf dem Land sehr
arm und da braucht man Projekte, zum Beispiel dass die besser ihre Kartoffeln und Zwiebeln verkaufen können. Zum Beispiel fehlen die Strassen. Dann müssen die gebaut werden. Oder es fehlen
Krankenhäuser. Oder es fehlen Schulen. Und die jungen Menschen bei uns, die lernen, wie man solche Planungen macht. Oder ein anderes Beispiel. Hier gibt es ganz gute Gesetze. Die Frauen sind nach
diesen Gesetzen den Männern gleich. Aber in den afrikanischen Dörfern, da ist die Tradition ganz anders. Da sind die Frauen den Männern nicht gleich. Da müssen die Frauen viel arbeiten und die
Männer sitzen oft unter einem Baum und trinken Bananenbier. So, jetzt wissen diese Frauen auf den Dörfern gar nicht, dass es diese Gesetze gibt. Weil die kein Fernsehen, kein Radio, keine Zeitung,
kein nix haben wo sie sich informieren könnten. Und wir unterstützen einige Frauen, die haben ein Theaterstück gemacht und gehen dann in diese Dörfer und spielen den anderen Frauen vor, was ihre
Rechte sind. Ich hab noch eine ganze Menge anderer Projekte. Wenn du mehr wissen willst, frag nur.
Jetzt tun mir die Finger weh vom Klimpern auf den Tasten. Und es ist warm. Nicht ganz, die Leute beschweren sich, es sei ein kalter Winter. Ich stell die Klimaanlage nachts immer auf 26 Grad. Damit
es nicht zu warm wird.
Jetzt grüßt mal euren Bruder Frederic, den Wurzelzwerg zuerst von mir (kann der auch schon schreiben?) und dann natürlich Margrit und Friedemann.
Ich wünschte, ich könnte euch öfters sehen.
Alles Liebe aus Dar es Salaam von eurem Freund
Reinhold