Saturday, 30. october 1999
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Karneval in Bogota
gibt es nicht. Da meint man, in Südamerika sind die Menschen lustig und feiern viel. Und dann gibt es hier auch solche und solche. In Bogotá, da da gibt es welche, die rennen zur Arbeit. Im Norden,
an der Küste, da ist das anders. Da bewegen sich die Menschen schön langsam. Vielleicht, weil da mehr schwarze Menschen leben und es wärmer ist.
Auf meinem Tisch liegt eine Maske. Nur eine kleine. Es ist ein Stierkopf aus Holz, innen hohl und vorne lustig angemalt. Rote, gelbe, grüne und blaue Streifen ziehen sich vom Kopf auf die Schnauze
zu. Den benutzt man im Karneval an der Küste. Nicht so klein, natürlich nicht. Auch Tigerköpfe. Meist werden die aus Pappmaché gemacht. Männer setzten sie sich auf den Kopf, verkleiden sich als
Tiere und springen wie die Derwische damit rum. In Brasilien gibt es auch so was. Da heißt es “Bum-ba meo Boi”, hau meinen Ochsen und ist eine ganze Geschichte, die auf den Straßen gespielt wird.
Der Boi, das ist ein Ochse und der wird von einem jungen Mann gespielt und der Ochsenkopf ist bunt und hat viele Bänder und unten rum hat er noch ein Stoffkleid an, wie ein Ochse mit einem langen
Schwanz. Der schwitzt da drunter wie verrückt. Und dann gibt es noch den reichen Haciendeiro, dem Mann, dem die Farm und der Ochse gehört und die Doña Catarina, das ist die Frau des Gutsverwalters
und die will die Zunge vom Ochsen. Und dann spielt noch mit der Capitão de Mato, ein dusseliger Dorfpolizist und noch ein schusseliger Arzt. Das sind alles Leute, die die Dorfbewohner da oben im
Norden von Brasilien ganz gut kennen und über die sie sich bei der Gelegenheit lustig machen. Und dann hupfen da noch die Vaqueiros rum, die Cowboys und Banditen und ein Blasorchester spielt
schrill und Indianer dürften auch nicht fehlen. Die Frage ist, kriegt die Frau Catarina nun ihre Ochsenzunge? Und dann plumpst der Ochse irgendwann um und der schusselige Doktor soll ihn wieder
lebendig machen. Und dann geht’s dann drunter und drüber und alles feiert und tanzt und singt und trinkt und manchmal geht die Geschichte auch ganz anders. So ist das da in Brasilien. Hier in
Kolumbien hat der Ochse nicht so viel zu tun.
Einen schönen Brauch will ich Euch noch erzählen. Sie spritzen sich mit Wasser voll und schmeißen Mehl hinterher. Das ist echt toll. Viele haben Wasserbomben, aber mit Schläuchen und Eimern geht’s
auch ganz gut. So eine Bombe in den Bus und hinterher eine Tüte Mehl, das bringt Stimmung. Da oben an der Küste, da ist es warm, da geht das gut. Wir haben es aber auch schon in Ecuador oben in den
Anden erlebt. Am Anfang ist es ein wenig ungemütlich. Du gehst die Straße lang und vom Balkon kippt dir einer einen Eimer Wasser über und alles lacht sich schubbelig. Aber dann geben sie einem
einen Schnaps. Und ab dem dritten Wasserguss und dem dritten Schnaps, da fängt man dann an, mitzulachen. Zum Schluss haben mich dann 3 Leute in einen Hauseingang gezerrt und mir einen Eimer voll
übergekippt. Danach haben wir zusammen eine halbe Flasche Feuerwasser gekippt. Ich hab mich sehr gefreut und sehr warm war mir.
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