Tuesday, 4. november 2008
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15:14
Weihnachten begann immer am 24. abends um 7.00 Uhr mit dem Kindergottesdienst und anschließend gab es Bescherung und Plätzchen. In meiner Jugend hat es Weihnachten
oft geschneit. Dann waren die Wege, Häuser und Plätze weiß gepudert, die Luft war kalt und alle Geräusche waren gedämpft.
In der Vorweihnachtszeit haben wir zu Hause viel gesungen, Opa hat mit der Zither begleitet und Bratäpfel brutzelten auf dem Herd. Bei Frost kamen Eisblumen auf die Fenster und wir mussten dagegen
hauchen um durchsehen zu können. Vorweihnachtszeit hieß auch, Gedichte auswendig lernen, Texte einüben, Lieder im Chor zu singen, den Kindergottesdienst vorbereiten.
Weihnachten gehörte den Kindern in der Gemeinde. Dann hatten sie das Sagen und mussten die Mitglieder beglücken. Das gelang regelmäßig, besonders den Kleinsten. Die einen krähten leiernd ihren Text
herunter, den anderen blieben die Worte im Hals stecken und die Sonntagsschule-Tante musste vorsagen, es gab verschmitzte und verschlagene, liebe und herzige und alles stöhnte und freute sich mit,
wenn sie ihre kleinen Gedichte
aufsagten da vorne, schick angezogen von ihren Muttis. Blieb ein Kind stecken, war das eine Katastrophe für die Familie. Aufgeregt wie die Hühner ruckelte der Clan auf seinen Plätzen rum und
konnte doch nicht eingreifen, auch wenn die Mama das ganze Gedicht konnte. Sie wollten helfen und scheiterten mit ihrem Kind. Noch lange war das Weihnachtsversagen ein heikles Gesprächsthema.
Dann kamen die Großen dran. Einige hatten lange Gedichte aufzusagen, die Anderen mussten ein Spiel spielen, Maria und Josef modern. Das war schwierig für die Dorfkinder, weil es sich nicht reimte.
Am Reim konnte man sich festhalten, bei der Prosa hatte der Text einen undurchsichtigen Inhalt. Mir war nie bewusst, was wir da spielten, viel zu aufgeregt und konzentriert auf nicht stecken
bleiben war ich. Besonders irre war es, wenn wir uns verkleiden durften und Bühnendekoration gebraucht wurde. Dahinter konnte man sich ein wenig verstecken. Immer wieder war einer dabei, der seinen
Text nicht konnte und hängen blieb. Der regte noch besonders auf, als ob die eigenen Aufregung nicht schon genug wäre.
Die Räumlichkeit im alten Gemeindesaal war beengt, Weihnachten besonders, dann war es übervoll. Ein dicker Bullerofen, mit Holz geheizt, lies die Leute in seiner Umgebung vor Hitze brüten, an den
Rändern und nahe an der Tür hinten zog es wie Hechtsuppe. Neben dem Podium standen Bänke längs, rechts vom Podium aus gesehen saßen wir, links davon der Chor. Dahinter in Reihen quer mit den
Gemeindemitgliedern und Gästen. Die Gedichte wurden vom Podium aus vorgetragen, die Spiele davor. Es war nur wenig Platz vorhanden, die Kontakte mit den Zuhörern waren hautnah. Als Belüftung diente
neben der zugigen Tür nur eine Klappe in der Decke, die mit einem Seil aufgezogen wurde. Die Luft war schlecht und ein Mal hat es einen erwischt. Er ist vor Aufregung und schlechter Luft im ersten
Satz umgefallen. Das war vielleicht ein Aufstand!
Vor Aufregung schwitzten die Hände schon beim Hergehen in der eiskalten Luft. Schluckbeschwerden stellten sich ein, der Mund war trocken und das Herz klopfte bis zum Hals. Der Auftritt begann. Und
ging vorbei wie im Nebel. Und war immer ein Erfolg, wenn man nicht stecken geblieben war. Dann kam der Höhepunkt des Jahres. Nein, er kam noch nicht. Der Vorsitzende musste noch die
Weihnachtsgeschichte lesen, obwohl sie Teil des Kindervortrages gewesen war. Dann musste er noch auf die Wichtigkeit der aus Kindermund gehörten Worte verweisen und sie mit einer eigenen Predigt
krönen. Dann aber sagte er: Jetzt , liebe Kinder, hat die Sonntagsschule noch was Schönes für euch. In Erinnerung sind mir die Suppenteller mit dem Weihnachtsmotiv am Boden und im Halbkreis
darüber: Sonntagsschule Freie Evangelische Gemeinde Hommertshausen 1954.
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