Tuesday, 13. january 2009
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17:22
Es gibt einen Zusammenhang. Landwirtschaft und Lebensart hier wie dort, im N und im S bedingen sich gegenseitig. Luxus braucht Armut.
Der Chef der Deutschen Zukunftsstiftung hat den Plan der Landwirtschafts- und Chemielobby, immer mehr Produkte ins Ausland, insbesondere in Entwicklungsländer verkaufen zu wollen, scharf
kritisiert. Ist das die Lösung für die 963 Millionen Hungernden der Welt? Nein! Ich folge seiner Einschätzung und ergänze sie.
Fehler im System
Der erste Fehler ist der Vorschlag, wieder Exportsubventionen einzuführen, damit die Armen mehr Lebensmittel kriegen. Was aber passiert dann? Die subventionierten Produkte aus dem Norden
zerstören die Landwirtschaft in den Abnehmerländern im Süden. Verstärkt wird der Effekt durch die direkten und indirekten Subventionen an unsere Bauern in der EU. Denn: Kaum ein einheimischer
Bauer in den Entwicklungsländern kann trotz seines geringeren Einkommens mit subventionierten Preisen konkurrieren. 2,5 Euro Subvention pro Tag für jedes Rind in der EU sind mehr als das
Mindesteinkommen vieler Menschen in der 3. Welt, die von 2 Dollar und weniger am Tag existieren müssen. Natürlich würden die billigeren subventionierten Produkte gekauft. Und nicht mehr die
nationalen. In unserer Zeit in Tansania haben billige Export-Hähnchen den Markt in Tansania überschwemmt. Da konnte mein Fahrer mit seiner kleinen Produktion nicht mit. Er war pleite. Dasselbe
passierte im Kongo. Da waren es die Belgier mit EU-subventionierten Hähnchen (die, so munkelt man, auch noch mit Rohöl gemästet wurden). Billige, subventionierte Produkte zerstören die
Landwirtschaft in den Ländern der 3. Welt.
Der zweite Fehler ist der Fokus auf Produktionssteigerungen. "Rein vom Kalorienbedarf her hatten wir im vergangenen Jahr eine Überproduktion", sagte der Berliner Vertreter der
Zukunftsstiftung. Nach einer UN-Prognose werden in diesem Jahr weltweit sogar 5,3 Prozent mehr Lebensmittel erzeugt, aber nur 0,1 Prozent mehr pro Einwohner zur Verfügung stehen. Der Grund:
Gleichzeitig werden 11,8 Prozent mehr Agrarprodukte nicht als Essen, sondern vor allem als Agrarsprit benutzt.
Der dritte Fehler ist, dass die industrialisierte Landwirtschaft mit Monokulturen das Klima verschlechtert. Denn diese Wirtschaftsweise braucht besonders viel Kunstdünger und Maschinen, die
bei Herstellung und Gebrauch Treibhausgase freisetzten. Insgesamt, so wird geschätzt, verursacht die Herstellung von Ernährung 30 bis 40 Prozent aller klimaschädlichen Emissionen.
Wir brauchen eine "radikale Wende".
I. Die Zukunft unserer Welt-Ernährung hängt von den Kleinbauern ab. 85 Prozent aller Landwirte bewirtschaften weniger als zwei Hektar. Dabei geht es in erster Linie um Selbstversorgung.
Kleinbauern müssen gefördert und vor dem Druck der Agrokonzernen geschützt werden.
II. Europäer müssen ihren Fleischverbrauch von derzeit jährlich 80 Kilogramm pro Person senken. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 30 Kilo. Die Massentierhaltung muss reduziert werden!
Denn um zum Beispiel für ein Rind genügend Futter zu produzieren, wird kostbare Ackerfläche belegt, auf der Lebensmittel erzeugt werden können. Auch hier steckt wieder eine Subventionen für diese
Art der Getreideverwertung dahinter. Futtergetreide wird in Afrika angebaut und in Europa verbraucht. "Fleisch muss teurer werden." Essen muss wieder wertvoller werden. Dann werden auch nicht mehr
ein Drittel der in Europa produzierten Lebensmittel weggeworfen.
III: Zielvorgabe sollte sein, den Berg des Luxus, auf dem wir thronen, zu reduzieren. Aus zwei Gründen. Da ist die Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen (das ist moralisch) und da ist
(viel konkreter) die Notwendigkeit, ein kritisches Konfliktpotential zu entschärfen. Oder wir riskieren, überrannt zu werden. Die Anfänge sind da. Die Schere zwischen arm und reich ist auf der Welt
immer größer geworden. Am Wohlleben teil zu haben ist der Traum vieler Menschen. Sehr vieler. Eine Chance ist die momentane Wirtschaftskrise. Nicht immer größeres Wachstum darf das Ziel sein,
sinnvolles Wirtschaften muss es werden. Aus Eigennutz.
(Da steht auch noch was dazu:
Im Neuen Jahr gilt es, die Krise zu nutzen )