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Sunday, 8. february 2009 7 08 /02 /Feb. /2009 09:08

Chile bis Cabora Bassa Teil I; Teil II;

Die Arbeit an der Tecnica nahm ihren Lauf, Ich musste lernen, wie man lehrt und doppelt lernen, wie man in Spanisch unterrichtet. Die Kollegen waren freundlich, bestaunten den Gringo, nahmen ihn mit nach Hause und auf Ausflügen. Ihr Umgang mit der Zeit war schwierig zu lernen. Um 20:00 Uhr war ich eingeladen und stand geschniegelt und gebügelt vor der Tür. Das verursachte ein größeres Dilemma. Die Hausfrau hatte noch die Lockenwickler eingedreht, der Hausherr lag in der Badewanne. Ich wurde zwischengeparkt und bekam diplomatisch verpackt meine Lektion. Eine Stunde später erscheinen ist immer noch früh. Sonntags machen sie einen Churrasco am Strand, sagte der Kollege, mit ihren Frauen, Wein, viel grillen und guter Laune, Gringo komm mit, um 9:00 an der Uni. Um 11.00 wollte ich gehen, da kam der 1. Am Wochenende hat die Zeitangabe nur symbolischen Charakter. Alles vor 12:00 bedeutet Vormittag. In der Tecnika war das anders. Disziplin war wichtig, Verspätungen wurden geahndet. Jorge Salgado war mit am Strand, ein berühmter Mann in der Stadt. Er war Kontiki gefolgt und alleine in einen kleinen Boot von Südamerika aus über den Pazifik gesegelt bis nach Honolulu. Er ging und sprach langsam und bedächtig, entsprach so gar nicht meinen Vorstellungen von Abenteurer. Seine Geschichten erzählten vom Meer, das niemals aufhört.

Jorge brachte uns das Segeln bei. Der Yachtclub hatte 4 alte Holzboote und residierte auf der Mole, die vordem zum Beladen der Segelschiffe diente. Gleise auf dem baufälligen Holzsteg und alte Schuppen zeugten noch davon. Von hier aus wurden die Schaluppen beladen, die hinaus zu den Seglern fuhren, Kupfer mitnahmen und Sand brachten. Am Ende des Stegs über dem Wasser stand eine Holzhütte, das Clubhaus. Neue Worte in Spanisch waren zu lernen, Worte der Segelsprache. Oreja de burros,  bezeichnete plastisch die wie Eselsohren abstehende Fock und Hauptsegel, wenn sie nach beiden Seiten ausgestellt mit Wind von hinten sich blähten.  Andere Begriffe waren schwerer zu lernen. Wir Deutsche segelten zusammen in einem Boot die Osterregatta. Bei der letzten Einzelwertung schafften wir den Sprung auf den 2. Platz in der Gesamtwertung. Einfach dadurch, weil alle versuchten, mit dem Spinnacker, dem großen, bauschigen Vorsegel, im Wechselwind von hinten zurecht zu kommen, nicht zurecht kamen, wir diese Technik nicht beherrschten und mit den oreja de burros als 1. einliefen.  Zuverlässig wie die Alemanes, lobte man uns.

Der Arzt hat eine Überdosis Arsen in mir festgestellt plus noch einige Mikroben. Darf kein Leitungswasser mehr trinken, man gewöhnt sich dran. Alkohol muss aushelfen. Mein Selbstbewusstsein hebt es nicht, im Gegenteil. Angela heiraten, ein Häuschen bauen, viele Kinder haben war eine Perspektive, Vanessa kam dazwischen, hin und her geschüttelt war das Seelchen, fand keine klare Lebenslinie, fragte nach dem Sinn. Die Kollegen raten, Vanessa zu heiraten, sie sei ihr Leben lang dafür dankbar. Den Rat folgten sie selber und verlobten sich mit Latinas.  An der Arbeit kann die Ungewissheit nicht liegen. Der Beauftragte des DED lobt mein Projekt und bietet eine Verlängerung an. Das plus Heirat hätte mehr Unterhaltsgeld bedeutet, aber ich konnte mich nicht entschließen, schob die Entscheidung hinaus.

Seeigel war für die Chilenen eine besondere Köstlichkeit. Verkäufer mit ganzen Bündeln dieser stacheligen Viecher waren schnell ihre Ware los. Scharf gewürzt mit Pfeffer und Salz, zermatscht und mit Petersilie überstreut war die rot-glitschige Masse offenbar eine Leckerei. Mir war übel. Du musst das 5 mal essen, dann schmeckt es wunderbar. Beim vierten Versuch fing es an, besser zu schmecken. Oder Kuddeln, Magen, Darm mit Saubohnen in einer braunen Soße gekocht. Die Bohnen schmeckten, die Kuddeln waren glibbrig. Und die Hausfrau schaute neugierig zu. Es musste schmecken.

Drei Tage dauert das jährliche Fest zum Gedenken an den Sieg über die Spanier und die Unabhängigkeit. Im Stadion waren Buden aufgebaut, Cola de Mono war das Getränk der Nationalfeiertage, ich lernte es kennen. Sein kakaoähnlicher Geschmack verleitet, ich trank zu viel und kam nur mit Schwierigkeiten durch das Stadiontor. Hier das Rezept:
 1 Flasche Pisco,  Aguardiente oder Vodka
5 Ltr. gezuckerte Milch oder 5 Dosen süße Kondensmilch
2 Tassen Mokka (stark)
Schalen von 3 kleinen Zitronen
2 Zimtstangen, 5 Nelken, 2 Vanilleschoten, 2 Prisen Muskat
Milch mit Nelken, Zitronenschalen, Zimt aufkochen, kalt werden lassen (24 Std.), Kaffe dazu geben, 5 Min ziehen lassen, durchsieben (sieht aus wie Spülwasser, Goran hat das fertige Produkt mal weggeschüttet weil er mir beim Aufwaschen helfen wollte) und dann zum Schluss den Schnaps dazu und mit Muskat würzen. In Flaschen abfüllen und schnell verbrauchen. Bei einem größeren Fest kein Problem.
PS: Mit Eis schmeckt er auch gut

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