Tuesday, 24. february 2009
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Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Die Bundesrepublik Deutschland hilft dem Apartheidstaat in Südafrika beim Bau der Bombe. Nach dem Umzug der Botschaft von
Köln nach Bonn im Mai 1975 waren Akten verschwunden, die eine militärische und kerntechnologische Zusammenarbeit zwischen Bonn und Pretoria belegten. Ihr Inhalt sickerte langsam an die
Öffentlichkeit und verunsicherte beide Regierungen. Eine Strategie der Abwehr musste her und die fand man im Vorwurf der kommunistischen Unterwanderung. Die Aufnahme beider Deutscher Staaten in die
Vereinten Nationen stand bevor und Deutschland (W), so die Staatsorgane, sollte "außenpolitischer Schaden" zugefügt werden. Durch wen? Durch uns!
Nach Meinung der Bundesregierung waren wir ein Haufen willfähriger Protagonisten kommunistischer Propaganda gegen die Afrika Interessen der "Bunsreplik", (das Kürzel BRD durften wir nicht benutzen
weil DDR-Sprache, das gewichtige "Bundesrepublik Deutschland" war zu lang, also Bunsreplik), ferngesteuert durch die Sowjetunion. Moskau leite die Kampagne, über Kanäle in Ostberlin und London
wurden wir ferngesteuert, so die Staatsorgane. Nicht der Fakt, dass sie Dreck am Stecken hatten war verwerflich, der befürchtete Verlust außenpolitischer Politur störte. In den mittlerweile
veröffentlichten Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland, (Protokoll vom 19. August 1977. II 1) steht: "Das Bundesamt für Verfassungsschutz, das auf Ersuchen des AA tätig
wurde, hat folgende Feststellung getroffen: Die folgenden deutschen "Afrika- oder Dritte-Welt"-Organisationen stehen personell, politisch und ideologisch in engster Verbindung
- AAB (Anti-Apartheit-Bewegung), Geschäftsstelle Bonn, Buschstr. 20, Gründungsmitglieder in Südafrika tätige Pfarrer. In letzter Zeit Einschwenken auf Kurs sowjetischer Afrikapolitik und stärkerer
Einfluss der DKP-orientierten Kräfte unter den Mitgliedern...-ASK (Antiimperialistisches Solidaritätskomitee). Mehrheitlich kommunistisch angeleitet oder beeinflusst. -ISSA (Informationsdienst
Südliches Afrika), Geschäftsstelle Bonn, Buschstr. 20. -daab (deutsch-afrikanisch-arabisches Büro). Geschäftsstelle Bonn, Buschstr. 20. -pdw (progress dritte welt - Verlag-Verleih-Agentur).
Geschäftsstelle Bonn, Buschstr. 20. Veröffentlichte soeben neue, gegen die Bundesrepublik Deutschland gerichtete Schrift des African National Congress.
-DAAG (Deutsch-Afrikanisch-Arabische Gesellschaft) Bonn, Buschstr. 20. ...
Von wenigen, lediglich der Sache verpflichteten ...Mitgliedern dieser Organisationen abgesehen (z.B. Frau von Bothmer, MdB), scheinen die meisten der DKP nahe zu stehen bzw. ihr anzugehören und
sind jeweils in mehren Gruppen tätig....Es besteht ... zwischen den aufgeführten Organisationen eine offenkundig prokommunistische Verflechtung".
Mit diesen Gruppen arbeitete ich zusammen, war Mitglied, sogar im Vorstand. Wir störten die Ruhe der Außenpolitiker. Die Bundesregierung hatte Portugal als Kolonialmacht unterstützt und stützte das
Apartheid-Regime in Süd Afrika, wenn auch mit abnehmender Tendenz zu der Zeit, der internationale Druck wurde stärker. Wir sahen unsere Aufgabe in der Veröffentlichung dieser Kungelei auf
politischem und wirtschaftlichem Gebiet.
Zu dem Zeitpunkt war der Bau einer Kernanlage mit deutscher Hilfe bekannt geworden. Auch wir wussten, dass die Technologie zum Bau der Bombe nicht kompatibel war mit der eines Atommeilers,
aber beide gemeinsame Grundlagen haben. Weitere Informationen aus Papieren der Südafrikanischen Botschaft sickerten durch, die diese Komplizenschaft erhärtete. Schon allein die Tatsache der
Zusammenarbeit mit einem diktatorischen, rassistischen, brutalen Staat, der seine weiße Minderheitsherrschaft stabilisieren wollte, war für uns verwerflich. Eine Atombombe durften die nie kriegen!
Das war der Dreck, mit dem wir warfen und deshalb mussten wir Kommunisten sein. Gute Deutsche werfen nicht mit Dreck auf ihren Staat.
In der Tat nutzten wir Fakten, die auch von den Kommunisten verbreitet wurden. Die Annahme der südafrikanischen Botschaft, dass der DDR-Geheimdienst in den Aktenklau verwickelt sei, war nicht
unwahrscheinlich. Wir waren stolz auf unsere Verbindungen zu den "fortschrittlichen Kräften" im südlichen Afrika und sahen uns als deren Sprachrohr. Den cleveren Kommunistenjägern schien gar nicht
aufgefallen zu sein, dass die Buschstraße unser Zentrum war, nicht Moskau. Die verschiedenen Organisationen spiegelten unterschiedliche Interessenschwerpunkte und Aufgabenbereiche von Leuten, die
pro Befreiungsbewegungen und gegen die Apartheid arbeiteten und sich Büroräume teilten. Einzig die in Frankfurt ansässige ASK war kommunistisch. Wir nicht.
Wie kam ich da hin? Mein Weg war der Werdegang eines anpolitisierten Technikers nach seinen Erfahrungen als Entwicklungshelfer. Ich wurde SPD-Mitglied weil ich Brandt verehrte. Das durch Barzel
angezettelte Misstrauensvotum erlebte ich noch als Angestellter bei Rowenta. Nach Chile arbeitete ich da 2 Jahre als Techniker. Es war ein Morgen des Aufbruchs, ziviler Ungehorsam lag in der
Luft. Kein Mensch arbeitete richtig, wir hörten Radio und waren uns sicher, wenn Barzel gewinnt, fahren wir nach Bonn. Er gewann nicht. Brandt, so sagte man, traf ihn nachher im Pissoir des
Bundestages. Sagt Willy, Rainer, auch hier ziehst du den Kürzeren. Gibs ihm, Willy! Aber parteipolitisch war ich nicht interessiert. Ich wollte was für die Entwicklungsländer tun, denn Solidarität
war wichtig, das war klar geworden. Die Ostpolitik von Brandt war unterstützenswert, die Afrikapolitik, auch der SPD-Regierungen, nicht. Aus Chile kommend, war das Engagement für Lateinamerika nahe
liegend. Aber Gruppen, die sich mit dem Subkontinent beschäftigten, kannte ich nicht, das Interesse stieg erst später bei und nach Allende. Der Club der Rückkehrer aus Entwicklungsdiensten war
erste Anlaufstelle und frustrierend. Geschichten am Lagerfeuer von Erlebnissen und Dönkes hatten Priorität. Jürgen kam und stellte die Cabora Bassa Gruppe vor, da war sie, die
Aktion.
Die Gruppe unterstützte die Befreiungsbewegung FRELIMO in Moçambique und ihren Kampf gegen den Bau von Cabora Bassa, eines der größten Staudämme der Welt. Portugal baute den Damm nicht nur, um
Strom für Südafrika zu erzeugen (in der Tat dachte die Kolonialmacht nicht primär an die eigene Überseeprovinz, wie sie die Kolonie nannten), der Trick war, durch die Beteiligung verschiedenster
europäischer Konsortien deren Interesse an der Fertigstellung zu binden, zu helfen, das Projekt als Bollwerk gegen die FRELIMO auszubauen. Die hatte mittlerweile das halbe Land befreit gegen eine
übermächtige Kolonialarmee und war weiter auf dem Vormarsch. Am Bau beteiligt waren von Deutscher Seite Siemens, Hochtief, AEG Telefunken und BBC, abgesichert über Hermes Kredite durch die
Bundesregierung. Damit war die auch im Boot gegen die FRELIMO und für die Fortsetzung der Kolonialherrschaft. So jedenfalls sahen wir das. Junge Siemens Ingenieure, während der 68er Zeit
politisiert, waren die Gründer der Gruppe. Dazu kamen Studenten, der "Kampf" gegen Cabora Bassa gehörte zum Repertoire ihrer Revolte. In dieser Gruppe lernte ich die ersten Schritte in der Politik
von unten.
Wir machten Aktionen, wollten die Öffentlichkeit wach rütteln gegen die schreiende Ungerechtigkeit. Portugal war die letzte Kolonialmacht in Afrika und versuchte verbissen, ihren Status zu
behalten. Einmal hatten wir uns ein Straßentheater ausgedacht. FRELIMO-Kämpfer kamen darin vor, die in einem Dorf agitieren und von der üblen Kolonialmacht erzählen, was die alles anstellt gegen
den berechtigten Kampf für Unabhängigkeit. Zwei dachartige Gestelle aus Holz und Pappe stellten Hütten dar, die von innen getragen wurden. In den Dächern öffneten sich Klappen, die hinterhältigen
Portugiesen hatten sich in den "Häusern" angeschlichen und schossen mit (Plastik) MP. Ratatatatat machte es und die "Afrikaner" waren tot. Ich glaube nicht, dass wir Menschen überzeugt haben.
Andere Aktionen waren erfolgreicher. Wir hielten Vorträge, schrieben Artikel, gaben Broschüren heraus, hatten Kontakt zur FRELIMO. (Alle Kontakte liefen über Tansania, der Basis von
Befreiungsbewegungen. Dass ich später in diesem Land arbeiten durfte, hatte einen besonderen Erinnerungseffekt für mich). Einen Reporter der FR haben wir eine Reise in die befreiten Gebiete
vermittelt und einmal sogar die Logistik im Krieg verbessert. Sie hatten einen deutschen Fernschreiber im Kampfgebiet, der aber nur senden konnte. Ob wir da was machen könnten? Und wirklich, wir
haben in einem Trödelladen ein andockbares Bauteil gefunden, und nach Moçambique geschickt. Jetzt konnte das Gerät auch empfangen. Wir waren stolz.
Jürgen, Jo, Bettina, Eddy, Bob, Gudrun und ich, später auch Monika, Winni und Inga bildeten den Kern der Gruppe. Andere arbeiteten sporadisch mit, kamen und gingen. Bettina war die Intellektuelle
und schrieb Bücher und für Zeitungen. Bob, der Afroamerikaner, musste den schwarzen Afrikaner geben bei unseren Vorstellungen. Jürgen gehörte zu den Initiatoren, Jo, Australierin, war die Mutter
der Gruppe, Gudrun hielt den Kontakt zu Frauenorganisationen und ich freute mich, wenn sie über meine Witze lachten. Als Bettina ihr Tagebuch aufschlug und mir vorlas, was ich letzte Woche gesagt
haben sollte, fiel ich aus allen Wolken. Da hatte jemand meine Worte ernst genommen! Eddy war zuständig für die Rückkehr von der Aktion zur Theorie. Er organisierte Marx- und Lenin-Zirkel. Wir
sollten ja wissen, welche ökonomischen Grundlagen unser Wirtschaftssystem zwanghaft zur Ausbeutung auch in die Kolonien treibt und weshalb der Imperialismus das höchste Stadium des Kapitalismus
ist. Es war ganz nett, Marxismus zusammen zu studieren, nach einer gewissen Zeit aber drängten wir Praktiker die Gruppe doch wieder zu Aktionen.
Eine Jugendgruppe in Offenbach hatte eingeladen, sie wollten was über Cabora Bassa und den Befreiungskampf hören. Schon zu Beginn meines Vortrags fing einer an, einen dicken Joint zu drehen.
Gesehen hatte ich das noch nicht, gehört schon. Der Jugendpfarrer verzog keine Miene, ich machte es nach und war neugierig. Der Joint machte die Runde, der Pfarrer zog nicht aber ich. Nichts
Weltbewegendes geschah. Die Gruppe fand das gut und lud mich ein zu einem Wochenende ohne Politik. Monika saß auf dem Bett, die langen Haare hingen ihr über die Brust, die Beine untergeschlagen
drehte sie einen Joint. Wir rauchten und da war sie, die friedfertige Stimmung mit Kuschelgelüst. Ihre Bewunderung bauchpinselte mich, sie übernachtete immer öfters bei mir und blieb ganz.
Sie nabelte sich ab von zu Hause, ich war Vaterersatz und Wegweiser zu einem anderen Leben. Das allerdings konnte nicht lange gut gehen.
Gudrun war hübsch, ruhig und rauchte mit elegant abgespreizten Fingern. Wenn sie was sagte, hatte das Hand und Fuß. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass ich mit ihrem Lächeln gemeint sei. Sie
hatte meine Arbeiten bei der Vorbereitung zur Hochschulreife-Prüfung korrigiert, eigentlich umgeschrieben, darüber war ich schockiert. War ich so schlecht? In der Gruppe arbeitete zeitweise eine
ältere Frau mit ihrer jungen Freundin. Hatten die beiden was miteinander? Keine Ahnung. Zu fragen traute ich mich nicht. Merkst du denn nicht, dass Gudrun auf dich steht, sagten sie mir? Auf mich?
Aus allen Wolken fiel ich. Und blieb nach der Sitzung. Wir redeten, tranken, hörten Musik, Gudrun lachte, lachte sie mich an oder aus? Die Nacht wurde länger und irgendwann lagen wir im Bett und es
war normal und schön und ungezwungen. Am nächsten Morgen fuhren wir alle nach Kassel zu einem 3. Welt Treffen. Monika war dabei und verlangte Rechenschaft. Mir ging es zu gut, ich strahlte und
wollte alleine leben. Unterwegs kam die Nachricht im Autoradio: Baader, Meins und Raspe verhaftet. Wir hielten auf einer Raststätte, waren unschlüssig. Nein, für die RAF waren die meisten nicht,
aber diese Typen hatten mal zu unserer Seite gehört, hatten sich abgesetzt, meinten bitterernst Stadtguerilla zu sein in einer Zeit ohne jedwedes revolutionäres Potential. Ihre Analysen hatten
einen nachvollziehbaren Kern. Es gab viel zu kritisieren an diesem Staat. Die Schlussfolgerung der RAF allerdings, dass nur Krieg die Lösung bringe, war so hirnrissig wie ihre Aktionen
unmenschlich. Kaltes Töten war inakzeptabel für mich. Alles war schlimm. Der Staat, den auch wir nicht für gut empfanden, hatte gewonnen.
Meine Kontakte in der anderen Welt nahmen zu. Solidarität, das Gefühl, zusammen zu gehören, Erproben neuer Formen des Lebens, all das fand ich spannend und eine Alternative zu dem bekannten Dasein.
Wohngemeinschaften waren faszinierend, sie schmeckten nach Abenteuer und Sex, auch wenn die leidigen Probleme mit Küche und Bad noch nicht gelöst waren. Wenn man will, dann muss es, dachten wir. Es
wollte nicht, aber das wussten wir noch nicht. Zu sehr war Ordnung und Sauberkeit eingebläut. Ich habe es einmal mit einer halben Gemeinschaft probiert. Er war Jungmanager bei der Deutschen Bank,
sie Apothekerin. In unserer Wohnung war es sauber und Sex hatten nur die beiden. Einige meiner neuen Bekannten wohnten in Kommunen und als Eddy eines Abends die Wand zum Nachbarhaus durchschlug um
die Wohnung zu vergrößern dachte ich, die Welt bricht ein. Aber es passierte nichts, auch die Nachbarvilla im Westend Frankfurts war dem Untergang durch Immobilienhaie gewidmet. Mein Bekanntenkreis
erweiterte sich, es war einfach, dazu zu gehören. Abisag Tüllmann war eine renommierte Fotografin, sie hatte zusammen mit Bettina Südafrika bereist und ein Buch daraus gemacht. Sie nahm mich mit in
einer Gruppe von Frauen nach Jugoslawien. Ich litt wieder unter Liebeskummer wie ein Hund, Charlotte hatte mir den Laufpass gegeben mit der Note, sie habe ein sexuell befriedigenderes Verhältnis
gefunden. (Später lernte ich von Psychologen, dass der Kriegsjahrgang 44 mit besonderen Abnabelungsproblemen zu kämpfen hatte wenn die Väter erst Jahre danach aus Gefangenschaft zurück gekommen
waren). Die Insel Korcula schien besetzt von Frankfurter Alternativen, die nackt badeten. Ziemlich am Ende der Insel fanden wir ein Fischerdorf und eine Bucht und blieben. Eines Morgens kam
jemand aufgeregt aus dem Dorf zurück, er konnte es nicht lesen, aber ein großes Bild von Allende schwarz umrahmt habe er gesehen. Ich war starr vor Angst. Chile hatte mich nie verlassen und bei
Diskussionen um die Unidad Popular war meine Position die von Allende gegen die Mehrheit, die lautstark Volksbewaffnung verlangte. Dann aber, hatte Allende prophezeit, gäbe es einen Bürgerkrieg,
die Armee würde das nicht zulassen. Wir rasten zurück über die Insel, am Hafen fanden wir internationale Zeitungen und den Verdacht bestätigt. Allende war tot, das Militär hatte die Macht in Chile
übernommen. Für mich war der Urlaub vorbei. Chile unter Allende war ein Hoffnungsschimmer, das Land aus der Dominanz der Oligarchie und der USA zu befreien. Es wurde alles sogar noch schlimmer als
befürchtet.
1974 hörte der Kolonialkrieg der Portugiesen auf. Junge Offiziere, die das verknöcherte Salazar Regime und den immer aussichtsloseren Krieg in Übersee satt hatten, stürzten den Diktator mit einer
Nelken Revolution. Die Übersee Provinzen wurden unabhängig, die Befreiungsbewegungen hatten gewonnen und wir waren obsolet. Aber der Kampf war nicht vorbei. In Angola stützte die CIA die
Konterrevolution, in Moçambique zettelte sie der Geheimdienst von Rhodesien und Südafrika an. Die Nachbarstaaten befürchteten eine Übergreifen der Revolution auf ihre weiße Herrschaft und die
Amerikaner wollten die Verstärkung des sozialistischen Lagers durch die kommunistischen Befreiungsbewegungen nicht zulassen. Brutal und langwierig waren die internen Kämpfe, wenig drang nach
draußen. Was wir wussten, wurde veröffentlicht, das internationale Augenmerk aber hatte sich auf Südafrika und sein Apartheid Regime verlagert.
Jürgen und Jo zogen nach Bonn und trennten sich später, Winni ging als Arzt zum DED, Inga ging mit und wurde Beauftragte, Gudrun hatte die Ehe mit Bob schon früh aufgelöst und blieb in Frankfurt.
Bob studierte seit langem, war Barmann und ging zurück in die Staaten. Eddy wechselte von der Philosophie zu Taxi fahren und ich studierte, arbeitete und war oft in Bonn. Wir aber blieben uns
wohlgesonnen, zusammengeschweißt in einer besonderen Etappe der Geschichte.
Der Kontakt und die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen war früh entstanden. Ich wurde Mitglied in einigen und landete im 2 Vorständen, der Afrika Gesellschaft und dem Deutschen Komitee für
Angola, Guinea B. und Moçambique. Als Schaltstelle zur Informationssammlung und Weitergabe an politische Menschen diente das Komitee, aber auch als Koordinator für neue Aktionen.
Öffentlichkeitswirksam war die Beteiligung an Siemens Hauptversammlungen. Jeder, der eine Aktie hatte, konnte mit Rederecht teilnehmen. Wolff war der Hauptredner von uns. Er hatte sich mit einem
Anzug verkleidet, aber die Strümpfe vergessen. Seine Anklage und Forderung, sich aus dem Geschäft gegen den Kolonialismus herauszuziehen, erzeugte Wirbel. Dagegen waren auch die Kleinanleger.
Presse und Fernsehen nahmen das Thema auf, manche Pro, manche Kontra, unser Anliegen war im Gespräch. Im Komitee waren Bundestagsabgeordnete Mitglieder, andere klinkten sich nach Bedarf in das
Netzwerk für Anfragen im Bundestag ein. Wolff, Fallschirmjäger, Arzt und Geschäftsführer des Komitees war der Rührigste. Mit Chuzpe kam er an neue Fakten. Er konnte Stimmen nachahmen, ließ sich mit
hohen Funktionären verbinden und gab sich als Mitarbeiter aus. Sie haben öfters aus dem Nähkästchen geplaudert und siehe da, Vermutungen über neue Verschleierungsversuche wurden bestätigt. Die
Publizierung der neuen Erkenntnisse lief auf Hochtouren, die Zeit war gegen Kolonialismus und Apartheid. Befriedigend war die Einladung zur Unabhängigkeitsfeier in Moçambique als einzige
Organisation aus Westdeutschland. Wolff fuhr, er hatte am meisten gemacht. Noch nicht einmal die Bundesregierung war geladen und musste uns zähneknirschend eine Vorreiterrolle zugestehen. Trotzdem
war der Wirkungsgrad des Komitees beschränkt.
Ein anderes Kaliber war da schon die Afrika Gesellschaft. Als ich sie kennen lernte, residierte sie in einem luxuriösen Büro über dem Bonner Markt. Einstmals als Sammelstelle konservativer Afrika
Politiker gegründet und wohlgefällig von den Regierungen subventioniert, war sie in einer Nacht und Nebel Aktion von linken Afrikafreunden übernommen worden. Nach alter Sitte wurde der Vorstand von
einigen wenigen Mitgliedern regelmäßig wieder gewählt. Im Lauf des Jahres waren viele von unserer Seite eingetreten, was der Vorstand mit Wohlwollen quittierte. Wenig wohlwollend war die Reaktion,
als die neuen Mitglieder alle erschienen und einen neuen Vorstand wählten. Von da an war auch die Regierung gegen den Afrika-Verein. Der war natürlich eine andere Plattform mit Mitteln, Büro,
Konferenzraum, Periodika auf Hochglanz, Veröffentlichungen in großen Auflagen, Organisation von Konferenzen, Vergabe von Preisen, alles da. Habicht-Benthin, der neue Geschäftsführer, war ein
cleverer junger Manager, der die Möglichkeiten nutzte. An den "Internationalismus Gesprächen" nahmen Botschaftsangehörige, Bundestagsabgeordnete, Presseleute, wichtige Personen teil. Die fremde
Übernahme aber hat die Regierung nie verziehen. Die Mittel wurden knapper, 1978 musste der Verein aufgelöst werden.
Wir waren sicher keine wichtigen Instanzen im Kampf gegen Ungerechtigkeit, Rassismus und Abhängigkeit, aber ein wenig durften wir beitragen. Am schönsten ist mein Gefühl, auf der richtigen Seite
gestanden zu haben. Nochmals aus den "Akten zur auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland, diesmal vom 25. Juni 1975": "Der sambische Außenminister und Präsident Kaunda bezeichneten
jedoch unser gestörtes Verhältnis zu Mosambik als ein warnendes Beispiel dafür, dass wir von der politischen Entwicklung im südlichen Afrika überrollt werden könnten, wenn wir unsere Einstellung zu
den Befreiungsbewegungen nicht änderten." Und in einer Fußnote: Wegen Cabora Bassa (über 500 Mio. DM Bundesbürgschaft), wirtschaftlichen Möglichkeiten und strategischer Lage an Kaproute sind wir an
baldiger Aufnahme diplomatischer Beziehung interessiert. Einladung zur Unabhängigkeitsfeiern hat aber nur (unser: RE) deutsches Angola-Komitee erhalten. Bundesregierung, USA, Frankreich und auch
SPD sind nicht erwünscht".
Allerdings bekommt mein positives Gefühl Risse. Vor einem Jahr war ich 3 Monate in Moçambique. Die neue Gesellschaft war noch nicht erstanden.
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