Mittwoch, 1. april 2009
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Das kann doch nicht wahr sein, ein Taubenschlag war das, keine Vollversammlung an der Uni. Vorne redete einer in ein Mikrofon, irgendein K-Gruppenvertreter redete mit
einem Megafon dazwischen vom Kampf der Arbeiter, der in die Universität hinein zu tragen sei, ständig kamen und gingen Leute, welche sprangen über die Sitzreihen, andere brüllten sich was zu,
Frauen strickten und unterhielten sich, ein Durcheinander bunter Gestalten, der Hörsaal ein Tollhaus. Gewohnt war ich geordnete Betriebsversammlungen, Jahreshaupt- und andere Veranstaltungen aus
meiner 3. Welt Arbeit. Aber das hier nicht. Das sollte nun die berühmte Mitbestimmung der Studenten sein? Nee, das war nichts für mich, ich ging nie mehr hin. Es war meine erste und letzte.
Chile war der Auslöser. In den 2 Jahren als Entwicklungshelfer hatte ich viel Neues gesehen, aber wenig begriffen, in der Cabora Bassa Gruppe einiges dazu gelernt über koloniale und imperiale
Hintergründe. Das Studium der Soziologie mit Schwerpunkt 3. Welt und Volkswirtschaft sollten die Lücken schließen. Soziologie, um gesellschaftliche Mechanismen und ihr Zusammenspiel zu begreifen,
Wirtschaftswissenschaft bei den Volkswirten, um den Motor des kapitalistischen Systems aus Sicht der systemimmanenten Vertreter zu kapieren.
Es ging nicht gut am Anfang, völlige Orientierungslosigkeit herrschte. Ein Gewirr von Stockwerken, Büros, Räumen, Sälen, Professoren, Dozenten, Dekanen, Assistenten, Sekretariaten, Bibliotheken
empfing mich. Niemand wusste genau, was zu machen sei und niemanden schien das zu interessieren. Das Vorlesungsverzeichnis war die einzige Orientierung. Damit musste man sich seine eigene Schneise
in diese Wildnis, in diesen verzwickten und undurchsichtigen Bildungsdschungel schlagen. Ich erinnere mich, Jahre danach, die Hessische Landesregierung hatte eine Reform vorgeschlagen, einen
Katalog mit Vorschlägen, was man studieren, lernen könnte bei den und den Berufszielen, wie lange Vorsemester dauern, welche Prüfungen zu erwarten seien. Wohlgemerkt: es ging nur um einen
Orientierungskatalog. Ein Sturm der Entrüstung brach los, die heilige Kuh von Lehre und Forschung beinhaltete offenbar auch die orientierungslose Studienfreiheit. Die revolutionärsten Studenten
protestierten an vorderster Front. Ich verstand die Welt nicht mehr.
Marxistische Wissenschaft kriegten wir bei der eigenen Fraktion, den Gesellschaftswissenschaften, zur Genüge. Die waren in Frankfurt fest in der Hand nach 68er "Revolutionäre". Die Studentenrevolte
hatte ich versäumt, in München unpolitisch nichts gesehen, in Lateinamerika nichts wahrgenommen aus Deutschland. Nun war die, sicher ehemals fortschrittlich angelegte, alte, längst überfällige
Zöpfe abschneidende, neue politische und gesellschaftliche Formen fordernde, ungestüm über Ziele hinausschießende, aber doch Bewegung in die verknöcherte Deutsche Gesellschaft zwingende Revolte,
dieses Revolutiönchen, ausgeartet in zersplitterte Sekten politgläubiger Bürgersöhnchen und -töchterchen. Und was für ein buntscheckiger Haufen traf sich da auf dem Tummelplatz universitärer
Freiräume, K-Gruppen genannt! Maoisten gab es, Leninisten, moskautreue Kommunisten, Trotzkisten, Enver Hodxa Anhänger (keine Ahnung, warum Albanien zum Nachahmen animierte), Rote Khmer Kommunisten,
Stalinisten, Aufbaukommunisten und Mischungen aus all dem. Sie gaben Zeitungen heraus, druckten Bücher, hatten ihre Zentralkomitees, Führer, Fußvölker, ihre Kongresse, Volksversammlungen,
Schulungsveranstaltungen, Büchertische, Kleiderordnungen. Und dann dieses unsägliche Abdriften einiger weniger, in Waffengewalt Lösung suchend, revolutionären Romantizismus wohl auch im Kopf,
soziale Gerechtigkeit vermeinend anzustreben, in Ungerechtigkeit ausufernd, eigener und staatlicher, Unselige. Da waren die mir lieber, die im vollen Ernst beschlossen, als Arbeiter bei Opel sich
einzugliedern, von innen her zu agitieren, nicht die Revolution erreichten aber doch verstehen lernten, was Arbeit ist.
K-Gruppenvertreter versuchten, jede Veranstaltung nach ihren Dogmen umzufunktionieren. Das erste Seminar besuchte ich bei Andreas Buro. Der war mir kein Unbekannter. Im Sozialistischen Büro in
Offenbach hatten wir zusammen 3. Welt-Aktionen koordiniert, hier lehrte er Entwicklungssoziologie. Seine Einführungsveranstaltung war gut besucht, auf dem Boden und Tischen saßen die jungen Leute.
Kaum hatte er angefangen, ging die Tür auf und eine Gruppe sichtbar revolutionärer K-Gruppen Kämpfer kam herein, nahm dem Dozenten das Wort ab, verlangte lautstark über die rechte Stoßrichtung der
Inhalte zu diskutieren, die da zu sein habe: antikapitalistisch, antiimperialistisch, für den Weltsozialismus (welcher Prägung habe ich vergessen, es gab derer viele). Freudig nahmen die Studenten
die Gelegenheit wahr und diskutierten, mich verdutzt zurück lassend, wie konnte ich über etwas reden was ich erst kennen lernen wollte? Buro blieb zugestanden, den Lernstoff für die nächste Stunde
zu empfehlen. Aber auch in der zweiten und dritten und vierten Veranstaltung tauchten die Revolutionäre wieder auf, wieder die Grundfrage stellend und Erörterung verlangend. Kaum kam Andreas zu
Wort, nur Anstöße gebend, was wir selbst erarbeiten sollten. So und ähnlich oft und überall.
Ergebnisorientiertes Studium war das nicht, Leistung war verschrien, Marx, Engels, Lenin, Mao zitieren das Allheilmittel. Eine seltsame Lethargie lag über dem Ganzen, dies und das mal tun,
keinesfalls gründlich, möglichst leicht. Bei den Wirtschaftswissenschaftlern war das genau anders herum. 500 Studenten folgten mucksmäuschenstill den Wortkaskaden des Professors, der, mit
einem Mikrofon auf der Brust, ellenlange Formeln an die Tafel schrieb. Diskussionen mit ihm gab es nicht, Tutorien mussten nachhelfen, was der Elitelehrer versäumt hatte, verständlich über zu
bringen. (Ich bin noch immer entsetzt, dass Lehrer für Erstklässler einen pädagogischen Nachweis bringen müssen, Wissensvermittler unserer höchsten Bildungsanstalt dagegen ihr Unvermögen zu lehren,
ein ganzes Leben lang demonstrieren dürfen). Hinzu kam die verbreitete Meinung, komplizierte Sachlagen bedürften einer komplizierten Sprache. Den Vogel schoss Habermas ab, der große Philosoph und
Theoretiker aus der Frankfurter Schule. Der formulierte eine eigene Sprache für seine komplizierten Gedankengänge und wurde noch unverständlicher. Ich bin wahrscheinlich der einzige
Soziologiestudent im Frankfurt der 70er Jahre, der Habermas nur in Sekundärliteratur gelesen hat. Mir waren die Satzbandwürmer zu kompliziert. Dass es anders ging, zeigte die angelsächsische
Schule. Deren Wissenschaftler schrieben populär für ein breiteres Publikum.
Wirtschaftswissenschaften, so lernte ich, basieren auf ceteris paribus ("wobei die übrigen Dinge gleich sind"). Aussagen über zukünftige Entwicklungen kommen zustande, in dem man einen Schnitt in
wirtschaftliche Abläufen macht, so tut, als würde sich nichts weiter entwickeln, den statischen Zustand misst und hoch rechnet. Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so und fließen weiter. Das hat
mich kritisch werden lassen. Wenn die zu messenden Parameter in der Vergangenheit festgeschrieben sind, wie kann dann das Ergebnis für die Zukunft stimmen? (Dies ist übrigens der Grund, warum die 5
Weisen, von der Bundesregierung bestallte Professoren, mit ihren Wirtschaftsprognosen nur zufällig richtig liegen. Ihre immer komplizierteren mathematischen Modelle fußen auf der falschen Annahme,
krisenlos Vergangenes ließe sich in die Zukunft extrapolieren. Keiner hat die jetzige Krise auch nur geahnt. Gut, einer, aber der sitzt in Amerika). Von Marx wollte unser Wirtschaftsfachmann nichts
wissen. Mehrwert kann man nicht berechnen, Ausbeutung gibt es nicht. Punkt. Ein Mal kam eine Abordnung revolutionärer Kämpfer und verlangte Gehör. 10 Minuten, entschied der Professor, sah auf die
Uhr, nahm dem Agitator nach exakt der vorgegebenen Zeit des Mikrofon aus der Hand und fuhr fort mit seiner Vorlesung. Die Revolutionäre zogen betreten ab. Das war völlig anders bei den
Gesellschaftswissenschaften. Dozenten und Professoren, einige schon aus der 68er Bewegung kommend, andere dem Strom der Zeit folgend, traute sich nicht mehr, Vorlesungen anzusetzen und Störenfriede
raus zu schmeißen. Wäre auch schwierig geworden bei den vielen kritischen jungen Menschen, die liebend gerne diskutierten, weniger gerne lernten und schon gar nicht gerne Hausaufgaben geschweige
Prüfungen machten.
Meine Vorstellung vom Elfenbeinturm, in dem Wissenschaft angeeignet wurde, war arg angeknackst. Das waren Kindereien. Es gab am Fachbereich noch ein halbes Dutzend andere, die über den 2. oder 3.
Bildungsweg kamen. Wir machten unseren eigenen Arbeitskreis auf und studierten selber. Den Professor freute es, er besuchte uns gerne, wir setzten seine Vorgaben und Ideen um.
Gelernt? Aber ja doch! Die wichtigsten Theoretiker, die mich zuerst beeinflussten: Kant, Hegel, Feuerbach, Weber, Marx und Engels natürlich, die alten nicht, die Griechen, neuere auch weniger,
später erst. Geprägt hat mich Marx, der mit seiner Geschichtsbetrachtung die hegelsche Kopflastigkeit, auf die Füße stellt, die Welt nicht deutet als Verwirklichung einer göttlichen "absoluten
Idee", eines Weltgeistes, gewachsen in dialektischer Auseinandersetzung und autonom agierend, vielmehr die Geschichte der Menschen als Interessen von Klassen darstellt, die in Konflikten sich
weiterentwickelt, gebunden, verwoben mit der Erzeugung von Waren, postuliert, dass sich die Welt, die objektive Wirklichkeit, aus ihrer materiellen Existenz und deren Entwicklung erklären lässt.
Dem praktischen Ansatz, nach dem Materialismus zu schauen, ihn dialektische zu analysieren, dem glaube ich eher als der diffusen Geschichte von Ideen. Obschon der Marxsche Ansatz eher die
Grundströmung darstellt, oben auf den Wellen sieht manches anders aus. Marx und Engels für mich auch als Wirtschaftstheoretiker bildend, sicher erleichtert durch meine Herkunft aus unteren
Schichten. Natürlich erklärt der Mehrwert, warum Unternehmer reich werden, Arbeiter nicht, im Kapitalismus kriegt der Kapitaleigner halt mehr vom erschaffenen Wert als der Arbeiter. Er lässt sich
aber nicht berechnen, der Mehrwert, bleibt abstrakt, eine politische Kategorie letztlich (wer die Waren herstellt, hat auch ein Recht darauf). Dann seine Krisentheorie, dem kapitalistischen System
inhärent, nicht ein Betriebsunfall. Das sollten sich die bürgerliche Fraktion mal hinter die Ohren und in ihre Lehrbücher schreiben. Aber ja, aber klar gibt es genügend bei Marx zu kritisieren, bei
wem nicht? Das ist es ja gerade, ihn undogmatisch, als Wissenschaftler zu sehen.
Ihre sich als Weiterentwickler Marxscher Theorien sehende "Frankfurter Schule" und Denker am Rande nur gestreift, komplizierte Sätze weisen nicht unbedingt auf hohes Analysevermögen. Adorno,
Horkheimer und Habermas hatten die Studenten, die 68er, nicht gut beraten, fand ich. Ritzert - Previtt, sehr abstrakt-marxistisch, musste ich lesen, einer war mein Professor. Systemtheorie brachte
er uns bei, das Denken in Regelkreisen, die eigenen Bedingungen unterliegen, sich mit anderen Kreisen überlappen können, Rückkoppelungen auf den eigenen erzeugend. So denke ich heute
noch.
Hochinteressant die Angelsachsen mit ihren Theorien über die Arbeitswelt, nicht grundsätzlich-philosophisch wie Marx, mehr den Ablauf und den Menschen darin untersuchend. Jetzt verstand ich die
Herkunft des Mannes mit der Stoppuhr bei Arnold, der Firma, bei der ich Dreher gelernt hatte. Wir studierten das neue, fließbandlose Fertigungsverfahren bei Volvo, dem Arbeiter Verantwortung und
Kenntnis in allen Produktionsschritten zuordnend und im Ergebnis höhere Produktivität erzeugend. Das, hofften wir, war die Zukunft, die Abschaffung des leidvollen Bandes, von Chaplin brillant vor
Augen geführt. . Leider war dem nicht so, es sprach sich nicht herum. Oder war die Angst zu groß, mitdenkende Arbeiter zu erzeugen? Ach nein, so weit dachten die nicht, die Manager, das Band war
einfacher.
Hanna Ahrendt und die Schuldfrage trieb mich in tiefste Verwirrung. Über die Gräuel des Naziregimes hatte ich murmeln gehört, nix Genaues, jetzt kriegte ich die unmenschlichste Zeit in voller
Breitseite. Und fuhr nach Hause, um die Eltern anzuklagen. Erst später kamen die Zweifel. Ob ich den Rattenfängermechanismen dieses Regimes widerstehen in der Lage gewesen wäre mit all seinen
Angeboten für junge Menschen, unpolitisch wie ich war? Das allein schon ein Grund, politisch denkende Menschen zu erziehen.
Bei den Theorien über die 3. Welt zuallererst beeindruckte mich Frantz Fanon, mit seinem Anliegen, der Analyse und Überwindung von Rassismus und Kolonialismus. Sein Hauptwerk, Die Verdammten dieser
Erde, ist ein Fanal des Antikolonialismus und für die Befreiungsbewegungen. Auch Dependenztheoretiker, besonders die Lateinamerikaner, waren einleuchtend in ihren Analysen der Abhängigkeit, sie
wurden gehört in der Nach-Allende Ära. Senghaas folge ich heute noch mit seiner Darstellung der Eliten hier wie dort, in Entwicklungsländern wie in entwickelten Ländern, die miteinander in Kontakt
stehen durch Warenaustausch, Konferenzen, Reisen, sich in Lebensstandards angleichen, eng verknüpft sind. In unseren Ländern allerdings gibt es eine Transparenz nach unten, ein Anschieben der
Entwicklung für eine breitere Bevölkerungsschicht durch die Vorteile des Welthandels. Das gib es in den Entwicklungsländern so gut wie nicht, der Surplus bleibt oben. Man nennt das den mangelnden
trickle-down, Durchsickerungseffekt, der Entwicklung verhindert. Auch Lenin studiert, ja, unvergleichlich einfach, schon deshalb zu grob seine Theorie des Imperialismus als höchstes Stadium des
Kapitalismus. Aber dran ist was.
Meine Zweifel an der bürgerlichen Wirtschaftswissenschaften habe ich oben gestreift, es gab - natürlich - auch Sinnvolles. Die Theorie des abnehmenden Grenznutzen ein Beispiel dafür, dass maßloser
Produktivitätszuwachs negativ umschlägt. Er geht so: angenommen ein Stück Land, eingezäunt, wird von immer mehr Menschen bearbeitet. Zuerst sinkt die Zeit zur Erledigung der notwendigen Arbeit.
Aber irgendwann, wenn es zu viele werden, treten sie sich auf die Füße, dann sinkt der Nutzen. Und ist das Land voll mit Arbeitern, ist der Nutzen gleich Null. Die Tendenz, immer größere
Konglomerate zu schaffen mit immer mehr Produktionskonzentration stößt irgendwann an diesen abnehmenden Grenznutzen. Verdutzt hat mich die Erkenntnis, dass gesellschaftlich sinnvolle Arbeit, z. B.
freiwillige, oder Hausfrauenarbeit, keinesfalls in die Globalberechnung des Volksreichtums - auch Sozialprodukt genannt - eingeht, wohl aber, Autos kaputt zu fahren oder unsinnige Sachen zu
produzieren. Die Autos müssen schließlich ersetzt oder repariert werden, die Vernichtung unsinniger Sachen kostet. Da stimmt was nicht. Keynes mit seiner Theorien der Stärkung von Nachfrage in
Krisensituationen auch studiert und Galbraith, mit seiner scharfen Kernthese, dass der Kapitalismus sowohl privaten Reichtum als auch öffentliche Armut produziere, der gegen das
Überflussangebot an privaten Gütern bei einem gleichzeitigem Mangel in der Versorgung mit öffentlich angebotenen Infrastrukturen und Dienstleistungen keynsianische Mittel und soziale Steuerpolitik
als Lenkungsmittel propagierte und untere mehreren Präsidenten durchsetzte. Und wie der formulieren konnte! Galbraith treffend zur heute dominanten angebotsorientierten Trickle-down-Theorie :„Wenn
man den Pferden genug Hafer gibt, kommt am Ende auch etwas heraus, als Futter für die Spatzen“. Er war einer der klassische Liberalen, die mir gefielen, (die heutigen sollten sich schämen, den
Namen zu verwenden, diese Apothekergeldvermehrer Partei).
Den hohen Respekt vor der allwissenden Wissenschaft jedoch verlor ich, als ich begriff, wie Theorien gemeingültig werden. Theorien, mit denen alle arbeiten, nennt man Paradigmen. Und ein Paradigma
setzt sich erst durch, wenn die Mehrheit der Wissenschaftler es anerkennt. Dabei kann es ohne weiteres vorkommen, das bessere Theorien auf der Strecke bleiben mangels mehrheitlicher Zustimmung. Und
das ist nicht nur so in den Gesellschaftswissenschaften, nein, auch in den Naturwissenschaften gibt es hinreichend Beispiele der Unterdrückung von neuen Erkenntnissen um die alten zu erhalten.
Konnte also sein, dass das, was wir lernen mussten, zweite Wahl, maximal falsch war. Konnte sein, dass die Welt anders tickte. Mir hat diese Einsicht später sehr geholfen, um die Andersartigkeit
anderer Welten nicht nur zu verstehen sondern auch ihren eigenen Begründungshintergrund zu akzeptieren.
Ich hatte mich bei meiner anderen Arbeit, den Seminaren, auf Bildung- und Ausbildung in der DDR spezialisiert, schrieb Konzepte und wahrhaftig und schlussendlich meine Diplom Arbeit darüber, obwohl
mein Studium das Verständnis der 3. Welt zum zentralen Anliegen hatte. Soziale System und ihre Triebkräfte zu analysieren lernte ich und da war nun eins in unserem damaligen Nachbarstaat, das neu,
unbekannt und faszinierend war, dessen Anspruch und Grundlage marxistisch war und Marxismus waberte in Frankfurt zumindest durch die Geisteswissenschaften als Theorie ohne praktische Relevanz.
Genau das interessierte sogar meinen Professor, ein ansonsten hoch theoretisch arbeitender Nachfolger der Frankfurter Schule. Wie leitet sich Arbeit und Lernen aus der Theorie ab und setzt sich um
in der Praxis. Die beste Note gab er mir. Wunderbar.
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