Friday, 24. april 2009 5 24 /04 /Apr. /2009 18:24
Mich packt die Wut. Da  stellen sich diese selbsternannten Wirtschaftsexperten schon wieder hin und verkünden, nach ihren Berechnungen würde das Sozialprodukt im nächsten Jahr um 6% schrumpfen. Nicht 7, auch nicht 5 oder 4, nein 6%. Sie haben es errechnet. Was für eine Chuzpe, was für eine Dreistigkeit. Noch nie, wirklich noch nie haben die Vorhersagen dieser "Weisen" gestimmt. Kann nicht stimmen, denn sie stochern im Heuhaufen herum, versuchen, die Zukunft zu antizipieren. Ihre Modelle der Hochrechnung sind eine Computergestützte Form der Wahrsagerei. Der gelingt auch ab und an ein Zufallstreffer. Sie berechnen was sein wird, wenn es so weiter geht wie bisher - falls ihre Modelle stimmen (das vergessen sie zu sagen). Aber: erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Keiner von ihnen (zumindest in Deutschland) hat irgend etwas von der Krise geahnt. Anstelle ihr Versagen einzugestehen, in sich zu gehen, zumindest vorsichtig zu sein, machen sie Angst und sonnen sich in ihrer Aufgeblasenheit.

Was bedeutet ein Rückgang von 6%? Unser Bruttosozialprodukt schrumpft auf die Größe von 2006, vielleicht 2005. Da ging es den Deutschen bekanntermaßen recht schlecht.

Krisen können eine heilsame Wirkung haben. Das ist bei Menschen so, das ist in der Wirtschaft so. Krisen sondern aus, was der Markt am wenigsten braucht. Gar nicht so ungesund, nachzufragen, was wir wirklich brauchen, um glücklich und zufrieden zu sein. Schlimm sind die dran, die ihre Arbeit verlieren. Das sehe ich auch. Aber vielleicht ist auch das für den Einen oder Anderen Anlass nachzudenken, Änderungen anzuvisieren, die im Trott nicht möglich sind?

Freilich ist die Krise noch nicht vorbei. Die Wirtschaft ist wieder verhalten optimistisch, die Kauflust der Deutschen hat nicht nachgelassen, aber die Banken haben "giftige Wertpapiere" in ihren Kellern. Sie haben hochrisikoreiche Papiere gekauft, gezockt, auf hohe Erträge gewettet, nun stellt sich raus, die Papiere haben keine oder nur geringe reale Deckung, waren überbewertet. Ein Beispiel sind die Rückversicherungen amerikanischer Institute, die immense Kredite auf Immobilien vergeben haben. Dabei wurde wenig geprüft, ob die Kreditnehmer auch zurückzahlen können, Hauptsache, die Verkaufsprovisionen stimmten. Hinzu kommt, wie man jetzt feststellt, dass Immobilien in Amerika lange Zeit zu hoch bewertet wurden, also nicht den Wert haben, der ihnen zugeschrieben wird. Um sich abzusichern, haben diese Banken ihr Risiko gestreut. Sie haben sich gegen Ausfall der Kreditrückzahlung und Verlust der Immobilie versichert bei anderen, internationalen Banken. Nun sind die externen Banken, am Verlust beteiligt. Die Häuser in Amerika können nicht abbezahlt oder verkauft werden, und wenn sie verkauft werden, zu einen viel geringeren Preis. Diese Versicherungen sind gestückelt und in Pakete verschnürt worden mit anderen Gewinnerwartungen (die berühmten Bankprodukte, deren Verträge bis zu 1000 Seiten lang sind, da schaut keiner mehr durch) und heute weiß niemand mehr, welche Summen bezahlt werden müssen, wenn die Versicherungen fällig werden. Unvorstellbar hoch sind die Summen der schlechten Papiere. Weltweit sollen es 8 Billiarden Dollar sein, in Deutschland vermutet man bis zu 1 Billiarde an faulen Papieren (1 Billiarde hat 12 Nullen. Legt man 10 Euroscheine nebeneinander, ergibt das eine Strecke von 1.000 Km. Vorstellbar, diese Summe? Mir nicht). Und jetzt versuchen diese Schlitzohren von Bankern die Verluste zu sozialisieren und Gewinne zu behalten. Aber das ist ein anderes Thema.

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