Friday, 8. may 2009 5 08 /05 /Mai /2009 18:10
Indien:
Staatsform
Parlamentarische Bundesrepublik
Fläche
3.287.590 km²
Einwohnerzahl
1.147.995.898
(Juli 2008)
Bevölkerungsdichte
349 Einwohner pro km²
BIP
1.100 Mrd. US$ (2007) (Rang 12)
BIP/Einwohner
941 US$ (2007) (Rang 132)
HDI
0,619 (128.)

Gemäß der Verfassung von 1950 ist Indien eine parlamentarische Demokratie. Indien ist, nach der Zahl der Bürger, die größte Demokratie der Erde. Das indische Parlament ist die gesetzgebende Gewalt und besteht aus zwei Kammern: dem Unterhaus (Lok Sabha) und dem Oberhaus (Rajya Sabha). Das Unterhaus wird auf fünf Jahre nach dem Prinzip des Mehrheitswahlrechtes gewählt. Wahlberechtigt ist jeder Staatsbürger, der das 18. Lebensjahr vollendet hat. Das Oberhaus ist die Vertretung der Bundesstaaten auf nationaler Ebene. Seine Mitglieder werden von den Parlamenten der Staaten gewählt.
700 Mio Wähler gehen z.Z. zur Wahl (April 2009), die Prozedur dauert 3 Wochen, mit dem Endergebnis ist zu rechnen in ½ Jahr

Wirtschaftswachstum
Seit einigen Jahren werden Indiens Wirtschaft glänzende Aussichten zugeschrieben. Mit 9 % Wachstum im abgelaufenen Haushaltsjahr 2007/8 (durchschnittlich 8,8% in den letzten 5 Jahren) war Indien die nach China weltweit am stärksten expandierende Volkswirtschaft. Aber die Die Wachstumsdynamik lässt nach.
Als die Wirtschaftszahlen für das 2. Quartal 2008 bekannt gegeben wurden, musste Indiens Regierung einräumen, dass das Wirtschaftswachstum an Fahrt verloren hatte:
Die Zunahme des Bruttoinlandsproduktes (BIP) hatte sich von
9,2 Prozent im 2. Quartal 2007 auf
7,9 Prozent im 2. Quartal 2008 verlangsamt.
Nach Sektoren betrachtet, ging das Wachstum in der
Landwirtschaft um ein Drittel von 4,4 auf 3,0 Prozent und in der
Verarbeitenden Industrie um die Hälfte von 10,9 auf 5,6 Prozent zurück.
Besonders schlimm erwischte es die Kapitalgüterindustrie, die Maschinen und Anlagen für die übrigen Wirtschaftsbereiche liefert und daher ein wichtiger Gradmesser für die künftige Entwicklung in der Industrie und im Infrastrukturbereich ist. Hier verringerte sich das Wachstum von 19,1 Prozent im 2. Quartal 2007 auf 6,5 Prozent im 2. Quartal 2008. Lediglich im
Dienstleistungssektor wurde im 2. Quartal mit 11,2 Prozent gegenüber 13,1 Prozent im Vorjahr noch ein beachtliches, wenn auch rückläufiges, Wachstum erzielt.

Wachstumsmotor war in Indien – anders als in China – lange Zeit nicht die Industrie, sondern die  Dienstleistungswirtschaft. Aus diesen Grund wird China als die zukünftige Werkbank der Welt bezeichnet, während Indien die intellektuelle Führung übernehmen werde.

Trotz des in den letzten Jahren deutlich hohen Wachstums liegt die offizielle Arbeitslosenquote aber noch bei 9 Prozent – wobei mit einer erheblichen Zahl von Arbeitslosen zu rechnen ist, die von der Statistik nicht erfasst werden. Die Teilprivatisierung und Restrukturierung der öffentlichen Betriebe und die bisher wenig erfolgreiche Landreform haben die Arbeitslosenzahlen weiter ansteigen lassen. Die neu entstandenen Arbeitsplätze in den wenig arbeitsintensiven, dafür hochqualifizierten Dienstleistungssektoren, wo 54 Prozent des gesamten Wachstums generiert werden, konnten das nicht kompensieren

Der weltweit zu beobachtende Wandel der Wirtschaftsstruktur von der Landwirtschaft zur Industrie und zum Dienstleistungssektor vollzieht sich auch in Indien, das aber im internationalen Vergleich, zum Beispiel mit China, immer noch sehr stark agrarisch geprägt ist. 60 Prozent der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft erwerbstätig. Die ländliche Bevölkerung bildet gleichzeitig den ärmsten Teil der Bevölkerung. Vom Aufschwung der Wirtschaft profitiert bisher vorwiegend die Bevölkerung der Städte, wo sich eine kaufkräftige Mittelschicht oft hochqualifizierter Fachkräfte bildete. Dies birgt sozialen Konfliktstoff.

Die Gier der Mittelschicht nach westlichen Konsumgütern hat das traditionelle Mitgiftsystem derartig ausufern lassen, dass Familien mit mehreren Töchtern von den Schwiegersohnfamilien regelmäßig in den Ruin getrieben werden. In Folge dessen ist die bereits eklatante Sterberate von Mädchen und Frauen durch Fötus- und Kindestötung und sogenannte Küchenunfälle soweit angestiegen, dass in einigen Landesteilen wie im Punjab das Verhältnis zwischen Frauen und Männern nur noch 776 zu 1000 beträgt. Der Landesdurchschnitt liegt bei 883 zu 1000.

Armut
Migrantenarbeiterfamilien, die ihre Slums unmittelbar neben Palästen im Matsch und Dreck errichtet haben, bilden gemeinsam mit der armen Landbevölkerung das Heer der Verlierer in Indien. Laut „Human Development Report“ leben noch immer 330 Millionen der insgesamt 1,1 Milliarden Inder von weniger als einem US-Dollar pro Tag (Nach Angaben der Weltbank haben heute 44 Prozent der Einwohner Indiens weniger als einen US-Dollar pro Tag zur Verfügung). Der Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung ist so ungleich zwischen den sozialen Schichten und den Geschlechtern verteilt, dass Indien weiterhin nur Platz 127 des Human Development Indexes einnimmt.
Während Indien also wirtschaftlich und politisch nach globaler Macht strebt, klafft die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander als je zuvor. Das Wachstum im Agrarsektor, von dem mehr als 70 Prozent der indischen Bevölkerung lebt, betrug im Zeitraum 2004/2005 lediglich 2,1 Prozent, und die Prognosen für den Zeitraum 2005/2006 belaufen sich auf magere 2,3 Prozent. Auch wenn die Ernährungssituation seit den 1970er Jahren entscheidend verbessert werden konnte, ist noch immer mehr als ein Viertel der Bevölkerung zu arm, um sich eine ausreichende Ernährung leisten zu können. Unter- und Fehlernährung (z. B. Vitaminmangel) ist vornehmlich in ländlichen Gebieten ein weit verbreitetes Problem, wo der Anteil der Armen besonders hoch ist. 2007 waren 46 Prozent der Kinder in Indien mangelernährt. Nach Angaben von Unicef sterben in Indien jährlich 2,1 Millionen Kinder vor dem fünften Lebensjahr. Kinderarbeit wird hauptsächlich auf dem Land geleistet, da das Einkommen vieler Bauernfamilien nicht zum Überleben ausreicht. Hoch verschuldete Bauern müssen oft nicht nur ihr Ackerland verkaufen, sondern auch ihre Dienstleistungen an die Grundherren verpfänden. Dieses als Schuldknechtschaft bezeichnete Phänomen stellt bis heute eines der größten Hindernisse in der Armutsbekämpfung dar. 2006 haben schätzungsweise 17.000 Bauern wegen hoher Verschuldung Selbstmord begangen. Die schlechten Lebensbedingungen im ländlichen Raum veranlassen viele Menschen zur Abwanderung in die Städte (Landflucht). Dabei sind die wuchernden Metropolen des Landes kaum in der Lage, ausreichend Arbeitsplätze für die Zuwanderer zur Verfügung zu stellen. Das Ergebnis sind hohe Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung. Fast ein Drittel der Einwohner der Millionenstädte lebt in Elendsvierteln. Dharavi in Mumbai ist mit mehr als einer Million Menschen der größte Slum Asiens.

Die letzte, von der Kongresspartei geführte Regierung hatte einen Kurs des sozialen Ausgleichs versprochen: Armutsbekämpfung sollte gleichwertig mit wirtschaftlichem Wachstum vorangetrieben werden. Doch reichten offenbar in Anbetracht der notwendigen Investitionen in die marode und unzureichende Infrastruktur des Landes die vorhandenen staatlichen Mittel nicht gleichzeitig für eine ambitionierte Armutsbekämpfung. Vor allem auch deshalb nicht, weil zusätzlich enorme Gelder in die Modernisierung des Verteidigungssystems, vor allem des prestigeträchtigen Nuklearwaffenprogramms, fließen. Zudem versickern staatliche Hilfen weiterhin im korrupten Beamtenapparat des föderalistischen indischen Systems. Neue Jobs gibt es nur für Hochqualifizierte

Ausblick
Im Vergleich mit dem großen Konkurrenten Volksrepublik China liegt Indien heute nicht nur in der Wachstumsdynamik und dem Bruttosozialprodukt pro Kopf, besonders aber bei der Armutsbekämpfung weit zurück und eine Änderung der katstrophalen Lage ist nicht in Sicht. Ökonomen allerdings schreiben Indien auf längere Sicht Vorteile im Wachstumswettlauf zu:
    •    Träger des indischen Aufschwungs sind im Gegensatz zur staatlich gelenkten chinesischen Wirtschaft private Unternehmen. Denen traut man höhere Flexibilität zu als der von Funktionären gelenkten chinesischen Wirtschaft. Dazu trägt auch bei, dass Indien über einen funktionierenden Finanzmarkt mit soliden Banken verfügt; der Anteil sogenannter fauler Kredite ist im Gegensatz zu China gering.
    •    Das „Know-how“ ausländischer Unternehmen wird in Indien deutlich mehr respektiert als in China, wo ausländische Investoren fürchten müssen, dass neue Technologien rasch kopiert werden.
    •    Das indische Rechtssystem fußt auf dem britischen System und ist europäischen und amerikanischen Investoren vertrauter als das Rechtssystem Chinas.
    •    Viele Experten sind auch der Meinung, dass die indische Demokratie den wirtschaftlichen Aufschwung Indiens fördert. Mit Meinungsfreiheit, Gewaltenteilung und einem funktionierenden Rechtssystem biete Indien mehr Stabilität und weniger Risiken als die Einparteiendiktatur China, das bei einer irgendwann fälligen politischen Öffnung in gefährliche Turbulenzen geraten könne. Dass Indien – trotz ungleicher Einkommensverteilung, hoher Arbeitslosigkeit und vieler ethnischer und religiöser Gegensätze – über eine bemerkenswerte soziale und politische Stabilität verfügt, ist einigen Experten zufolge der Integrationskraft der indischen Demokratie zu verdanken, kann aber auch an der Kastenstruktur des Landes liegen. Ein Nachteil Indiens ist die lange Dauer der politischen Entscheidungsprozesse, die der langen Dauer von Entscheidungsprozessen in einer Demokratie zugeschrieben werden, sicherlich ist auch relevant, dass indische Beamte noch korrupter sind als chinesische.


Quellen: FES, wikipeia, AA, eigene


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