Wer kennt es nicht, dieses angenehme brennen beim Chili Essen? Angenehm, werden jetzt die meisten Mitbürger sagen, das brennt wie Feuer. Ja, es brennt wie
Feuer und muss so brennen. Mehr als 1 Milliarde Menschen genießt genau dieses Gefühl. Inder, Mexikaner, Thais geben die gemahlenen Pfefferschoten nicht messerspitzenweise sondern löffelweise in
Essen. Chili wird heute weltweit mehr verbraucht als jedes andere Gewürz. Denn Chili verschiebt das Geschmacksempfinden. Das ganze Aroma, sagen wir Chilifans, kriegt eine neue Qualität, erzeugt
ein Glücksgefühl.
Und nun lerne ich, dass die Veränderung im Hirn stattgefunden hat. Wer Chili liebt, hat in seinem Hirn verankerte Vorlieben neu programmiert. Er liebt das Feuer, den Schmerz, das Brennen. Meist
erfolgt die Gewöhnung an das Brennen schon in der Kindheit. Da kriegen die Kleinen früh scharfe Sachen und lieben sie. Und jetzt kommt die gute Nachricht: die Anpassung an fremde
Geschmacksrichtungen funktioniert noch im Erwachsenenalter. Langsam steigern heisst das Rezept. Das haben wir gemerkt in unseren Auslandsaufenthalten (Das erste Mal bin ich in Chile mit diesem
Vorgehen bekannt geworden. Fünf mal musst du unsere nationale Köstlichkeit essen, sagten sie, dann schmeckt´s. Nach 4 Mal fing dieser labberige, rostrote Brei aus zerquetschten Seeigeln
tatsächlich an zu schmecken).
Es gibt noch einen weiteren Grund, Chilis zu essen. Die Schärfe setzt Magensäure frei, die unbequeme Tierchen im Bauch bekämpft. Wahrscheinlich ist das der praktische Grund, weshalb in vielen
Ländern so scharf gegessen wird. Also: wer tropisches Klima liebt und besucht, kann was für seine Gesundheit tun und Chilis essen üben. Bis es schön wird.
Esssitten haben sicher was mit der eigenen Kultur zu tun. Wie schön, wenn wir über unseren Tellerrand hinaussehen und weitere Genüsse erobern. Es geht. Also ran Freunde! Für mich ist die
Maximierung der Genüsse ein erstrebenswertes Ziel.
Faszinierend fand ich an der Studie, wie formbar unser Gehirn ist. Dabei ging es nicht nur um Chilis, die Glücksgefühle erzeugen. Es geht auch mit sanfteren Wegen, sich ein Stück Glück zu
erobern. Mehr und mehr Nuancen eines guten Weins erschnüffeln lernen, schätzen lernen, wie ein Mensch sich gibt oder zur Gewohnheit machen, morgens aus dem Fenster schauen und den Regen gut
finden (oder die grünen Blätter oder was auch immer), abends sich die 3 schönsten Momente des Tages ausdenken. Jedes Mal wenn wir das tun eignen wir uns etwas Neues an. Die Grundvorgänge im
Gehirn sind gleich: etwas funktioniert nur anders als zuvor. Im Netz der Neuronen sind neue Verbindungen geschaffen. Wir lernen neu und bewusst, etwas zu erleben und zu tun. Und wenn es schön ist
macht es glücklich.
(Wer weiter darüber lesen will dem empfehle ich: Klein, Die Glücksformel; Csikszentmihalyi: Flow, das Geheimnis des Glücks)
Hier mehr über Chilis
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