Thursday, 21. may 2009 4 21 /05 /Mai /2009 10:57
Die Präriewühlmäuse in Nordamerika, die gefallen mir. Sobald die in die Pubertät kommen, stürzen sie sich auf die erstbeste Partnerin und vögeln einen ganzen Tag lang ein bis zwei Dutzend Mal. Soweit so gut. Aber jetzt kommt das Beste. Danach bleibt das Pärchen ein ganzes Leben lang zusammen. Sie beziehen ein gemeinsames Nest, er wird den Kindern ein vorsorglicher Vater und wenn Eindringe nahen, verteidigen beide ihre Wohnstätte bis zum Ende. Sogar bis über den Tod reicht die Treue: stirbt ein Partner, bleibt der andere sein Leben lang monogam. Ob sie weiterhin so oft kopulieren entzieht sich meiner Kenntnis.

Natürlich hat man auch raus gekriegt, welche Botenstoffe im Gehirn für Treue verantwortlich sind. Bei den Männchen ist es Vasopressin, bei den Weibchen Oxytocin. Das sind Hormone, die das Gehirn in die Lage versetzen, eine Vorliebe für einen Partner zu entwickeln. Auch bei den Menschen.

Für das verliebt sein ist ein anderes Hormon verantwortlich, Luliberin heißt es. Meerschweinchen hat man das (körpereigene) Hormon zusätzlich ins Gehirn gespritzt und sofort fingen die Männchen heftige Liebesspiel an, Weibchen waren unter dem Einfluss der Substanz willig für alle Wünsche. Das ist auch bei Menschen so, wir nennen es fälschlicherweise Liebe, wenn das Hormon los wummert. Es löst Begehren aus. Leider kann man es nicht zusätzlich vereinnahmen, es muss direkt ins Gehirn gespritzt werden. Leider? Dann wär was los!

So also wird Liebe und Treue gesteuert. Hormone sind es, die frei gesetzt werden. Und wenn das Verliebtheits-Hormon so nach einem Jahr nachlässt, ist die Kacke am Dampfen und die Trennung nicht weit, zunehmend in unseren modernen Gesellschaften. Dann, denke ich, muss einsetzen, was wir Menschen den Tieren voraus haben. Wir können denken. Ich nenne es die Entwicklung von Liebe, den ganzen Partner als Quelle von Freude begreifen zu lernen. Eine weitere Möglichkeit ist, die Verbindung immer wieder neu spannend, genussvoll zu machen. Das - ihr werdet es ahnen - setzt auch wieder ein Glückshormon frei. 
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