Wednesday, 27. may 2009 3 27 /05 /Mai /2009 13:37
Heute Morgen lag sie im Gras auf dem Spielplatz, unsere Schlange. Noch immer schön mit ihren grau-glitzernd schimmernden Schuppen, dem kraftvollen Körper, imposant in ihrer Größe, die so gar nicht in unsere Breiten passt, an Afrika erinnert. Sie war tot. Zerfetzt im hinteren Bereich. War es ein Tier? War es das Tier Rasenmäher? (Letzteres eher unwahrscheinlich, sie mähen im Dorf bis in die Puppen aber selten nachts). Ich bin traurig, sie gehörte zu uns. Sie war was Besonderes und hat in unser Afrika - Haus und - Ambiente gepasst. Wir hatten gemeinsame Geschichten.

Unten, im großen Raum waren wir, zusammen mit den Lieben. Max schnüffelt und schnüffelt in der Ecke herum an den großen Kissen und gebärdet sich sonderbar. Bis M aufsteht, sagt, da ist doch was, denkt, es könnte eine Maus sein, nimmt die Kissen weg und schreit auf, eine Schlange. Da lag sie, schön und groß, versteckt im Warmen. So ein mächtiges Tier hatte ich bisher nur in Afrika gesehen. Wir waren aufgeregt, die Schlange ringelte sich ein vor all den durcheinander redenden Menschen, war sie giftig? War es eine Kreuzotter? Aber sie hatte keine Zeichnung auf dem Rücken, war grau-blau geschuppt, durchgehend. Bei Schlangen braucht man einen Stock, das hatte ich gesehen. Mit dem umgekehrten Besen lenkte ich sie gegen die nun offene Terrassentür, zeigte ihr den Weg. Sie war schnell, mein Gott war sie schnell. Nur in die Wohnung durfte sie nicht. Dann war sie in der Tür, schlängelte sich über die Stufe und war im Garten und weg im Gebüsch. Was für eine Aufregung

Eine Woche später ruft M, sie ist schon wieder da! Sie hatte auf der Terrasse gesessen, telefoniert, was unter dem Tisch wahrgenommen und da war sie. Seelenruhig kroch sie geradeaus auf die offene Tür aus der sie zuletzt verschwunden war, Millimeter vor M´s Füßen vorbei. Schlangen tun das nicht, sagen die Lehrbücher, wenn Menschen da sind, reden, sich bewegen, halten sie Abstand. Keine Schlange will ihre Kraft oder ihr Gift verschwenden an ein Opfer, dass viel zu groß ist für sie. Aber unsere, die wollte in die Wohnung, wahrscheinlich hinter die Kissen, an den warmen, kuscheligen Platz, den sie sich ausgesucht hatte. Wahrscheinlich, sagen Jörg und Hanne, wollte sie ihre Eier legen. Das wär mal was gewesen, kleine Schlangen mit ihrer Mutter in unserer Ecke. Wieder hab ich sie mit dem Besen gelenkt, weg von der Tür in der sie schon wieder halb war, über die Terrasse, sie wollte auf die andere Seite, schlängelte sich halb die Treppe hoch, durch das Gemüse in die Büsche. Seit der Zeit haben wir sie nicht mehr wieder gesehen. Bis gestern. Machs gut, schöne Schlange. Schade um dich. Aber vielleicht hat sie Nachkommen, die uns ab und an besuchen? Ein bisschen gruselig ist es schon mit diesen Tieren. Sie war eine Ringelnatter, völlig ungefährlich.
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