Monday, 15. june 2009 1 15 /06 /Juni /2009 19:11

Geschwisterliebe

Mutter lächelt gähnend, hab heute Nachmittag nicht geschlafen, nur im Sessel gelegen. Jetzt bin ich müde, müder als sonst. Anna war da, die Schwester, 95 und fit in Reden und Handeln. Sie will immer reden, sagt Mutter, immer, und andauernd will sie über alle Familien im Dorf Bescheid wissen. Das interessiert mich doch gar nicht. Macht mich nur müde. Aber ich versteh´s ja, sagt sie, zu Hause redet keiner mit ihr, Günter nicht und Ingrid auch nicht, obwohl die ja jetzt zu Hause ist. Sie sitzt die ganze Woche da und hat niemand. Einkaufen geht sie ja noch mit ihrem Wägelchen, aber sonst ist sie einsam. Da lass ich sie mal reden, auch wenn ich müde werde. 


Arbeitsmoral

Der Rainer, sagt Mutter zu Klaus, der Schulkamerad von R, der hat immer alles ordentlich ums Haus rum und der R, der liest! Sie hätte halt gerne, wenn ich auch alleweil ums Haus herum arbeite anstelle in meinem Arbeitszimmer zu verschwinden. Sie überlegt einen Moment. Also der Rainer, beschwichtigt sie sich selbst, der war ja in der Schule schon nicht gut. Ob der überhaupt mal ein Buch gelesen hat?


Der Marktwirtschaftler

Ich sorge mich, sagt der Chef des größten Deutschen Unternehmerverbandes in einem Stern-Interview, dass so viele Leute den Glauben an die soziale Marktwirtschaft verloren haben. Der Reporter klärt auf: Die Leute sehen, dass eine Kassiererin, die 1,30 Euro versenkt, ihre Arbeitsstelle verliert, dass aber die Damen und Herren, die Milliarden, ja Billionen verspielt haben, .. viele Menschen in die Armut getrieben haben, dass die straffrei ausgehen, oft sogar noch Staatsbürgschaften in Mrd. Höhe bekommen. Das schafft Zorn und Verbitterung

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