Monday, 29. june 2009 1 29 /06 /Juni /2009 12:14
M tat mir wohl. Sie ließ mir mein Leben zwischen Job, Familie und Feiern, unterstütze, wo es ging und gebraucht wurde, machte ihre Sachen und ließ mir meine. Das hab ich in der Zeit mit Gerhard gelernt, sagte sie, der war eigen, wollte keine Einmischung. Wir diskutierten viel, die Jungen, der DED, die neu kennen gelernte Welt der Ecuadorianer. Geliebte Frau Freundin war sie mir, absolut solidarisch und Rat gebend bei Konflikten. Mit ihr konnte ich alles bereden, na ja, fast alles. Wir waren zwei autonome Regelkreise, die sich in wichtigen Lebensbereichen überschnitten und unterstützten.

Sie faszinierte uns, die Welt der Ecuadorianer, Lebenslust war es, was uns, trotz weit verbreiteter Armut, entgegenschlug, Freundschaft, Herzlichkeit. Kein Problem sich zu treffen, zumeist war Zeit, Menschen waren wichtiger als Arbeit, Lebensfreude besser denn beruflicher Erfolg. Andere Regeln des Zusammenlebens galten, menschlichere, tolerantere. Wir lernten von der neuen Welt, sogen sie auf, konnten nicht verstehen, dass Landsleute auf Urlaub und deutsche Produkte warteten, ecuadorianische Lebensformen oberflächlich, unsauber, desorganisiert fanden. Ja, die Straßen waren oft in schlechter bis miserabler Verfassung, das Land größtenteils unterentwickelt, Armut und Elend allerorten. Und  doch sah man überall auch frohe, zufriedene Gesichter und kam man ins Gespräch, war Freundlichkeit und Gastfreundschaft Gebot. Dann die Musik, Cumbia, Merengue, Salsa, sie ging in die Beine, lockte zum Tanz, verführte. Wir ließen uns gerne verführen. Gewöhnungsbedürftig der Verkehr. Regeln, Ampeln, Verkehrszeichen waren Anhaltspunkte, nicht verpflichtend, mögliche Gefahren zu antizipieren, im Bewusstsein, dass jeder mögliche Blödsinn auch eintraf. Hupen war Kommunikationsmittel, besonders auf den engen, unübersichtlichen Passstraßen unerlässlich. Am schlimmsten waren alte Laster. Sie tuckerten und schlingerten im höchsten Gang mit niedrigster Geschwindigkeit mitten auf der Fahrbahn dahin, bogen ab, ohne Zeichen zu geben, waren unberechenbar. Der Indio am Steuer hatten noch kurze Zeit vorher Eselskarren gelenkt, nun umgestiegen auf die Moderne.
 

Treue war für mich kein Wert an sich. Keinesfalls ging es mir darum, untreu sein zu wollen, ich strebte eine andere, breitere Beziehungsgrundlage an. Es gab sie mal  in der Geschichte, Treue zu einer Person, sie als Individuum zu schätzen , egal was passiert, verlässlich zu ihr stehen ohne Wenn und Aber. Das war meine Vorstellung von Treue, nicht die sexuelle Eindimensionalität. So wird der Radius der Partner größer, die Beziehung stressfreier, das Vertrauen tiefer: der ganze Mensch ist gemeint. Partnerschaft, aneinander gewöhnt sein, miteinander spielen lernen hat einen hohen sexuellen Reiz.

Freitags, hatten wir beschlossen, ist so als wenn wir uns gerade kennen gelernt haben. Donnerstags muss der Streit vom Tisch, freitags haben wir ein Rendezvous, ziehen uns fein an, es wird gefeiert, ausgegangen, geflirtet und geliebt. Da brauchten wir die sturmfreie Bude, die Jungen mussten weg -und waren sauer. Wann dürfen wir wieder zu Hause sein, erst um Mitternacht? Sie, die uns so lange genervt hatten mit dem Abends länger weg bleiben Wollen. Und siehe da, Punkt 24.00 drehte sich der Schlüssel und Goran kam zurück. Bis dahin waren wir fertig, waren aus, essen, Kino, feierten, hatten uns neu entdeckt, hatten geredet, meist über uns, die Geschichten, wie wir uns gefunden hatten, erlebten sie neu, weihten den Anderen ein in frühere Erlebnisse, waren offen, partnerzentriert nachfragend, verliebten uns neu und liebten uns, lernten andere Menschen kennen, tanzten in die Nacht hinein. In Quito haben wir sie kennen gelernt, die Motels. Sie standen seltsamerweise vor oder in Orten, bis uns jemand aufklärte, das sind Stundenhotels mit angenehmem Flair. Mit dem Auto fährt man unerkannt in die Garage, von dort geht es direkt in die zumeist luxuriös ausgestatteten Räume. Sonntags morgens seien die Motels am besten belegt, da sagen die Ehefrauen, sie gehen in die Kirche. In Brasilien, lernte ich später,  werden die Motels mit Herzchen statt Sternchen im Telefonbuch ausgezeichnet. Und sind die Renner. Nun ja, Brasilien....

Es war ein langer Weg bis dahin. Anfangs ging es nicht gut

Fotos vom Leben in Ecuador im Album
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