Sunday, 5. july 2009 7 05 /07 /Juli /2009 12:02
Dann richteten sich die Widerstände meiner Kritiker gegen M. Sie wollten nicht die Frau des Beauftragten im Büro, wollten keine Potenzierung seiner Standfestigkeit, die Zentrale stimmte ihnen zu und beschied, M dürfe Kranke besuchen und sozial tätig sein. Ihre Bewerbung bei der Deutschen Schule hatte sie zurückgezogen nach dem Gespräch mit dem 2. Direktor, einem, wieseligen, machthungrigen Deutschen Studienrat. Arbeit fand sie an der Katholischen Universität, lehrte Deutsch für Ausländer, hatte Verehrer, den Direktor, Priester von Beruf, weltoffen, gelehrt, studiert auch in Bayern mit perfekter deutscher Diktion, auch einen Staatssekretär, der nebenbei an der Universität arbeitete. Sie blühte auf, erzählte von Feiern, wie erst gebetet und dann getanzt wurde, vom Kollegen, der auf der Heimfahrt zum Motel abbog - das war die Quelle unserer Erkenntnisse über Motels - schlug aus und erhielt die Freundschaft. Ich tanzte nicht gerne, tanzen war für mich Vorbereitung zum Sex, für M einfach eine Quelle der Freude. Sie nahm Einladungen ihrer Verehrer an, ging mit ihnen essen, tanzen, kam erhitzt nach Hause, erzählte von den eleganten Machos, die Frauen becircen konnten, wir hatten unsere doppelte Freude und neuen Anreiz. M war begehrt, ich musste mich anstrengen. Latino Machos, lernten wir, sind nicht zu verwechseln mit fälschlicherweise gleich bezeichneten Deutschen, sie schlagen keiner Zenzi auf den Hintern. Erzogen von ihren Müttern zu eleganten, allumsorgten, dominanten, in den Himmel gehobene Prinzen wissen sie, was Frauen wollen, wollen Frauen, stellen sie mit Huren gleich wenn Frauen wollen und oder verehren sie  wie  ihre Mutter. Sonntags musste der Staatssekretär Pepe ...de Villalobo, zu seiner Mami, Anrufe von seinen Dienstreisen in alle Welt waren Pflicht. Er nahm M mit zu Freunden und Feiern, lehrte sie ecuadorianische Kultur und Tänze, doch als er sie heiraten wollte, brachen wir die Verbindung ab.

Vicence lernte ich in einem Kino kennen, M fand ihn attraktiv, er war schwarz und kam aus einer afrikanischen Enklave ehemaliger Sklaven auf einem Landgut katholischer Priester. Er nahm uns mit in den Norden, seine Heimat. Im Dorf, noch mit Rundhütten, aber auch schon Flachbauten, war seine Großmutter die Chefin der Familie. Sie muss über 80 gewesen sein, konnte ihre Enkel und Urenkel nicht zählen, über 60 sagte sie. Ungebrochen in ihrer Herrschaft führte sie den Clan, ließ Söhne antanzen, befahl, „mande" (befiel!)sagten sie, die teilweise über 60 jährigen und standen stramm. Sie wurde meine Freundin und nahm mich unter ihre Fittiche. Auf Festen saßen wir neben ihr, der Raum hatte festgetretenen Boden und Bänke an der Wand entlang, auf die sich 30, 40 Leute drückten, nur vor uns stand ein wackeliger Tisch. Die  jungen Männer machten Musik mit einfachen Instrumenten, das urigste davon ein Kuhgebiss das mit klappernden Zähnen  den Rhythmus vorgab. Getanzt wurde in der Raummitte mit Wucht, Staub wirbelte auf, junge Frauen tanzten, Flaschen auf der Stirn balancierend mit obszönem Hüftschwung, Männer im schwerem Wiegeschritt, Afrika im Salsarythmus. Zuerst sollten wir trinken. Die junge Frau vor uns hatte die Flasche in der Hand und reichte uns das Glas mit Hochprozentigem aus eigener Produktion. Wir nahmen dankend, behielten das Glas, es war stark das Zeug. Die Frau blieb stehen, alle schauten uns an bis wir merkten, dass es nur ein Glas gab. Wir hatten auszutrinken und weiterzureichen. Jeder, der es erhielt,  kippte das Zeug bis auf einen Rest hinunter, den spritzte er auf den Boden, für Pacha Mama, dieindianische Erdgöttin, sagten sie. Die Runde dauerte bis die Flasche leer war. Vicente sagte, er wolle so gerne heiraten, Geld fehle. Bist du nicht verheiratet? Doch, aber staatlich nur. Der Priester hat gesagt, das gilt für 5 Jahre, dann spätestens müsst ihr kirchlich getraut werden, sonst lebt ihr in Schande. Auch der kostete. Am Ende unseres Aufenthaltes schenkten wir ihm die Hochzeit. Die Frauen aus seinem Dorf kamen nach Quito, wir brauchen neue Kleider, Stoff nur, wir schneidern selbst, auch die Kinder brauchten Kleider und Schuhe, das Paar Ringe, ein Brautkleid (Ms gebrauchtes war nicht gut genug), einen Anzug, dann noch einen Sack Reis, einen Sack Bohnen, Hähnchen und Yucca  haben wir, Schnaps auch, nur um eine Flasche Sekt baten sie, etwas Besonderes. Das Dorf lag im Tal, die Kirche auf dem Berg, wo die Indios wohnten. Sechzehn Leute zwängten sich in unseren Peugeot Kombi, mehr ließ die Braut nicht zu, ihr Kleid brauchte Platz. Das Stillen des neugeborenen Babys übernahm eine Freundin, zum Öffnen der Brust war das Brautkleid nicht gemacht. Die Trauung verlief lieblos am Fließband mit 3 weiteren Paaren, Taufen kamen hinzu, Wasser wurde gesegnet, alles in kurzer Zeit mit minimaler Zeremonie. Der Priester hatte sein Geld und wir konnten gehen. Dann begann die Feier und dauerte sieben Tage mit essen, trinken, tanzen von einem Haus zum anderen, Tag und Nacht. Müde Männer und Frauen schliefen in den Ecken und Zimmern und feierten weiter. Nach 2 Tagen mussten wir aufgeben und kehrten nach Quito zurück. Zu unserem Abschied kam das halbe Dorf überraschend zum Flughafen. Sie hatten die Musik mitgebracht, ich tanzte zum letzten Mal mit meiner alten Freundin und habe sie nie wieder gesehen. Vicence schrieb Briefe nach Deutschland ohne Punkt und Komma, nur zu verstehen durch Vorlesen.  Aber das war viel später.  

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