Tuesday, 7. july 2009 2 07 /07 /Juli /2009 12:10
Weihnachten der erste Urlaub in Sua an der Küste hinter Atacames mit Frank und Goran zusammen. Kleine primitive Häuschen klebten an einem Abhang, der Blick auf das Meer und die vorgelagerten Felsen war herrlich, die Luft warm und mild und die Leute freundlich. Frank, trotz Mahnungen der Sonne trotzend, holte sich einen fürchterlichen Sonnenbrand, Goran eroberte seine erste lateinamerikanische Freundin. Immer in Begleitung ihres Bruders gingen sie am Strand spazieren und schafften es trotzdem, sich zu küssen. Sie hatten dem Bruder Geld für Cola gegeben. Silvester feierten wir mit den Eltern der neuen Liebe, ich mit dem Vater und Whisky, M tanzte die Nacht durch am Strand. Es war alles sehr idyllisch mit Mondschein und wohliger Wärme, aber so richtig entspannen konnte ich nicht. Da war zu viel Neues in Beruf und Leben was mich belastete. Dann wollte wir mit den Jungen nach Muisne, 20 Km entfernt. Alle schwärmten von der Einsamkeit und Schönheit des Dorfes und seines Strandes. Die Regenzeit war noch nicht vorbei, der unbefestigte Weg morastig obwohl die Sonne schien. Der Peugeot, für den französischen Kolonialeinsatz konstruiert, kämpfte sich tapfer durch die Schlammlöcher, der Wagen war in Kürze matschig-braun, wir kamen nur langsam voran. Waren die Tiefen der Schlammkuhlen nicht abzusehen, ging M barfuss voran und sondierte. Einmal verstand ich ihren Wink falsch, fuhr los, konnte nicht mehr anhalten, wäre stecken geblieben, M rettete sich mit einem Sprung an die Böschung und sah danach aus. Ein wenig sauer war sie schon. Nach Stunden waren wir kurz vor Muisne, da war ein Loch und M versank bis zu den Hüften. Wir mussten zurück, dieselbe Prozedur nochmals. Es war heiß und stickig, wir hatten nichts zu essen und trinken dabei, davon ausgehend, schnell am Ziel zu sein. Nur einen Weihnachtsstollen von zu Hause, den Frank mitgebracht hatte. Der aß sich staubig und machte noch mehr Durst. Dann geschah es doch, wir saßen fest. Bis wir Hilfe fanden, dauerte es. Erst am Abend bei Sonnenuntergang kamen wir zum Hotel zurück und sprangen matschverkrustet angezogen ins Meer. Der Motor war braun verklebt und musste vollständig auseinander genommen und gereinigt werden. Die Fahrt nach Muisne vergessen wir nie.

Immer öfter traf ich mich Freitags mittags mit Hartmut, dem 2. Mann in der Botschaft zur Lagebesprechung, später kamen die Damen dazu, M sexy mit hohem Schlitz im engen Rock, Ulrikchen hübsch aber konservativ, unsicher, so viel zeigt man doch nicht, wir aber genossen es. Der chilenische Wein war gut und kräftig, die Erzählungen schweiften ab von der Politik, wir redeten, lachten, freuten uns. Einmal habe ich Ulrikchen, der auf diplomatischen Anstand getrimmten, eine knallenge Hose verpasst, im Laden neben der Kneipe. Die Blümchenjean saß wie angegossen auf ihren langen schlanken Beinen, passte. Ich lobte so lange bis sie kaufte, dem schmunzelnden Hartmut zur Freude. Aber nie habe ich sie in der Öffentlichkeit damit gesehen. So ganz ohne war sie nicht, erzählte, einmal offen, dass sie unter ihren weiten Kleidern auf Empfängen oft nur Strapse trage, Hatimuti zur Freude.
Wir wollten zusammen kochen bei ihnen, ich brachte den Mixer mit und versorgte die Arbeitenden mit Banana-Daiquiris. Es muss wohl viel gewesen sein. Wir erinnern nur noch, dass das Hauptgericht aufgetragen wurde und Ulrike sagte, Vorsicht, der Rotwein ist stark. . Am nächsten Tag rief sie besorgt an, wie es uns gehe. Nun habe sie für Tage Essen übrig. Wir hatten die Feier nach der Vorspeise und dem ersten Glas Wein schlagartig verlassen. Die beiden waren unsere besten Freunde. Die letzte Nacht war bezeichnend, das heiß diskutierte biblische Thema: "Liebe deinen Nächsten" kontrovers ob des Verweises auf "wie dich selbst". Hartmut wollte die Selbstliebe als Anweisung und Voraussetzung menschlichen Umgangs nicht akzeptieren. Er sprang kurz nach seiner Rückkehr nach Deutschland aus dem Fenster des AA in Bonn. Ulrike ist an Krebs und alleine gestorben. Wir waren nicht in D.

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