Wednesday, 15. july 2009 3 15 /07 /Juli /2009 13:04

Wir wollten Zeit sparen, fuhren die paar Stunden bis Shell und kriegten die unregelmäßig fliegende Maschine. Fantastisch war der Ausblick von oben, die kleine Cesna flog niedrig, der Amazonas erstreckte sich bis zum Horizont und weiter. Die Landebahn war eine Piste in den Wald geschlagen, genutzt vom ganzen Dorf. Wäsche lag zum Trocknen aus, Kinder spielten auf der einzig ebenen und geteerten Fläche, Kühe grasten daneben, ein Gewimmel. Zur Warnung ertönt eine Sirene, der Pilot überfliegt die Bahn in Kopfhöhe, kommt zurück und landet. Ein Techniker des DED arbeitete in der Radiostation der Shuara, wartete die Anlage, bildete Indianer aus. Für den in hunderten von Siedlungen zwischen Ecuador und Peru am Amazonasrand lebenden Indianerstamm - eben jenem, der noch vor kurzen Missionare tötete, nie erobert wurde, die eigene Kultur behielt - ist Radio nicht nur Unterhaltung, Familiennachrichten werden weiter gegeben (bin gesund in der Stadt angekommen), interne Informationen verbreitet. Das Wichtigste aber war die Schule per Radio, von internationalen Organisationen finanziert und unterstützt. Jede Kommune hatte einen Empfänger und einen Hilfslehrer. Täglich unterrichteten speziell ausgebildete Lehrer am Mikrofon, die Hilfslehrer vor Ort repetierten, kontrollierten die Arbeiten, sorgten für ihre Weitergabe. Das war gar nicht so einfach, der Transport hin und zurück konnte Wochen dauern. Aber die Schule funktionierte, gab den Kindern, die kaum Bildungschancen hatten, fern von der Zivilisation eine Grundschule. Helmut begleitete uns, den letzten Ort vor dem Urwald, die Indianer und das Projekt wollte er sehen.

Es war ein eigenartiges Gefühl, von einem Schamanen eingeladen zu sein, der faustgroße Schrumpfköpfe aus den Köpfen getöteter Gegner hergestellt hatte. Shuara glauben, die darin gefangene Seele gebe ihnen Macht. Waren weiße Köpfe nicht besonders wirksam? Nein, sie waren jetzt zivilisiert, zumindest die am Ort und Schrumpfköpfe herstellen war verboten. In ihrem Zentrum hingen sie noch aber auch überall Fotos von Miss-Wahlen, barfüßigen Mädchen mit plattem Kopf, in grelle Stoffbahnen und Federschmuck gekleidet.

Nach zwei Tagen waren wir wieder an der Flugpiste, es regnete, alles geschlossen, kein Flug zu erwarten. Wir gingen in ein "Hotel", spielten Skat und horchten auf Flugzeuggeräusche. Am Folgetag kam es. Wir rannten los, diesmal hatte ich einen großen Karton mit zu schleppen, meine Stereoanlage, die unsere Radiotechniker repariert hatte. Am Flugplatz Durcheinander, eine Indianerin hatte kleine Schweine dabei, die hatten sich befreit, liefen unter den Beinen der Leute durch, mussten unter Gequieke und Geschrei wieder eingefangen werden. Das Flugzeug wurde ausgeladen, wir wollten einsteigen, ein Krankenwagen kam mit einem Schwerkranken, nur die Trage passte rein und die Schwester mit der Transfusion, der Flug musste direkt nach Quito. Was blieb uns übrig als wieder auszusteigen und mit dem großen Karton zurück zu unserer Unterkunft. Erst am nächsten Tag klappte es, die Sirene heulte, die Leute auf der Startbahn bildeten eine Gasse, das Flugzeug rollte an, stoppte, der Pilot stieg aus, räumte Steine weg, erst danach konnten wir starten. Drei Tage später als geplant kamen wir wieder in Quito an. 


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