Tuesday, 14. july 2009
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Der Hamburger Bürgerschaft hatte beschlossen, die Einkommensobergrenze bei Banken, die mit staatlicher Hilfe überleben, auf 500 000 Euro festzusetzen. Das sind
immerhin 41 666,67 Euro pro Monat. Ein Pleitebanker verdient damit im Monat so viel wie ein gut bezahlter Facharbeiter im Jahr. Gestern lese ich, dass der Hamburger Senat den Beschluss des
Parlamentes einfach ignoriert und dem Chef der schwer angeschlagenen HSH Nordbank 2,9 Mio. Euro Sonderzahlungen zugestanden hat. Mir bleibt vor dieser Chuspe die Spucke weg. Ich bin
sowieso empört, dass Menschen, die die Karre vor die Wand gesetzt haben, einfach sitzen bleiben, sich vom Staat retten lassen und weiter machen als wäre nichts passiert. Das scheint durchgängig.
Aus den USA kommen ähnliche Nachrichten, Ackermann von der Deutschen Bank trumpft weiterhin auf mit 25% Eigenkapitalrendite als Ziel (der Trickser hat es durch Umbuchungen erreicht). Alles über dem
Zinssatz der Bundesanleihen wird in Theorie und Praxis als risikobehaftetes Geldgeschäft bezeichnet. Risiko geht auch mal daneben. Die Deutsche Bank hat über 2 Billiarden Euro Umlaufvermögen und
knapp 2% Eigenkapital davon. Es darf gewettet werden, ob und wann der Staat die größte Bank retten muss. Am bedrückendsten finde ich die Verflechtung von Banken und Politik. Die hat
Geschichte.
Der moderne Mensch muss erst wieder lernen, über die moderne Bankenpraxis zu staunen. Sie ist so normal geworden, dass sie alternativlos scheint. Und doch muss es eine Alternative geben zu dieser
Praxis, die nach Zählung zweier IWF-Volkswirte allein seit 1970 den Ländern der Welt 124 systemische Bankenkrisen mit zumeist schwerwiegenden Folgen für die Wirtschaft beschert hat.
Seinen Ursprung nahm die Geldschöpfung durch Banken in der Zeit, als das Bezahlen mit Gold- oder Silbermünzen die Norm war. Bald kamen die Banken auf die Idee, dass mit dem ihnen anvertrauten Gold
der Kunden ein Zusatzgeschäft zu machen war. Sie gaben das Gold ihrer Kunden als Kredit an Dritte weiter und behielten nur eine Sicherheitsreserve, um Rückforderungen von Kunden bedienen zu
können.
Dadurch gehörten viele der Goldmünzen im Tresor der Bank plötzlich zwei Leuten. Dem ursprünglichen Besitzer und dem Kreditnehmer. Aus 1 000 Goldtalern werden Bankguthaben im Wert von 2 000
Goldtalern. Diesen Prozess nennt man Geldschöpfung. Wenn der Kreditnehmer (oder der Lieferant), den ausgeliehenen Betrag zurückzahlt, der Bank wieder zur Verwahrung gibt, werden (rechnerische)
Guthaben von 3 000 Goldtalern aus den 1 000 deponierten Talern, und die Bank bekommt Zinsen für 2 000.
Der ökonomische Fachbegriff für das auf solche Weise von den Banken geschaffene Guthaben heißt "Fiat-Geld", in Anlehnung an das biblische Fiat Lux: Es werde Licht. Es ist Geld, das aus dem Nichts
entstanden ist.
Zunächst stand die Geldschöpfung noch im Ruch des Betrugs, weil die Kunden ihr Gold bei der Bank gegen das Versprechen jederzeitiger Rückgabe deponiert hatten; ein Versprechen, das die Bank nur
einlösen konnte, wenn nicht zu viele Gebrauch davon machten. Sobald Zweifel entstanden, ob die Bank das Geld ihrer Kunden tatsächlich im Tresor hatte, setzte ein Run auf die Bank und andere Banken
ein, und die Bankenkrise war da.
Perfektioniert wurde das System aus Sicht der Banken erst, als der Staat mit ins Boot kam und selbst die Zentralbanken betrieb. Die staatlichen Zentralbanken fungieren als "Kreditgeber der letzten
Instanz". Mit anderen Worten: Wenn die Bankkunden aufgrund widriger wirtschaftlicher Umstände oder Misswirtschaft nervös werden und Geld sehen wollen, bekommen die Banken das nötige Geld vom Staat,
damit sie nicht Konkurs anmelden müssen. Erst mit dieser Sicherheit im Hintergrund können Banken ihre Praxis, aus wenig Einlagen viele Kredite zu machen, bis zum Maximum ausreizen. Je mehr die
Banken das tun, desto weniger kann der Staat sie pleitegehen lassen. Das ist die heutige Situation.
Neun Billionen Euro Einlagen verwalten die Banken in Europa. Abgesegnet vom Staat müssen Banken im Euro-Raum nur absurd niedrige zwei Prozent der Kundeneinlagen in Reserve halten. Die restlichen 98
Prozent können sie verleihen. Und wenn das Geld wieder auf einem Bankkonto landet, können sie erneut 98 Prozent davon wieder verleihen, so lange, bis der Wert der zusätzlich geschaffenen
Bankguthaben auf maximal das 50-Fache der ursprünglichen Kundeneinlage angewachsen ist.
Das Liquiditätsrisiko ist enorm. Mit Reservehaltung und Eigenkapital der Bank kann diese nur für zehn Prozent der Einlagen bürgen. Den Rest übernimmt der Staat. Für die knapp neun Billionen Euro an
Guthaben, welche die Banken mit einem Federstrich geschaffen haben, bekommen sie, wenn sie eine Zinsmarge von einem Prozent schaffen, 90 Milliarden Euro Zinsen. Das macht den Reiz des Systems aus.
Und wenn sie sich verspekulieren, hat der Bürger Pech.
Die Antwort auf die Frage, warum wir ein Finanzsystem haben, das vor allem den Banken nützt, dürfte weniger in sachlichen Argumenten liegen als in der historisch gewachsenen gegenseitigen
Abhängigkeit von Bankiers und Staat. Schon die Herrscher in Mittelalter und Renaissance waren immer wieder darauf angewiesen, sich von vermögenden Händlern und Bankiers Geld zu leihen. So
finanzierten im ausgehenden 15. Jahrhundert die Fugger Maximilian I. die Übernahme Tirols und die italienischen Kriege. Der Herrscher revanchierte sich mit maßgeschneiderten Gesetzen und
Privilegien. Auch dass sie Karl V. die Bestechungsgelder zur Kaiserwahl vorstreckten, soll der Fugger Schaden nicht gewesen sein. So transparent sind die Verquickungen von Staat und Banken nicht
mehr. Ackermann ist Chefberater bei Merkel. Wundert es da, das sich nur wenig tut bei der versprochenen Verschärfung der Regeln für Bankenaufsicht und Bankgeschäfte? Mich schon. Demokratisch
gewählte Vertreter sind dem ganzen Volk verpflichtet. Und was tut die SPD? Sie langweilt.
(Die Fachideen sind ein Exzerpt aus einem Artikel der Welt. Wer mehr wissen will, hier der Link:
http://www.handelsblatt.com/politik/nachrichten/es-werde-geld-es-werde-krise;2386105;0
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