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Sunday, 19. july 2009 7 19 /07 /Juli /2009 11:17

Friedemann wollte auf die Berge, er, der überaus Sportliche. Das war in dem Land mit fast zwei Dutzend Vulkanen über 3500 m - 12 davon sogar über 5000 m - einfach zu realisieren. Auf den Hausberg von Quito, den Pichincha, ging es noch relativ einfach. Bis zur Plattform auf 4000 m Höhe kam man mit dem Jeep, die restlichen 900 m zum Rand des Vulkankegel waren in ein paar Stunden zu bezwingen, auch wenn die Luft da oben schon weniger, das Steigen anstrengend war. Die Lage der Vulkane am Äquator schiebt die Schneegrenze auf 4800 m, der Pichincha war meist schneefrei. Anders der Tungurahua mit seinem symmetrischen, auf der Spitze schneebedeckten Kegel. Bis zur Hütte knapp oberhalb der Baumgrenze brauchte man fast einen Tag, übernachtet hatten wir schon da oben, belohnt mit einem grandiose Ausblick auf den Chimborazo und das Hochland im rötlichen Abendsonnenschein.  Auf den Gipfel wollte ich mit Friedemann, M blieb in der Hütte. Morgens früh, vor Sonnenaufgang, ging es los, die Geröllflanke hoch, drei Schritte vorwärts, zwei rückwärts. Dann kam das Schnee- und Eisfeld und da war er, der Kegelrand. Doch Schreck lass nach, das war ja gar nicht der Gipfel, der lag hinter dem Kegel, von unten nicht sichtbar, noch Meilen entfernt, schien mir. Und alles mit Tiefschnee bedeckt. Der Krater allerdings lohnte die Anstrengung. Das runde Becken war aufgefüllt mit erstarrter Lava, aus den Ritzen stiegen kleine Rauchfahnen, nach faulen Eiern stinkend. Warm war es, wir zogen die Stiefel aus, steckten die Füße in die Löcher, ließen sie auftauen. Irgendwann war ich auch auf dem Gipfel, ausgelaugt und kaum noch aufnahmefähig. War auch nichts zu sehen, Eis und Schnee stob um uns herum. Danach suchte Friedemann sich einen Bergsteigerclub. Einmal noch habe ich versucht, mit einer Gruppe den Cotopaxi zu besteigen, den schönsten Vulkan, Fujiyama ähnlich, knapp 6000 m hoch. Schon auf der Hütte war die Luft dünn, der Schlaf schwer. Morgens um 4.00 Uhr mussten wir los, Nachmittags heizte sich der Schnee auf, wurde tief und gefährlich, da war es ratsam, wieder unten zu sein. Hinter der Hütte ging es steil den Gletscher hoch, doch der Einstieg durch die beiden Pfeiler unterhalb des Gipfels war zu, von einer Lawine verweht. Zurück, runter und quer, sagte der Führer. Wir verloren zwei Stunden, hingen wie auf einem Dach in einem Eisfeld, kamen wieder nicht weiter, ein Überhang hätte akrobatisches Klettern erfordert. Langsam ging die Sonne auf, in der Ferne schälten sich die Lichter von Quito aus der Dämmerung und ich wusste plötzlich nicht mehr, was ich tat, wollte nur noch nach Hause zu M und ihrem warmen Bett. Wir stiegen ab, fuhren zurück, ich wollte M überraschen, bin schon da, wollte zu dir, doch das Bett und die Wohnung waren leer. M hatte die Nacht durchgetanzt und ich Depp saß derweilen auf einem Eisdach ohne Luft und unterkühlt. Von unten waren die Vulkane auch grandios.


Happy Birthday sagten sie und überreichten mir eine lange, fingerdicke, in Zeitungspapier eingewickelte Rolle. Mach doch mal auf, sagte Mutter, lieber nicht, raunte mir Pedro ins Ohr, ich ahnte was. In Bahia de Caraquez, am Pazifik waren wir, Projekte evaluieren mit einer Gruppe Fachleuten, Freunde darunter. Es war mein 43. Geburtstag, Mutter war mit, wir wollten ein Wochenende am Meer anschließen. Daraus wurde nicht viel, M war plötzlich schwer krank, musste nach Quito zurück mit einem Notflug. Das war später. Die Junges wollten mit uns feiern, hatten sich etwas Besonderes ausgedacht und das zog. Es war ein 43 cm langer Joint.


Unser Refugium war die Hosteria Cousin in der Nähe von Otavalo, eine ehemalige Hazienda, nun mit Gästezimmern, Bar und Restaurant ausgestattet. Es war ein Traum in Ruhe. Natürlich musste die Familie mit, es gefiel ihnen und ein Traum begann sich in meinem Kopf auszubreiten: Südamerika war unser Kontinent geworden, wir fühlten uns wohl bei diesen gastfreundlichen, lebensfrohen Menschen, wären gerne geblieben, konnten nicht, ich besonders, die Familie in Deutschland zog, reich zum öfters Fliegen würden wir nie sein. Wäre es nicht ideal, die Hosteria zu erwerben und alle umzusiedeln, zusammen hier zu wohnen? Jeder von uns hatte spezielle Fähigkeiten, die zum Überleben einsetzbar waren. Au ja, sagte M, ich mach eine Sprachenschule auf. Es war ein schöner Traum.


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