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In meinem
Lieblingskochbuch steht unter Pekingente der Rat: Nach Peking fahren. Genau so geht es mir mit den Galápagos-Inseln. Ihren Artenreichtum, ihre Einmaligkeit beschreiben zu wollen wäre vermessen,
das letzte Paradies muss man erlebt haben. Rund 1000 km westlich von Ecuador liegt die Gruppe von 14 großen und über 100 kleinen und winzigen Inseln im Pazifischen Ozean, durch vulkanische
Aktivitäten entstanden, oft deutlich zu sehen. Dann läuft man über bläulich-schwarze Oberflächen mit bizarren Formen aus erstarrter Lava, noch warm unter den Füßen aber hie und da schon wieder
eingenommen von ersten Siedlerpflanzen.
Hier, auf den isolierten Inseln haben sich dieselben Arten verschieden entwickelt, spezielle, für jede Insel zum Überleben vorteilhafte Formen ausgebildet (das bekannteste Bsp. sind die Finken mit ihren unterschiedlichen Schnäbel zum Kerne knacken auf der einen, zum Wurmstochern der anderen Insel). Darwin war der Erste, der aus seinen Beobachtungen Schlüsse zog und die Theorie des Werdens abhängig von der Umwelt entwickelte. Dem Glauben an die Schöpfung aller Arten setzte er seine Theorie der Evolution, des Anpassens auf natürliche Art entgegen. Darwin ist noch präsent, nicht nur auf der großen, nach ihm benannten wissenschaftlichen Station. Kommen Sie mit, sagte der Führer, ich zeige ihnen was Besonderes. Die Landung an der gischtgepeitschten Steilküste war abenteuerlich, der Pfad die Flanke hoch zum Krater des kegelförmigen Vulkans steil und grasbewachsen. Direkt unterhalb des Kraterrandes war eine Plattform ausgegraben, zwei kleine Häuschen standen da, bewohnt von zwei amerikanischen Studenten. Sie waren sehr erfreut, uns zu sehen. Ein halbes Jahr lang leben sie hier isoliert, beobachten, zählen, beringen, vermessen Vögel, dann werden sie durch das nächste Team abgelöst. Es ist das Langzeitprojekt einer amerikanischen Universität auf Darwins Spuren um Veränderung bei den Finkenarten nachzuweisen. Der Anblick tausender Vögel unterschiedlichster Herkunft im Krater war grandios, sie nisten dort und sind fast zahm, lassen Menschen nahe an sich heran kommen. Tausende Jahre Isolation haben ihnen nicht beigebracht, wie gefährlich Menschen sein können. Der Einsame George, geschützt auf der Darwin Station, weiß es schon. Er ist der Letzte seiner Art, ein Weibchen seines Stammes hat man noch nicht gefunden. Schildkröten waren in der Zeit der Segelschiffe beliebtes Fangobjekt, sie lebten wochenlang mit wenig Wasser und Futter und gaben gutes Frischfleisch. Die Kumpels von "lonly George" tun sich keinen Zwang an. Wir hörten Stöhnen, menschlich fast, sahen das Paar, massig mit unendlich langsamen Bewegungen aufeinander hängend. Die hatten Spaß, anscheinend noch länger.
Es war mehr eine
Nussschale mit Kajüte, das erste Schiff, 3 italienische Touristen waren mit, die sich wenig für Flora und Fauna interessierten. Herausragend die Verpflegung, die der Koch in der Mini-Kombüse
zubereitete, zumeist selbst gefangener Fisch und anderes Seegetier. In Erinnerung der Fisch in Coca Cola Soße, sehr köstlich. Wir haben es zu Hause versucht, aber nie wieder hingekriegt. Beim
zweiten Besuch trafen wir auf eine Gruppe US-Amerikaner, auch Israelis und Australier dabei. Danach mussten wir unsere Vorurteile über Amis revidieren. Immer froh gelaunt war die
Krankenschwester, sie hatte sich Spanisch als Vorbereitung für ihre Traumreise selbst beigebracht, sprach es auch so, sorgte für gute Stimmung.
Marianne brachte ihnen Kniffel bei für die langen Abende, I think,
i´m going to have a Vierer-Pasch war danach ein beliebter Ausdruck. Nachts fuhren die Boote zu anderen Anlegestellen, anderen Inseln, tagsüber war dem Führer auf vorgegebenen Pfaden zu folgen um
die Natur möglichst wenig zu stören. Das war nicht immer einfach. Ein Blaufußtölpel hatte sich die Pfadmitte als Brutstätte ausgesucht, hackte wütend jedem entgegen, der sich näherte, vertrieb
die Menschen seitwärts in die Büsche. Ein Fink setzte sich auf meinen Hutrand, beugte sich vor betrachtete verwundert das komische Gesicht darunter. Schon weit vorher hatten wir den Lärm vom Boot
aus gehört, es klang als ob Unmengen von Kindern in einem Schwimmbad tobten. Seelöwen waren es, die geräuschvoll vom Steilufer in die Fluten sprangen, herumspielten, vor Vergnügen quietschten.
Und oben auf dem Felsen, hoch aufgerichtet, der Macho, seinen Harem samt Nachwuchs bewachend. Einer der kleinen, wagemutigen nahm Anlauf, flitzte durchs Wasser, was macht der, rammt der uns,
nein, der sprang. Mitten in´s Boot hinein. Wir waren patschnass und wären um ein Haar ins Wasser gefallen. Konkurrenz sieht der Macho nicht gerne, er bewegte sich schon auf uns zu. Es war nicht
einfach, den Abenteurer wieder zurück zu hieven.
Im Hotel auf Santa Cruz - wir warteten 3 Tage
auf ein Schiff - gabs Besuch. Ein Seelöwe hatte sich in ein Bett gelegt, die Gäste mussten das Zimmer wechseln. Am nächsten Tag, o Schreck, lag er vor der Kühltruhe. Niemand kriegte ihn weg, den
ganzen Tag lang gabs warme Getränke. Zwei Tage später ging er wieder ins Wasser, blieb noch eine Zeitlang in der Nähe, tauchte neben unserem Tisch auf, schaute ruhig zu, war irgendwann
verschwunden. Vielleicht war er ein wenig krank und suchte Nähe.
Gewöhnungsbedürftig die Meerechsen, nur auf
Galápagos vorkommende Leguane, urig aussehende Reptilien, an Drachen und Saurier erinnernd, schlängeln sich diese großen, bis zu einem Meter langen Tiere auf ihren Händchen und Beinchen unter den
Tischen durch, überquerten Füße, abgestellte Sachen, lassen sich durch nichts aufhalten in ihrer Suche nach Speiseresten. Sie sind hervorragende Schwimmer, wir konnten es später auf einem Felsen
beobachten. Sie springen kopfüber von hoch oben in die anbrandenden Wellen, tauchen, weiden Seegras ab, lassen sich von den Wogen zurücktreiben, springen, klammern sich mit allen Vieren am Felsen
fest und klettern zurück nach oben. Da liegen sie dann in dunklen Massen, übereinander, wie es gerade kommt und lassen sich träge von der Sonne bescheinen. Manchmal geht das Landemanöver auch
daneben.
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