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Klappern gehörte zum Geschäft. Entwicklungspolitik muss verkauft werden, die Schandtat von goldenen Wasserhähnen geistert noch immer durch die Köpfe in Deutschland. Erschreckend, wie trotz der Medienvielfalt Nicht- und Halbwissen dominiert.
Die Reportage im „Stern“ schien ein guter Anfang, in Deutschland über den DED Ecuador zu informieren. Sie wurde nicht so, wie wir es erhofft und informiert hatten, oberflächlicher, aber sie zeigte ein paar gute Bilder von Land, Leuten und Entwicklungshelfern. M hatte den in Krisengebieten erprobten Fotografen mit nach Ricaurte genommen, da war dem wilden Kerl das Gruseln gekommen bei all den Ratten und Viehzeugs. M hatte ihn gefesslt, er wollte wiederkommen, eine eigene Reportage machen, kam aber nie zurück. Wahrscheinlich war ihre Geschichte denn doch zu klein. Ein Abenteuer war es allemal, den wilden Reporter auf Stühlen schlafen zu sehen.
Machen wir doch selbst einen Film, sagte
Klaus-Pedro. Er arbeitete als EH bei einem kleinen lokalen Sender, sollte deren visuellen Kapazitäten verbessern, kam aus der Filmbranche, war Regisseur. Wenn wir alle zusammen arbeiten sagte er,
kann ich die Kosten niedrig halten, Geräte muss uns der Sender stellen. Das Budget mit 10 000 DM bewilligte der DED vorerst nicht, wir schießen vor, soll schließlich unser Film werden, es kann
los gehen. Das kleine internationale Team wechselte sich ab, bestand aus Klaus-Pedro – Regisseur, Drehbuchautor und Schnitt, Deutsch-Bolivianer-, den Kameramännern Miguel, Ataulfo, (Ecuadorianer)
und Claude, Franzose sowie Julio, Chilene, er war Beleuchter und Fotograf. Hinzu kamen M, zuständig für Tonaufnahmen,
schleppte die Nagra und die Mikrofone herum, und ich als Fahrer, eigener
Darsteller als DED-Beauftragten und zuständig für Organisation und Versorgung, wichtig die alkoholischen Getränke, denn ohne Stoff kein Zoff sagten sie. Für uns war der Film Abschiedsarbeit. Die
wichtigsten DED-Projekte wollten wir dokumentieren, die Schönheit Ecuadors einfangen, das ganze Land nochmals bereisen, durch die Augen eines Profis sehen. Morgens um 5.00 musste er den Cotopaxi
filmen, den höchsten Berg des Landes, noch nie hatten wir den Riesen in diesem kalten, diesigen Licht gesehen. Im nebligen, verregneten Küstenwald musste die gesamte Ausrüstung samt Mannschaft
auf Mulis gepackt werden, Indianer liefen uns davon, die Indios im Hochland versteckten sich. Pedros Idee, die Entwicklungshelfer im O-Ton ohne Vorbereitung zu interviewen, erwies sich als
gewagtes Unternehmen, erstaunlich, wie wenige ihre Arbeit kurz und prägnant darstellen konnten. Aber der Reihe nach:
Mi. 4.2. Es ging los von Quito aus in den Nordosten, an die Küste. Die ersten Aufnahmen von der Abfahrt in den Anden und in einer Palmenfabrik waren spannend, weil neu, dann aber streikte die Kamera. Pedro reparierte und reparierte, sie lief wieder. Spät kamen wir in Esmeraldas an, da hatte der 2. Wagen einen Platten, Luft entwich. Die erste Werkstatt pumpte nur auf, meinte, das gäbe sich. Gab sich nicht. Die 2. Werkstatt konnte keine schlauchlosen Gürtelreifen reparieren aber den Reifen wechseln. Und stellten fest, dass der Ersatzreifen kein Original ist, auf der Bremsscheibe schleift. Die 3. Werkstatt stopft das Loch mit einem kleinen Gummipfropfen und einem spitzen Schraubenzieher. Das hielt bis zur 4. Werkstatt, ein neuer Reifen musste besorgt werden. Noch den Sonnenuntergang hinter der Raffinerie aufnehmen wollten wir, kein Ton, kein Licht, die Kamera wieder defekt. Um Mitternacht stellt Pedro fest, die Batterien waren nicht richtig aufgeladen. Na, denn Prost. Der erste Tag stand unter einem schlechten Stern. 18 Std. waren es.
Do. 5.2. Esmeraldas, Ciudad de
los Muchachos,
Morgens in der "Bubenstadt" gefilmt, ein von italienischen Salesianer-Mönchen aufgebautes Heim für schwer erziehbare Jungen mit Druckerei, Schreinerei und Metallmechanik, 3 EHs arbeiteten an der Verbesserung der Ausbildung, das Projekt hatte Erfolg, die jungen Männer kamen da gut vorbereitet raus und fanden später Arbeit. Esmeraldas ist schmutzig, grün, grau, staubig, jetzt in der Regenzeit sind die Straßen voller Matsch, die Kanäle laufen über, es stinkt und schleimt überall. Und gleichzeitig sind faszinierend die schönen, schwarzen Menschen voller Lebensfreude, keine Ahnung, wie die Frauen in ihren hübschen Kleidern und Schuhen durch den Dreck kommen. Mir wird mulmig, die Diskrepanz fangen wir nicht ein.
Fr. 6.2. Nach La Tola und San Lorenzo
In San Lorenzo, der Stadt im Grenzgebiet zu Kolumbien, war mittlerweile ein Entwicklungshelfer für landwirtschaftliche Projekte eingesetzt. Den Träger wollten wir
interviewen, Rasso, den EH begleiten, auch nach Ricaurte, M´s Dorf. San Lorenzo, hatte ich schon erzählt, ist nur per Boot und Zug zu erreichen.
Bis La Tola, dem Bootshafen, kamen wir mehr schlecht und recht mit dem
Wagen, Regenzeit, Streik und Straßenbauarbeiten machten die Strecke unpassierbar, wie vorher angekündigt. Wir mussten aber mit der ganzen Ausrüstung aufs Boot und Busse fuhren nicht mehr.
Streckenweise wurde es eine Rutschpartie, Pedro freute sich, filmte, ich musste mehrmals den Peugeot durch Matsch schlittern lassen. Der DED hatte ein Boot für den EH beschafft, die beste
Fortbewegungsmöglichkeit hier oben. Santos, der Fahrer, erwartete uns, fuhr durch Lagunen, Mangrovenwälder, an besiedelten Inseln vorbei, Häuser auf Stelzen im Wasser, Kinder spielen Kentern mit
einem Boot, eine Sau säugt im Uferschlick ihren Nachwuchs, Menschen winken, schwarz sind sie, die Szenen erinnern an Afrika. Abends dann Aufnahmen in den Mangroven, Santos kennt die Strecke,
fährt zielgenau in Blättervorhänge, dem unsichtbaren Wasserweg im Dämmerlicht der Mangroven folgend. Es kommt wie es kommen muss, der Motor ist auch nur ein Mensch, er streikt, weitab der Stadt.
Wir sitzen fest, herrliche Stille, ab und an ziehen schemenhaft Boote vorbei aus Seitenarmen kommend mit Menschen die winken, Hilfe anbieten, nicht helfen können, verschwinden, Stille
zurücklassend. Die Sonne brennt, wandert zum Horizont, die Moskitos kommen, die Sonne geht gleich unter, Rasso erzählt, Santos repariert vor sich hin. Irgendwann springt er wieder an, der Motor,
wir kommen spät heim.
So. 8.2. San Lorenzo, La Tola, Quito
Das fängt ja gut an, der Motor startet nicht. Santos repariert, flucht, reißt die Anlasserleine, nichts. Plötzlich springt er an, blubbert, verreckt, wenn die Schraube dazu geschaltet wird. Santos tut, was man nicht tun soll, er kuppelt die Schraube ein, wirft den Motor an, das Boot macht einen Sprung aus dem Wasser, schießt davon, kommt nach 300 m zum Stehen, die Kupplung hat den Druck nicht ausgehalten. Wir rudern zurück, 1 1/2 Std. später kommen wir weg und werden mit einer herrlichen, rasenden Fahrt belohnt, über spiegelblankes Wasser, durch Mangroven, Abkürzungen, deren Eingang nur Santos sieht, in sie hineinrast dass die Blätter fliegen, durch das schummrige Grün einer nicht sichtbaren Wasserstraße folgt, wieder an Inseln vorbei, diesmal haben wir es eilig, gib Gas Santos. Wir holen Zeit auf und verlieren sie wieder in La Tola. Ich habe das Standlicht am Wagen angelassen, die Batterie ist so leer, noch nicht mal Anschieben hilft. Endlich eine Ersatzbatterie, lang hat’s gebraucht in diesem Kaff mit nix. Der Wagen springt an und röhrt wie ein Traktor. Bei den Rutschpartien auf dem Herweg ist der Auspuff abgerissen. Erst um 1.00 Uhr kommen wir weg, das Tropengewitter hat gewaltige Löcher in die Piste gerissen und überflutet. Hinter Esmeraldas geht das Benzin aus, wir müssen zurück. Spät in der Nacht kommen wir in Quito an.
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