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Mo. 9.2. Quito Büro
Obwohl Sonntag spät von La Tola zurück, zwingt die Arbeit um 6.30 ins Büro, Planungsvorlage, Antrag Filmfinanzierung (der wird schlussendlich bewilligt), Büroversammlung, Wagen in die Werkstatt - erst abends um 6.00 bin ich wieder zu Hause. Und KO.
Di
10.2. Nach Puyo
Puyo liegt südöstlich in der Senke zum Amazonas, am Beginn des Urwalds. Wir müssen über die Anden südlich, dann runter durch den Regenwald. Die Strecke wüst, unbefestigt, an steilen Berghängen entlang. Ataulfo ist als Kameramann mit, Miguele hats erwischt, Durchfall. Den hab ich auch und muss in die Büsche. Ab Baños schüttet es, Pedro filmt begeistert im Regen die gefährliche Abfahrt. Erst abends kommen wir in Puyo an.
Mi 11.2. Puyo
Drei EHs arbeiten hier: Tomas ist Techniker im Centro de Componentes, der Holzfabrik, entwickelt und baut
Fertighäuser einfachster Art mit erweiterbaren Komponenten, Volker bastelt an
Holztrockner, Solarwasserwärmer, macht Versuche mit Schindeln als alternativer Dachbedeckung. Das gibt was her für den Film, da kann man viel sehen. Regina ist der Union Base, dem Indianerzentrum
angegliedert, bildet Sonderschullehrer in der Schule aus. Der neue Direktor stößt Wortblasen aus, weiß er eigentlich, was wir für ihn tun? Ich ärgere mich.
Am späten Nachmittag zurück nach Baños am Fuß des Tunguragua, dem schneegekrönten aktiven Vulkan. Pedro erzählt Anekdoten aus seinem Leben, er hat viel davon, es wird spät.
Do. 12.1. Riobamba
In der Sonderschule Carlos Garbay arbeitet eine EH. Gisela ist Sonderschulpädagogin, soll die Kapazitäten der Lehrer verbessern, sie haben zumeist keine Spezialausbildung. Die Behinderten bei der Arbeit in der Keramik- und Metallwerkstatt filmen ist lustig, die Kinder machen mit, der Ausbilder dagegen geht uns auf den Geist. Er hält sich für den größten Pädagogen, bläht sich auf, ergießt dilettantisches Heimwerkerwissen über uns aus. Ein kleiner Mongoloider hat die adäquate Antwort: er lacht sich halbtot.
So 15.2. nach Cuenca
Zwei Tage Quito haben mir nicht gereicht. Langsam nimmt das Schlafdefizit zu. Fast jede Nacht woanders, zumeist einfachste Schlafgelegenheiten, jeden Tag 10, 12, auch 14 Std. fahren, filmen, organisieren. Dazu die Büroarbeiten. Sonntags um 7.00 los, abends um 8.00 kommen wir an, die Strecke über die Anden nach Süden schwer befahrbar, Pedro wollte lange Sequenzen mit Bergen und Schluchten filmen, Nebel kam auf, stundenlang. Verspätet deswegen das Treffen zur Vorbesprechung mit den EHs. Erst gabs Zoff dann Stoff. Eckehard, der Macho, machte Krach, wir seien zu spät, schob die Träger vor und dann kam raus, dass er Angst hatte, bei den Dreharbeiten zu versagen. Sie hatten genügend zu trinken besorgt, es wurde lustig, wieder spät.
Mo 16.2. Filmaufnahmen in Cuenca
Pedro will was Besonderes, filmt EH und Lehrerkollegium der Technikerausbildung im Colegio Tecnico Salesiano vor einem Radio- und Fernsehreparaturgeschäft. Wegen der Symbolik. Das Durcheinander im Laden ist unbeschreiblich, kann nur verbessert werden – wollte seine Botschaft sagen. Danach kommt die Baumschule von CREA dran. Berthold erklärt, wie sie Nachhaltigkeit bei der Aufforstung erreichen wollen mit einheimischen Gewächsen, ein schweres Geschäft, bisher wird wild abgeholzt. Aber CREA ist staatlich, Hauptsache die fangen mal an. Abends sind wir in der Designerschule, Edgar lehrt industrielles Design, soll Formen verbessern. Viel lehrt er nicht, mein Eindruck, der Träger aber lobt ihn.
Di. 17.2 Cuenca und Umgebung
Wir begleiten Eckehard, den Waldläufer und
Aufforster. Er zeigt und erklärt die fortschreitende Erosion und was sie dagegen tun. Nachmittags sehen wir durch Zufall eine Spritzkolonne, filmen, wie sie hochgiftige Mittel sprühen, ohne
Schutzkleidung und achtlos damit umgehen. Das Zeug sieht grün und giftig aus, kommt aus Deutschland, ist da verboten, wird exportiert und Bauern angedreht, die kaum Ahnung haben.
Mi. 18.2. Bosque Mazan
In einen der letzten Naturwälder der Gegend führt Eckehard. Es regnet, wir filmen aus dem fahrenden Wagen, bleiben in einer Durchfahrt stecken, der Hund fällt in den Bach, Claude hat von der selbstgezogenen Mari Juana mit, der Urwald wird intensiv.
Do 19.2. Guayaquil
Bei Anneliese nicht viel zu holen, die Kindergärten haben Ferien und von der außergewöhnlichen Überschwemmung, von allen beklagt, ist nicht viel zu sehen trotz
einheimischer Führung. An einem giftgrünen, mit Unrat, Abfällen und Matsch gefüllten Kanal prima Aufnahmen vom Armenviertel und
spielenden Kindern. Am Nachmittag im Centro Tecnico de Formacion Profesional,
(technische Berufsbildung ist landesweit unser Schwerpunkt). Klaus erklärt, wie er die Ausbildung der Ausbilder verbessert.
Wir reden schon im Jargon. Vor 14 Tagen wussten wir noch nicht, dass es ein Spezialaufnahmegerät für den Filmton gibt, jetzt heißt es: brauchen wir die Nagra, was für ein Micro, das 15m Richt oder das Nah oder welches. Und M muss in den Gully, damit sie und der Tonaufnahmegalgen nicht im Bild erscheint. Und jeder kennt die Handgriffe: beide Wagen entladen, Dreibeinrolle raus, Stativ drauf mit zwei Mann, Kamera drauf, Verbindung mit Aufnahmeelektrik, M hat bereits "ruido atmospherico", den Umgebungston aufgenommen, muss Beleuchtung her, geht der Aufbau weiter. Bis zu 1 Std. dauert das, dann kann gefilmt werden.
Fr. 20.2. Freitag - unser Tag
Den wollen wir uns nicht nehmen lassen, noch immer feiern wir intensiv. Wir fliegen nach Quito, das Team filmt weiter, kommt mit den Wagen zurück. Erst aber muss ich ins Büro, die Planung fertig machen, 110 Seiten werden es, mit gefällts. Und dann feiere ich mit M den Freitag. Später kommt Freund Vicente noch, ich kann nicht mehr.
Die Filmaufnahmen werden unterbrochen, ich habe zu tun, Mutter und Helmut, M´s Vater besuchen uns, das Büro verlangt nach mir. Und dann wird der Sohn von Rinus und Ermelinda in Esmeraldas von einem Laster überfahren, M zwingt mich zur Beerdigung zu fahren, es ist richtig mit zu trauern.
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