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Mo/Di 9. und 10.3. Mindo
Freund Pidder, der Weltreisende, nach 10 Jahren in allen Kontinenten hat er sich auf dem für ihn schönsten Platz der Welt sein Traumhaus gebaut. Verglast, im
indonesischen Stil, steht es mitten im tropischem Grün auf einem Felsvorsprung mit Sicht über bewaldete Hügel und Täler bis fast an die Küste. In einer Schlucht neben dem Haus, schmal und tief,
liegt Pidders Wasserstelle mitten im großblättrigen grünen Gewirr, asiatisch inspiriert schießt ein kleiner Wasserfall aus einem Bambusrohr, die Dusche, flache Steine leiten das Wasser in kleine
Teiche, Ruhe und Frieden ausstrahlend. Genau da wäre fast ein größeres Unglück passiert. Pidder hat 2 Plattformen als Sonnendecks hinab zu seinem Bad gebaut auf Balken, die verstrebt und im Berg
verkeilt sind. Pedro will von der obersten Plattform aus filmen, da bricht das Gerüst zusammen, sie stürzen 7 m hinab, 4 Personen mit Ausrüstung, haben Glück im Unglück: in der keilförmig sich
verengenden Schlucht verstreben sich die Teile der Holzkonstruktion, bilden Hohlräume, mühsam müssen wir die Abgestürzten daraus befreien. Was bin ich froh, dass nur Prellungen,
Stauchungen, Risse und Quetschungen zu beklagen sind, keiner von einem Balken erschlagen wurde.
In Mindo haben wir einer Kooperative verholfen, sich eine eigene Werkstatt zu bauen. Heino, der erfahrene Holzfachmann - er hatte es weit gebracht mit seiner Schreinerei, war in Deutschland Unternehmer mit eigenen Möbelfachgeschäften geworden, wollte einfacher leben, verkaufte alles und kam als EH nach Ecuador - Heino also berät die Kooperative in Organisation, Produktion, Verkauf, sie können das reichlich vorhandene Holz endlich selbst verarbeiten. Es ist ein gutes Projekt.
13.3. Die Unglücke häufen sich. Heute erhalten wir die Nachricht, dass Freund Hartmut sich im Auswärtigen Amt in Bonn aus dem Fenster gestürzt hat. Wir sind paralysiert. Unendliche Traurigkeit. Die arme Ulrike. Im Januar haben wir das befreundete Ehepaar aus Ecuador verabschiedet, uns gefreut auf das Wiedersehen in Deutschland, wo wir alle in Bonn leben würden. Und nun das! Wir erfahren, dass Selbstmorde im AA häufiger vorkommen, was vor der Öffentlichkeit geheim gehalten wird. Die Diskrepanz zwischen Diplomatischem Dienst im Ausland mit hoher Wichtigkeit, Selbständigkeit, mit Privilegien und Luxus ausgestattet und den schmalen, engen Büros im verregneten Bonn, eingebaut als kleines Glied in eine starre Hierarchie, war offenbar für einige schwer verkraftbar. Selbstmord kam in Hartmuts Familie vor. Es tröstet nicht.
20.3. Von Jipijapa in das Landesinnere der
tropischen Küstenregion.
Klaus, der Bienenspezialist, betreut eine Kooperative weitab vom Schuss aber nahe an wilden Stämmen Afrikanischer Bienen, auch Killerbienen genannt, weil sie im
aggressiven Verteidigungsverhalten konzentriert und in Stammesgröße angreifen, Tiere und Menschen töten. Er aber meint, mit der richtigen Ausrüstung seien das auch nur Honigbienen, die gehalten
werden können. 5 Std. hinter Jipijapa hört die Piste auf, Esel und Pferde stehen bereit, Mannschaft und Ausrüstung werden darauf verfrachtet, durch Matsch und Regen steigt und fällt der Weg. Der
Hintern meldet sich, die Esel mühen sich knietief im Wiegeschritt durch den Morast, unvorstellbar, dies soll ein befahrbarer Weg in der Trockenzeit sein?
Die letzte Stunde bis zum Dorf nur durch Fluss und Urwald. Es gefällt mir, so zu
reisen, erinnert an Humboldt, der sich die Anden von Esel hoch tragen ließ, ich sehe, rieche, fühle die urwüchsige, in der Regenzeit vor Wachstum strotzende Umgebung intensiv. Wir können nicht
mehr filmen, sind auch zu müde, ich schlafe umgehend in einer Ecke auf dem Boden ein in einem Holzverschlag zusammen mit 1 Dutzend Freunden und Mitgliedern der Imkergenossenschaft. Sie kriegen
selten Besuch.
21.3. Piñas, Imker
Imponierend, was Klaus den Leuten beigebracht hat. Schutzanzüge sind bei diesen aggressiven Stämmen zwingend, viel Rauch beruhigt die Killer. Sie zeigen es uns, da
sind auch wir beruhigt. Der verkauft Honig bringt ansehnliches Einkommen in diese arme Gegend, wilde Bienenvölker sind haufenweise
vorhanden. Wir sind zu spät fertig, kommen mit der Karawane nicht mehr raus,
nur Pedro macht sich mit Klaus auf den Weg, die Batterien müssen aufgeladen werden. Kaum sind sie weg, fängt ein Wolkenbruch an, es gießt wie aus Eimern. Unsere beiden sind rutschend und fallend
durchgekommen.
Am nächsten Tag versinken die Tiere bis zum Bauch im Matsch,
stürzen, müssen neu bepackt werden. Mir macht es mittlerweile Spaß, sitze recht fest im Sattel, falle nur in den Matsch wenn das Tier fällt.
Am Nachmittag und zum Abschluss das Frauenprojekt von Martina gefilmt, natürlich förderten wir auch Frauen direkt, sie sorgten immer und oft ausschließlich für die Familie. Ihre handwerklichen, landwirtschaftlichen und organisatorischen Kenntnisse verbessern ist immer eine Investition in die richtigen Leute.
Dann war die gemeinsame Dreharbeit zu Ende, Pedro verschwand am Schneidetisch, eine eigene Musik wurde komponiert und aufgenommen, der Film aber wurde und wurde nicht fertig, Pedro experimentierte, wollte alles und das war zu viel.
Die Uraufführung in Quito war ein Erfolg, der Film kam ins Fernsehen, hatte gute Kritiken, leider nicht von der Zentrale. Er war ihnen mit den langen, ruhigen Sequenzen von Land, Leuten und Projekten zu langweilig, wir hatten vergessen, dass in Deutschland alles Zack, Zack gehen muss.
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