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Mein neuer Arbeitgeber war die
Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn, kurz FES genannt. Das kam so: Manfred, Freund und ehemals Leiter der FES in Quito, war 2. Personalchef der Stiftung geworden, ermunterte zu einer Bewerbung und
begleitete durch die Vorstellungshürden. Dem Referatsleiter war ich nicht jung und wirtschaftsdynamisch genug, ich mochte den auch nicht besonders, verkaufte mich schlecht, Manfred war sauer, du
musst reden, reden, reden, nicht zuhören, hatte noch einen Trumpf in der Hand, nein, der
Abteilungsleiter ist nicht da, wiegelte der Referatsleiter ab, Manfred wusste es besser, an der protestierenden Sekretärin vorbei stellte er mich vor. Den Chef der Internationalen Abteilung fand ich interessant, redete, erzählte, mein Hintergrund von Arbeitersohn zu Studium und Entwicklungspolitik lag auf der Linie der SPD nahen Stiftung, die praktischen Erfahrungen als Entwicklungshelfer und DED-Beauftragter waren gefragt, Wirtschaftswissenschaften hatte ich studiert, ich hatte den Job im Referat Wirtschaft und Soziales, WiSo abgekürzt. Leiter war Dr. B., der nicht sympathische. Macht nichts, die Inhalte waren interessant und nach den wilden Jahren in Quito mit all den Kämpfen durch zu hohes Engagement hatte ich gelernt, mich zurück zu nehmen, Jobs professionell anzusehen, Dienst als Dienst zu begreifen und den Schnaps abends zu genießen. Dachte ich. Versuchte es. Es ging eine Zeit ganz gut.
Wirtschafts und soziale Projekte deckten in der Internationalen Abteilung der Stiftung die praktische Seite entwicklungspolitischer Arbeit ab. Ansonsten war die Stiftung eher kopflastig ausgerichtet, forschte für und in Entwicklungsländern, stützte befreundete Parteien und Politiker, förderte Studenten mit eigenem Stipendienprogramm. Das hatte Tradition. Friedrich Ebert, der erste demokratisch gewählte deutschen Reichspräsident hatte 1925 bei seinem Tod als politisches Vermächtnis hinterlassen, statt Geld für eine repräsentative Staatstrauer auszugeben eine Stiftung zu gründen.
Der Sozialdemokrat Friedrich Ebert war vom einfachen Handwerker in das höchste Staatsamt gelangt, hatte selbst erlebt wie fast unmöglich ein Aufstieg für Arbeiterkinder, wie notwendig Bildung und internationale Verständigung in dieser national ausgerichteten und klassengetrennten Zeit war. Seine Ziele gelten bis heute für die Friedrich-Ebert-Stiftung. Sie will die politische und gesellschaftliche Bildung fördern, zu Demokratie und Pluralismus beitragen, begabten jungen Menschen unabhängig von den materiellen Möglichkeiten der Eltern durch Stipendien den Zugang zum Hochschulstudium ermöglichen und die internationale Verständigung und Zusammenarbeit verbessern. (Wer Interesse hat, kann hier mehr erfahren: Friedrich-Ebert-Stiftung/)
Bei letzterem, der internationalen Verständigung und Zusammenarbeit war ich gelandet. WiSo führte soziale und wirtschaftliche Projekte in Entwicklungsländern durch, förderte Kooperativen, Raiffeisen im Hinterkopf, Gründung sozialer Banken, Entwicklung alternativer Technologien, praktische Entwicklungspolitik eben. Wenn einer in der ach so kopflastigen Stiftung lästerte ob der Basisnähe, wurde ihm krass mit Brecht geantwortet: zuerst kommt das fressen, dann die Moral, bei Hunger tritt die Frage nach Demokratie und Freiheit zurück. Als "Latino" bekam ich Projekte zu betreuen von Mexiko bis Peru, später kam Brasilien dazu. Wir "backstopper" waren ein eigener Haufen, standen in Kontakt sowohl mit den Auslandsmitarbeitern vor Ort als auch den jeweiligen Botschaften, mussten mit dem Ministerium zuständig für Entwicklungshilfe über Inhalte und Finanzierung verhandeln, Programme und Projekte nach innen in die FES abstimmen, Verbindungsachse für Partner in der Bundesrepublik sein und Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Unsere oft wirksamen Projekte waren wenig bekannt, brauchten Multiplikatoren, Leute auch in der Politik, die sie moralisch unterstützten. Sahnhäubchen waren die Dienstreisen, jedes Jahr zwei, drei Länder besuchen war spannend, erlaubte weiterhin intimen Kontakt zu "meinem" Kontinent.
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