Artikel teilen! von Einem der auszog...(27) Bonn - FES 1987-92 Teil II: Sie war interessant, unsere Arbeit. Da war z.B. diese Kaffeekooperative im Norden Cos ...
Andere Welten oder: vom Leben in Chile, Ecuador, Brasilien, Kolumbien, Tansania, Mosambik und immer wieder Deutschland
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Sie war interessant, unsere Arbeit. Da war z.B. diese
Kaffeekooperative im Norden Costa Ricas, bei der ich die Probleme bei der Herstellung des Kaffees kennen lernte, vom Pflücken, Transportieren über das Schlämmen in Wasser, dem Entkernen, der
Fermentation in großen Wasserbecken, der Vortrocknung in luftigen, geheizten Türmen und der End-Trocknung auf großen, asphaltierten Areals. Das größte Problem machten die Schalen, aufgehäuft lagen sie in der Gegend herum und sonderten giftige Stoffe aus. Genau
das wollten wir verändern, fanden eine Kompostiermethode einfachster Art, erreichten, dass die ausgetrockneten Schalen zum Befeuern der Vortrockner genutzt werden konnten. Unser Ansatz ging noch
weiter, verbesserte die Effizienz aller kleinen Kaffeekooperativen der Region, half bei der Gründung einer Dachorganisation, die eine der ersten war, die "Fair Trade" mit Kaffee
belieferten. Die Idee kam aus Holland, ein eigenes Label für ökologischen Anbau kleiner Bauern in Entwicklungsländern zu entwickeln, die Kontrolle von Anbau, Aufbereitung und
Gewinnverteilung zu garantieren und dazu den Kaffee professionell rösten zu lassen, den Geschmack europäischer Konsumenten entsprechend und mit diesem Produkt aus der Nische der 3. Welt Läden
heraus zu kommen, den Kaffee in Supermärkten zu verkaufen. Das alles kopierten wir und führten es in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein. Heute ist "Fair Trade" mit einer Reihe von
Produkten auf dem Markt und kann die Kleinbauern mit Zusatzgewinnen stärken. Ich denke, das ist schon was Besonderes, was wir da mit angestoßen haben. (Mehr zu TransFair und Fair Trade hier:
TransFair Web Seite
Und dann waren da die Projekte, mit der wir Raiffeisens Idee promovierten, Bauern über Selbstorganisation in die Lage zu versetzen, billiger einzukaufen, bessere
Preise der eigenen Produkte zu erzielen weil die Masse der Genossenschaftsmitglieder größere Mengen bedeutete. Mal mit Erfolg, mal nicht, versuchten wir, den immer vorhandenen prekären
Finanzmangel gerade bei Bauern und Kleinproduzenten auszugleichen. In Peru gelang es zusammen mit Deutschen Sparkassen ein Netz von Banken für kleine Leute aufzubauen, in anderen Ländern waren
sie oft Teile der Projektstrategie. Mikrokredite sind heute ein Instrument der Entwicklungspolitik. Sie sind keine neue Erfindung. Schon das vor 150 Jahren entwickelte Raiffeisen-Modell basiert
auf dem Selbsthilfe- und Solidaritätsprinzip, nach dem heute viele Mikrofinanzinstitute in den Entwicklungsländern arbeiten. Schon 1976 gab es in Bangladesch ein derartiges Programm aus dem 1983
die berühmte Grameen Bank hervorging.
Oder die Promotion der "Sozialen Marktwirtschaft". Fand ich spannend für einen wie mich, der bis dahin kräftig den Kapitalismus kritisiert hatte. Aus der Distanz und dem Blick auf die unsoziale Schieflage der Wirtschaftsgefüge in den Entwicklungsländern sah "unser" System plötzlich ganz anders aus, sozialer, mehr mit Blick auf Menschen gemacht. Wir hatten ein Handbuch und Seminarmodelle entwickelt, gaben nun Kenntnisse über dieses Erfolgsmodell an Schlüsselpersonen in Politik und Wirtschaft weiter, nicht ahnend, dass auch bei uns der krude, egoistische Kapitalismus wieder Fuß fassen würde. Ob unsere Bemühungen in dem Bereich nachhaltig waren, wage ich zu bezweifeln.
All das waren neue Ideen, die wir erproben und manchmal erfolgreich umsetzen konnten. Ein großes Feld von Bedürfnissen hatten wir vor uns, von Problemen gerade der kleinen Handwerker und Bauern und es tat gut, wenn wir helfen konnten, sich selbst zu helfen. Auf der inhaltlichen Ebene lief es gut. Auf der hierarchischen weniger.
Mein erster Eindruck war nicht falsch, der Referatsleiter distanziert, er sonnte sich in der Ablehnung seiner Mitarbeiter, spielte liebend gerne den Allmächtigen, der alle Fäden in der Hand hält, alles kontrollieren, alleine entscheiden will. Vom Management by delegation hatte der sicherlich schon gehört, dumm war er nicht, aber die Lust am Herrschen dominierte. Mein Vorsatz, professionell zwischen Dienst und Schnaps zu unterscheiden, emotionslos auszuführen was zu machen war, mich nicht vereinnahmen zu lassen, schmolz dahin, wurde abgelöst von häufiger werdendem Ärger über den Leiter, fing an, die Freizeit zu bestimmen. Gott sei Dank ging es mir nicht alleine so, das Referat schwenkte von der Nachfolge zur Gegnerschaft um, eine verschworene Gemeinschaft entstand, die zusammen hielt und bald hätten wir es geschafft, den Ungeliebten ab zu setzen. In das Riesengetümmel schaltete sich die Abteilungsleitung ein, wir hielten zusammen wie Pech und Schwefel, Dr. B. rettete sich durch Zugeständnisse. Die verschworene Gemeinschaft blieb, arbeitete kollegial zusammen, sorgte für gute Stimmung ohne unseren Gegner. War schon irre, was man gemeinsam alles erreichen kann, auch wenn man nicht alles erreicht.