Artikel teilen! von Einem der auszog...(29) Bonn-Rheinaustrasse (1987-92) Karneval: Unser Nachbar von oben war Karnevalist, einer von den Aktiven. Das ganz ...
Andere Welten oder: vom Leben in Chile, Ecuador, Brasilien, Kolumbien, Tansania, Mosambik und immer wieder Deutschland
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Unser Nachbar von oben war Karnevalist, einer von den Aktiven. Das ganze Jahr über hatten sie Sitzungen, deren Frequenz ab dem 11.11. dramatisch zunahm. Dann ging er würdevoll aus, angetan mit Uniform, Orden, Käppi und kam singend heim. Isch nimm eusch mit, sagte er, weils bei eusch in de Bar so schön is. Als Karnevalist muss man, scheint mir, im Rheinland geboren sein. Ernst war es zu Beginn der lustigen Sitzung, Spaß war das Schunkeln und lautstarke Mitsingen, intensiver werdend mit fortschreitendem Abend und Alkohol. Das war eine Freude - für sie. Wir kamen da nicht mit, wollten es begreifen, gingen zum Karnevalszug auf den Rathausplatz, kalt war es, auch da half der Alkohol, die Menge zum Jubeln zu bringen. Anschließend trennten wir uns, bei Weiberfastnacht muss Frau alleine sein, um was zu erleben, machten einen Treffpunkt aus für 10:00 Uhr abends und trafen uns um 8:00 schon zufällig auf der Brücke. Alleine war es doch nicht so schön.
Sie war traurig, sprach kein Deutsch, kam frisch aus Kolumbien, Werner, mein Kollege, hatte sie beim Sprachkurs als Vorbereitung auf seinen
Auslandsaufenthalt kennen und lieben gelernt, geheiratet, mit nach Bonn genommen, brachte sie mit zum Abendessen und Claudia taute auf bei Latinomusik und Spanischer Sprache. Ach, wie fand sie
dieses Land so öde, sie, die es liebte zu kommunizieren, Spaß zu haben, zu tanzen und zu feiern. Und wie sie feiern konnte. Der Abend wurde lustiger und lustiger, Claudia lief zur Hochform auf,
wir kugelten uns vor Lachen, tanzten im Wohnzimmer herum, tranken Banana Daiquiri und trennten uns erst früh am Morgen. Später dann, als sie Deutsch lernte, mischte sie regelmäßig die Bar auf mit
ihrer überschäumenden Energie.