Artikel teilen! von Einem der auszog...(29) Bonn-Rheinaustrasse (1987-92) Besucher Teil 3: Können wir bei euch unsere Hochzeit feiern? Aber klar doch. Ich war Z ...
Andere Welten oder: vom Leben in Chile, Ecuador, Brasilien, Kolumbien, Tansania, Mosambik und immer wieder Deutschland
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Können wir bei euch unsere Hochzeit feiern? Aber klar doch. Ich war Zeuge bei der Trauung, Freund K.-H. und Patty waren verliebt bis über beide Ohren, er, der sonst so Kühle und Sachliche liebte seine nicht gerade dünne Mexikanerin. Einmal, bei einer gemeinsamen Tour umkreiste er sie mit seinem Fahrrad immer enger, fuhr jauchzend mitten in die Büsche, verschwand, kam zerkratzt und grinsend wieder raus. Patty kam aus der mexikanischen Oberschicht, entsprechend verwöhnt, ihr Vater war Bankbesitzer, sie hatte in den USA studiert, sprach hervorragend Englisch und Deutsch, arbeitete bei der Botschaft, trank jeden Morgen ihren Pott Kakao und liebte es, bedient zu werden. Das aber störte K.H. zu dem Zeitpunkt noch nicht. Pattys Eltern hatten ihn beschaut und akzeptiert, Pattys Vater schlief bei einem Gegenbesuch in unserem mit schwarzem Satin bezogenen Bett, das hatte ihm imponiert, kam ihm recht verrucht vor.
Patty ließ eigens eine mexikanische Köchin aus Hamburg anreisen, Mole gab’s, eine scharfe Schokoladensoße, Mais, Fladen, lateinamerikanische Köstlichkeiten, der Tisch bog sich. Im Garten hatten wir ein Zelt aufgebaut, die Bar war in Betrieb, K.-Hs. Familie und Freunde aus der Würzburger Gegend kamen mit einer Ladung köstlichen Frankenweins aus eigenem Anbau, Haus und Garten waren voll, der Tequila wirkte schnell, laute Latinomusik schallte durch die Straße, Leute guckten, freuten sich mit, rheinländische Toleranz machte sich bemerkbar. Das feucht-fröhliche Fest dauerte bis in den frühen Morgen, Patty und K.H. waren selig, wir machten alles, räumten am nächsten Morgen auf und beide fuhren auf Hochzeitsreise. Sie hat leider nicht sehr lange gehalten, die Beziehung. Zu groß waren die Unterschiede.
Und dann war da noch der Intellektuellenabend mit dem Trivial Pursuit-Turnier, angeführt von dem unschlagbaren Team Helmut, M´s Vater, und Hanna, junge Tochter meiner Freundin Jo. Zahlreich waren die Freunde und Familienmitglieder gekommen, entweder war es Silvester oder ein Geburtstag, das weiß ich nicht mehr. Helmut als humanistisch gebildeter wusste alle Antworten aus den Bereichen Geschichte, Politik, klassische Musik, Literatur und der Rest - TV, Pop und Jugendkultur - ging auf Hannas Konto. Was er nicht wusste konnte sie beantworten und umgekehrt. Und manchmal beantwortete er die Fragen der Anderen gleich mit, das ist doch einfach, weiß man doch, sagte er. Dem Rest der Mitspieler wurde schnell langweilig, er hatte alle Zeit der Welt um über die eigenen Wissenslücken zu sinnieren und sich mit (alkoholischen) Getränken zu trösten.
Eine Krux war es, M die Computerei nahe zu bringen. Sie wollte dieses Gerät nur nutzen für ihre Zwecke, nicht ihn beherrschen. Ich nervte, stellte um, spielte neue Sachen auf und wenn sie sich einloggte, fand sie alles verändert vor und war sauer. Ach M, du hattest ja recht, ich wollte mit der neuen Technik spielen, du wolltest einsetzen, was dir logisch erschien. Was haben wir gestritten. Jedes Mal wenn ich hinter ihr stand wie ein Über-Ich, versteifte sie sich und wollte nichts mehr wissen. Es war die neue Technologie, sie fand Einzug auch in der Schule, damit umgehen können, versprach komparative Vorteile. Vielleicht ein wenig angesteckt von meinem Enthusiasmus und ihrem beginnenden Wissen, machte sie Fortbildungen, sogar einen Programmierkurs und war fortan Informatiklehrerin, die ihren Schülern beibrachte, Roboter zu bauen, Wohnsiedlungen zu planen, Tabellen auszuwerten und mit dem PC Sprachen zu lernen. Unsere Besucher allerdings, besonders die jungen, hingen in Trauben vor dem neuen Gerät, spielten mit einem Strichmännchen, das sich Larry nannte und mehr zu ahnende als real sichtbare Abenteuer erlebte. Das andere erfolgreiche Spiel war Sokoban. Hanne war mit Lukas da, vertiefte sich dermaßen in das Spiel, dass sie ihren Gemüsebrei für den Kleinen auf dem Herd vergaß bis es brenzlig roch, es war zu spät, nur noch Aktivkohle verblieb im Topf. Gut das es Hipp-Hopp Fertigbrei im Gläschen gab.