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zum Thema „Bedingungsloses Bürgergeld“ (BBG) , neuerdings „Bedingungsloses Grundeinkommen“ (BGE) benannt.
© Günther Leue
Das Buch “Die Globalisierungsfalle“ von den SPIEGEL-Redakteuren Dr. Hans-Peter Martin und Harald Schumann ist meines Erachtens eines der nachdenkenswertesten der letzten 15 Jahre. Die nachfolgend wiedergegebenen Auszüge daraus muss man im Hinterkopf haben, wenn man über das Bedingungslose Grundeinkommen diskutiert.
Das vollständige Buch ist als kostenlos abrufbares eBook im Web abgespeichert. http://free.pages.at/joschie/gf/gf1-003.html
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„In diesem geschichtsträchtigen Rahmen (dem Fairmont-Hotel in San Francisco) begrüßt einer der wenigen, der selbst Geschichte schrieb, Ende September 1995 die Elite der Welt: Michail Gorbatschow ... Jetzt hat Gorbatschow 500 führende Politiker, Wirtschaftsführer und Wissenschaftler aus allen Kontinenten einfliegen lassen. Der neue »globale Braintrust«, wie der letzte Staatspräsident der Sowjetunion und Nobelpreisträger die exklusive Runde definiert, soll den Weg ins 21. Jahrhundert weisen, »unterwegs zu einer neuen Zivilisation«. (1)
Erfahrene alte Weltenlenker wie George Bush, George Shultz oder Margaret Thatcher treffen auf die neuen Herren des Planeten wie CNN-Chef Ted Turner, der seine Unternehmen mit Time Warner zum weltweit größten Medienkonzern verschmilzt, oder auf den südostasiatischen Handelsmagnaten Washington SyCip. Drei Tage lang wollen sie hochkonzentriert nachdenken, in kleinen Arbeitskreisen mit den Global Player der Computer- und Finanzwelt, aber auch mit den Hohenpriestern der Wirtschaft, den Ökonomieprofessoren der Universitäten von Stanford, Harvard und Oxford. Auch Emissäre des Freihandels aus Singapur und natürlich Peking wollen gehört werden, wenn es um die Zukunft der Menschheit geht. Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf bemüht sich um deutsche Akzente in der Debatte.
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Keiner der hochbezahlten Karrieremanager aus den Zukunftsbranchen und Zukunftsländern glaubt noch an ausreichend neue, ordentlich bezahlte Jobs auf technologisch aufwendigen Wachstumsmärkten in den bisherigen Wohlstandsländern - egal, in welchem Bereich.
Die Zukunft verkürzen die Pragmatiker im Fairmont auf ein Zahlenpaar und einen Begriff: »20 zu 80« und »tittytainment«.
20 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung würden im kommenden Jahrhundert ausreichen, um die Weltwirtschaft in Schwung zu halten. »Mehr Arbeitskraft wird nicht gebraucht«, meint Magnat Washington SyCip. Ein Fünftel aller Arbeitssuchenden werde genügen, um alle Waren zu produzieren und die hochwertigen Dienstleistungen zu erbringen, die sich die Weltgesellschaft leisten könne
Doch sonst? 80 Prozent der Arbeitswilligen ohne Job? »Sicher«, sagt der US-Autor Jeremy Rifkin, Verfasser des Buches »Das Ende der Arbeit«, »die unteren 80 Prozent werden gewaltige Probleme bekommen
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... Im Fairmont wird eine neue Gesellschaftsordnung skizziert: reiche Länder ohne nennenswerten Mittelstand - und niemand widerspricht.
Vielmehr macht der Ausdruck »tittytainment« Karriere, den der alte Haudegen Zbigniew Brzezinski ins Spiel bringt. Der gebürtige Pole war vier Jahre lang Nationaler Sicherheitsberater von US-Präsident Jimmy Carter, seither beschäftigt er sich mit geostrategischen Fragen. »Tittytainment«, so Brzezinski, sei eine Kombination von »entertainment« und »tits«, dem amerikanischen Slangwort für Busen. denkt dabei weniger an Sex als an die Milch, die aus der Brust einer stillenden Mutter strömt. Mit einer Mischung aus betäubender Unterhaltung und ausreichender Ernährung könne die frustrierte Bevölkerung der Welt schon bei Laune gehalten werden.
Nüchtern diskutieren die Manager die möglichen Dosierungen, überlegen, wie denn das wohlhabende Fünftel den überflüssigen Rest beschäftigen könne. Soziales Engagement der Unternehmen sei beim globalen Wettbewerbsdruck unzumutbar, um die Arbeitslosen müßten sich andere kümmern. Sinnstiftung und Integration erwarten sich die Diskutanten vom weiten Feld der freiwilligen Gemeinschaftsdienste, bei der Nachbarschaftshilfe, im Sportbetrieb oder in Vereinen aller Art. »Diese Tätigkeiten könnte man doch durch eine bescheidene Bezahlung aufwerten und so die Selbstachtung von Millionen Bürgern fördern«, meint Professor Roy.
Das Weltmodell der Zukunft folgt der Formel 20 zu 80. Die Einfünftelgesellschaft zieht herauf, in der die Ausgeschlossenen mit Tittytainment ruhiggestellt werden müssen. Alles maßlos übertrieben?
Anmerkungen
(1) Bei seiner Tischansprache am 27. September 1995 in San Francisco.
(2) Drei Journalisten durften an allen Arbeitskreisen des Treffens in San Francisco vom 27. September bis zum 1. Oktober 1995 teilnehmen, darunter Hans-Peter Martin.“
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Nun kann man darüber streiten, ob es zu einer 20/80 Gesellschaft in den westlichen Ländern kommt, oder möglicherweise auch „nur“ zu einer 25/75. Als sicher dürfte aber anzunehmen sein, dass die Anzahl von Menschen, die genügen, um alles zu produzieren, was wir (glauben) zu benötigen, in einem Ausmaß abnimmt oder bereits abgenommen hat, dass nur noch „Wahlkämpfer“ eine Vollbeschäftigung in den nächsten Jahren prophezeien.
Was in dem Bericht über die San Francisco-Tagung „unanständig“ aufscheint, ist die Aussage von Brzezinski, dass die Menschen, die nicht mehr zur Produktion benötigt werden, durch „Titttytainment“ beruhigt werden müssten.
Hier sollte doch wohl stattdessen ein neuer Denkansatz zum Tragen kommen, der möglicherweise zum BGE führt.
(zur Fortsetzung: hier klicken)
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