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Sonntag, 4. oktober 2009 7 04 /10 /2009 13:13

Pisa hält was es verspricht, die Piazza del Duomo mit den Kirchen strahlt vor Schönheit in hellem Marmor und der Turm steht schräger in der Landschaft als ich dachte. Wir sitzen lange auf der Domtreppe und streiten über Emanzipation. Keine Ahnung warum.

Die Via Aurelia ist schlimm für Radfahrer. Scheint so, dass die ehemalige Fernverkehrsstraße der Römer nie verändert wurde. Gesäumt von dicht stehenden hohen Bäumen zwängen sich Autokarawanen durch die enge, mit Kopfstein gepflasterten Straße, am schlimmsten die Lastwagen, die mit hoher Geschwindigkeit versuchen, uns von der Straße zu schieben. Eine Todesstrecke. Zwei Pässe, nicht hoch doch ermüdend, schwarze Huren an Parkplätzen - begrüßenswert, den Rasern den Elan reduzieren - und dann doch noch ein Radweg vor Castillo de irgendwas. Um 16.00 kommen wir an, schon wieder über Mittag gefahren. 

In Serpentinen ging es hinab ins Tal, auf halber Höhe, zwischen Bäumen und Büschen, ein Haus mit einem Kaufladen. Heute machen wir Vesper, sagte M, ich kenne diese Läden, da gibt es schöne Dinge. Im kühlen, halbdunklen Raum hohe Gläser mit eingelegten Paprika, Artischocken, Tomaten, Oliven, Würste und Schinken hingen von der Decke, Käse im Regal, Brot, Wein, es war schön, appetitlich. M versorgte uns mit Köstlichkeiten, hier ein Stückchen, davon ein Schlückchen, von der Herrlichkeit aus diesem Gläschen und der Wonne von jenem Eckchen, dazu eine Stange Weißbrot, Wein und Wasser. Dann fuhren wir in das Tal, legten uns am Bach unter einen Baum, hatten eine köstliche Brotzeit, schliefen ein Stündchen und fuhren weiter. Den Berg hinan.

Orbetello-Tarquina-Lido, wir radeln durch Pinienwälder, abwechslungsreiche Landschaften auf Nebenstraßen, Paläste am Hang, manchmal tauchen Meer und Dünen rechterhand auf, der Zeltplatz, auf dem M ihren römischen Freund und Italien kennen lernte, von da an wieder Via Appia, jetzt modern, ausgebaut, zweispurig und ohne Laster. Langsam tauchen die ersten rasenden Römer auf, schnell zu identifizieren an ihrem, den normalen Italiener überbietenden rücksichtslosen Fahrverhalten. Die stören die Ruhe.

Und dann war Rom vor uns. Ein wilder werdendes Autogewühl kündete die große Stadt an, erinnerte an Lateinamerika, war mir bekannt, ich fuhr los, mitten in das Gewimmel hinein. Und dann waren wir auf der Tiberbrücke, rechts der Vatikan, schrie M von hinten, da vorne links ab durch das Tor, schrie M und da war er, der Platz des Volkes, die Piazza del Populo, oval, begrenzt vom Park der Villa Borghese, den beiden Kirchen, der Stadtmauer, den Verkehr wie eine Flussströmung um den Obelisken in der Mitte leitend. M zerdrückte ein paar Tränen, ich bin in Rom, sagte sie, das hier war seit der Antike der Platz, an dem der Besucher die Stadt betrat, wenn er von Norden über die Via Flamina kam. Nun sind wir da. Sie fand ein Hotel mit luxuriösem Zimmer, dunkler Marmor und Edelhölzer überall, billig, weil an weiteren Zimmern gebaut wurde, macht nichts, ich zeige dir die Stadt, sagte M, sind wir tagsüber sowieso nicht da. Ziehen wir uns um, machen uns schön wie die Römer auch. Dann kam sie, die Enttäuschung. Die eleganten Hosen, extra aufgehoben, waren zu eng! Wir hatten zugenommen auf der Fahrt. Das fanden wir ungerecht, hatten wir doch tagsüber nur spärlich gegessen, den Hunger für das 3 gängige Menü abends aufgehoben, machen die Italiener doch allemal, aber wir nehmen zu trotz quälendem Radfahren. Die schlechte Laune hielt Gott sei Dank nicht lange an, zu viel war zu bestaunen und zu lernen. Vergessen allerdings haben wir nie die 1000 km von Verona nach Rom, bei denen wir jeder 3 Kilo zunahmen.

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