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Donnerstag, 8. oktober 2009 4 08 /10 /2009 12:34

Teil 1 hatte aufgehört mit:  E&J wohnten in einer Altbauwohnung mit 5 Zimmern.....Wir waren gerne bei ihnen, es war gemütlich.

Beim zweiten Mal schon nicht mehr so. Da hatte sich einiges geändert. Die renovierte Küche war aus einem westlichen Fachgeschäft, ein neuer Herd glänzte, der neue Kühlschrank und die Waschmaschine ebenso, eine Mikrowelle stand da und die Tiefkühltruhe war voller Bofrost-Gerichte. Brauch ich jetzt, sagte E, in der Schule und im Kindergarten kriegen sie kein Mittag mehr, ihr habt das ja auch alles so. Auf die Frage, wie das alles finanziert sei, zeigte sie stolz ihre beiden neuen Kreditkarten. Die haben mir die Banken gegeben und je 10 000,-DM Kredit dazu. Nun hatten die Kinder neue Fahrräder, J einen neuen PC, E originale Verschönerungsmittelchen, ein gebrauchter Westwagen ersetzte den Trabi, doch die Familie war hoch verschuldet und der interne Ablauf klappte nicht mehr reibungslos. Ein viertel Jahr später baten sie um einen Überbrückungskredit und noch ein viertel Jahr später hatte E der Westwind hinweggeweht, sie war einem Kellner und Konsumverlockungen mitten im Westparadies erlegen. J ist bis heute ein Freund, er hat es geschafft, sein Studium neu gemacht, derweilen ihm alle Abschlüsse aus der DDR nicht anerkannt wurden, sich hochgearbeitet zum renommierten IT-Fachmann, begleitet von einer handfesten Superfrau als Freundin. Zu E haben wir den Kontakt verloren. Sie hat alles aufgegeben, auch die Schule und ist unten gelandet auf der Suche nach vergänglichem Glück.

Nicht immer war Sonnenschein, auch nicht zwischen uns. Wir mussten das aufeinander einspielen weiter lernen, den Spannungsbogen zwischen zwei unterschiedlichen Persönlichkeiten immer wieder neu aufbauen, auf hohem Niveau erhalten, Konflikte regeln. Da war z.B. die Kleinigkeit Frühstück, ein nicht hinterfragter deutscher Brauch Meinem bemühten Geplapper setzte sie ab und an ein gemurmeltes MM, MM entgegen, wenn überhaupt, trank ihren großen Pott Kaffee und verschwand. Bis mir der Knoten platzte, sie wütend zur Rede stellte, wenigstens Ja oder Nein kannst du für meine Bemühungen übrig haben! Kleinlaut gab sie zu verstehen, dass sei zu viel verlangt, sie versuche ja freundlich zu sein, MM MM sei das Maximum an morgendlicher Liebenswürdigkeit, ich kann morgens nicht, sagte sie. Wir wollten nicht in die Falle des alten Ehepaares laufen, die erst an seinem Sterbebett sich befragen, was hättest du denn gerne anders gehabt: die unter Brötchenhälfte, sagt er, ach du lieber Gott, sagt sie, ich hab dir immer die obere, meine Lieblingshälfte gegeben, weil ich dachte, du magst sie auch lieber, wir redeten darüber, übten uns wieder im partnerzentrierten Gespräch, beschlossen, es anders, individueller zu versuchen. Siehe da, getrennt Frühstücken ging, war sogar besser. Es half das Wissen, viele Menschen auf der Welt beginnen den Tag nicht wie ein Kaiser. Heute trinken wir zusammen unseren Morgenkaffee im Bett und dann macht jeder was er will. Auch sein Frühstück – oder nicht. Später kam heraus, ihr extrem niedriger Blutdruck am Morgen verlangt nach viel Kaffee und langsamen Warmlaufen.

Das neue Wohnmobil war eine Investition in die Zukunft. Demnächst war ein Auslandsauftrag zu erwarten und dann begann sie wieder, die Zeit der jährlichen Heimaturlaube. Bei unserem weit verstreuten Bekanntenkreis hieß das, auf Sofas und in Gästebetten übernachten, die Leute stören, die einen wollten früh schlafen, die anderen Nächte durch diskutieren und immer waren wir auf ihr Wohlwollen angewiesen. Sie luden uns gerne ein, aber beengte Räumlichkeiten bewahrheiteten Helmuts Spruch: Besuch ist wie Fisch, er stinkt nach 3 Tagen. Da war das Wohnmobil der Ausweg. Wir fuhren vor, hatten unser Zuhause dabei, konnten kommen und gehen wann wir wollten. Es war ein verdammt schönes Gefährt, hinten mit großem Doppelbett, Dusche, Klo, Kleiderschrank, Küche, prima Heizung und Sitzecke, die noch ein Bett ergab, falls mal einer alleine schlafen wollte oder Gäste dabei waren. Am Flughafen in Frankfurt angekommen, packten wir die Koffer aus und hatten unsere Heimat. In der Zwischenzeit nutzten wir es, fuhren viel nach Amsterdam, fühlten uns wohl im multikulturellen Gewimmel, hatten einen Zeltplatz in ruhiger Umgebung gefunden, 7 Min entfernt von der S-Bahn, die in einem Rutsch bis zum Zentrum fuhr. Manchmal schliefen, lasen, redeten wir hinten im Bett bis zum Nachmittag, fuhren in die Stadt und machten die Nacht zum Tage in all den schönen internationalen Restaurants, halbseidenen Bars, alten Kneipen und - natürlich - lateinamerikanischen Tanzlokalen. 

Beim zweiten Mal schon nicht mehr so. Da hatte sich einiges geändert. Die renovierte Küche war aus einem westlichen Fachgeschäft, ein neuer Herd glänzte, der neue Kühlschrank und die Waschmaschine ebenso, eine Mikrowelle stand da und die Tiefkühltruhe war voller Bofrost-Gerichte. Brauch ich jetzt, sagte E, in der Schule und im Kindergarten kriegen sie kein Mittag mehr, ihr habt das ja auch alles so. Auf die Frage, wie das alles finanziert sei, zeigte sie stolz ihre beiden neuen Kreditkarten. Die haben mir die Banken gegeben und je 10 000,-DM Kredit dazu. Nun hatten die Kinder neue Fahrräder, J einen neuen PC, E originale Verschönerungsmittelchen, ein gebrauchter Westwagen ersetzte den Trabi, doch die Familie war hoch verschuldet und der interne Ablauf klappte nicht mehr reibungslos. Ein viertel Jahr später baten sie um einen Überbrückungskredit und noch ein viertel Jahr später hatte E der Westwind hinweggeweht, sie war einem Kellner und Konsumverlockungen mitten im Westparadies erlegen. J ist bis heute ein Freund, er hat es geschafft, sein Studium neu gemacht, derweilen ihm alle Abschlüsse aus der DDR nicht anerkannt wurden, sich hochgearbeitet zum renommierten IT-Fachmann, begleitet von einer handfesten Superfrau als Freundin. Zu E haben wir den Kontakt verloren. Sie hat alles aufgegeben, auch die Schule und ist unten gelandet auf der Suche nach vergänglichem Glück.

Nicht immer war Sonnenschein, auch nicht zwischen uns. Wir mussten das aufeinander einspielen weiter lernen, den Spannungsbogen zwischen zwei unterschiedlichen Persönlichkeiten immer wieder neu aufbauen, auf hohem Niveau erhalten, Konflikte regeln. Da war z.B. die Kleinigkeit Frühstück, ein nicht hinterfragter deutscher Brauch Meinem bemühten Geplapper setzte sie ab und an ein gemurmeltes MM, MM entgegen, wenn überhaupt, trank ihren großen Pott Kaffee und verschwand. Bis mir der Knoten platzte, sie wütend zur Rede stellte, wenigstens Ja oder Nein kannst du für meine Bemühungen übrig haben! Kleinlaut gab sie zu verstehen, dass sei zu viel verlangt, sie versuche ja freundlich zu sein, MM MM sei das Maximum an morgendlicher Liebenswürdigkeit, ich kann morgens nicht, sagte sie. Wir wollten nicht in die Falle des alten Ehepaares laufen, die erst an seinem Sterbebett sich befragen, was hättest du denn gerne anders gehabt: die unter Brötchenhälfte, sagt er, ach du lieber Gott, sagt sie, ich hab dir immer die obere, meine Lieblingshälfte gegeben, weil ich dachte, du magst sie auch lieber, wir redeten darüber, übten uns wieder im partnerzentrierten Gespräch, beschlossen, es anders, individueller zu versuchen. Siehe da, getrennt Frühstücken ging, war sogar besser. Es half das Wissen, viele Menschen auf der Welt beginnen den Tag nicht wie ein Kaiser. Heute trinken wir zusammen unseren Morgenkaffee im Bett und dann macht jeder was er will. Auch sein Frühstück – oder nicht. Später kam heraus, ihr extrem niedriger Blutdruck am Morgen verlangt nach viel Kaffee und langsamen Warmlaufen.

Das neue Wohnmobil war eine Investition in die Zukunft. Demnächst war ein Auslandsauftrag zu erwarten und dann begann sie wieder, die Zeit der jährlichen Heimaturlaube. Bei unserem weit verstreuten Bekanntenkreis hieß das, auf Sofas und in Gästebetten übernachten, die Leute stören, die einen wollten früh schlafen, die anderen Nächte durch diskutieren und immer waren wir auf ihr Wohlwollen angewiesen. Sie luden uns gerne ein, aber beengte Räumlichkeiten bewahrheiteten Helmuts Spruch: Besuch ist wie Fisch, er stinkt nach 3 Tagen. Da war das Wohnmobil der Ausweg. Wir fuhren vor, hatten unser Zuhause dabei, konnten kommen und gehen wann wir wollten. Es war ein verdammt schönes Gefährt, hinten mit großem Doppelbett, Dusche, Klo, Kleiderschrank, Küche, prima Heizung und Sitzecke, die noch ein Bett ergab, falls mal einer alleine schlafen wollte oder Gäste dabei waren. Am Flughafen in Frankfurt angekommen, packten wir die Koffer aus und hatten unsere Heimat. In der Zwischenzeit nutzten wir es, fuhren viel nach Amsterdam, fühlten uns wohl im multikulturellen Gewimmel, hatten einen Zeltplatz in ruhiger Umgebung gefunden, 7 Min entfernt von der S-Bahn, die in einem Rutsch bis zum Zentrum fuhr. Manchmal schliefen, lasen, redeten wir hinten im Bett bis zum Nachmittag, fuhren in die Stadt und machten die Nacht zum Tage in all den schönen internationalen Restaurants, halbseidenen Bars, alten Kneipen und - natürlich - lateinamerikanischen Tanzlokalen. 

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