Gebrauchsanweisung
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Gen Italien ging’s nun mit Wohnmobil und Fahrrädern hinten drauf. Wir erfuhren die
Gegenden von einem festen Stützpunkt aus. Einmal Nähe Piombino, auf einem Campingplatz mit Sicht gen Elba. Für den Tag hatten wir eine schöne Strecke ausgesucht, einen Rundkurs am Meer entlang,
über die Hügel ins Landesinnere, abwärts zur Stadt und zurück. Leicht ging es den Berg hinan, wunderschöne Straße und Landschaft.
Dann die Abfahrt in eleganten Schwüngen, ich ließ es laufen, merkte plötzlich M ist nicht mehr hinter mir, Panik, hetzte
aufwärts zurück, da lag ihr schönes Rad verbogen, dahinter an einem Felsen M, blutüberströmt, weggetreten, doch bei Bewusstsein, flüsterte, nicht das Make-up verschmieren, doch es war ihr Blut.
Verzweiflung schwappte in Wellen über mich, was tun, so weit abseits? Meine M, die nie jammert, stöhnte vor sich hin, die Schulter, die Schulter. Ein Auto hielt, Gott sei Dank, eine Frau auf
englisch, kann ich was tun, sah, dass sie nichts tun konnte, sprang in ihr Wagen, ich rufe den Krankenwagen, sauste davon. Kurz danach, scheint es mir heute, aber die Zeit hatte ich verloren, kam
der Krankenwagen, versorgte M notdürftig, lud sie, mich und die Räder ein, ich konnte ihr die Hand halten, mehr nicht. Sie hatte eine tiefe Wunde am Kopf und die Schulter gebrochen, erst nachdem
ihr Haar rasiert war, entdeckte man die zweite Wunde. Da musste ich sie lassen, sie bewegte sich kaum, alles schmerzte zu sehr, die Spritzen fingen an zu wirken. Später erzählte sie, die beiden
alten Frauen im Zimmer hatten sich unterhalten, lebt sie noch? Eine zupfte an ihrem Zeh, erleichtert, ja, sie lebt noch. Auf der Rückfahrt zum Wohnmobil konnte ich kaum was sehen vor Weinen. Noch
heute kommen mir die Tränen, denke ich daran. An dem Abend hab ich mich besoffen, schlimm, so hilflos zu sein bei der verwundeten Liebsten. So früh wie möglich fuhr ich mit dem Wohnmobil am
nächsten Tag zum Krankenhaus. In Erinnerung des Umweges durch die enge Stadt bot sich eine vermeintliche Abkürzung über den Berg an. Doch kurz vor der Höhe knickte die Straße ab, führte an einer
Felswand auf der einen und dem Abgrund auf der anderen Seite entlang einspurig bis zum Stadttor.
Da war die
Fahrt zu Ende, das Wohnmobil passte nicht hindurch, ich musste zurück, rückwärts, keine Wendemöglichkeit. Die Autoschlange hinter mir bewegte sich meterweise im Rückwärtsgang, Männer halfen
dirigieren, Zentimeter um Zentimeter schob sich mein breites Fahrzeug rückwärts an Felswand und Abgrund entlang, noch nie hatte ich so Blut und Wasser geschwitzt. Der einzige Vorteil: M war
zeitweise vergessen. Nicht mehr, als ich in ihr Zimmer kam und das Bett leer vorfand. Tot, schoss es durch meinen Kopf, sie ist in der Nacht gestorben. Mitleidsvoll versuchte ein Arzt mir auf
italienisch zu erklären, mein Spanisch reichte nicht, allenfalls zum Verstehen, sie lebte. Ein Krankenwagen hatte sie in die nächste Stadt zum Röntgen gefahren. Es ging ihr kaum besser, Schulter,
Arm, Kopf verbunden, Schmerzen, doch sie konnte ein wenig reden. Lass mich, sagte sie, lass mich. Wir sind dann im Wohnmobil nach Bonn zurück, das hätten wir nicht tun dürfen, das hätte der Arzt
verbieten müssen.
Die Erschütterungen der Fahrt machte alles schlechter, es
hat Jahre gedauert, bis sie wieder OK war. 100% ist es nie geworden.
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