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Irgendwo hatten wir sie kennen gelernt, die zwei Spielkameraden, die nichts anders im Kopf hatten als feiern. Zwei junge Männer, wir vermuteten Homosexuelle, einer war bei einer staatlichen Behörde, war auch mal als Botschaftsangehöriger in Afrika gewesen, der andere war Möbelpacker. Nun kamen sie ab und an vorbei, fragten uns aus über Südamerika, erzählten von ihrer anderen Welt, die wir noch nicht kannten, nicht unbedingt kennen lernen mussten. Welchen Stellenwert wir für sie, die Exoten hatten, merkten wir erst bei ihrer Einladung nach Hause. Wir vermuteten, waren sicher, dass sie sich ohne uns besser vergnügen würden mit ihren Freunden und kamen zu spät. Und da warteten sie, Familienmitglieder eingeschlossen, wiesen uns den Ehrenplatz zu und stellten uns stolz vor: auch wir haben normale Freunde.
Ganz eindeutig wollte der nur eins. Über eine Kontaktanzeige, Freund sucht Freunde, hatten wir ihn kennen gelernt und eingeladen, neugierig wie wir waren. Die Papierlage sah interessant aus. Es wurde mühsam, die immer intimer und detaillierter werdenden Schilderungen des Gastes abzuwehren. Wir hatten Essen vorbereitet, auch das stimulierte ihn, Alkohol machte es auch nicht besser, es wurde peinlich. Was tun? Rauswerfen? Rauswerfen! Er war sauer, stand doch in der Anzeige, Freunde meint was Intimes. Nee, war ein Missverständnis! Wir wurden vorsichtiger.
Unser Leben schwankte, Höhen gab es mit den Freunden, zu denen die Familien gehörte, auch unsere erotischen Spiele waren oft Höhepunkte; wir
blieben bei unserem Freitag mit dem gemeinsam ausgehen, als sei es ein erstes Rendevouz, bei dem wir uns gegenseitig erobern wollten. Wir machten uns schön, überlegten aufregende Gesprächsthemen,
tranken Sekt, tanzten, flirteten. Doch meine Arbeit machte sich bemerkbar. Der stärker werdende Leistungsdruck, ob sinnvoll oder nicht, frustrierte, blieb im Kopf auch im Privatleben. Nichts war
von meinem, aus Ecuador mitgebrachten Vorsatz übrig geblieben, wie ein Profi zu arbeiten: Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Der Dienst kroch in den Schnaps. Anderen Welten
brachten mir die regelmäßigen Reisen zu den Projekten in Mittelamerika und Südamerika, anstrengend auch, Flüge oft nachts, tagsüber
Konferenzen, Partnergespräche, Projektbesuche, einstellen auf unterschiedlichste Menschen, unterschiedlichste Länder, doch es war der Kontinent, den wir liebten, der uns die Zuneigung zurück gab.
Oft kam ich zurück, ausgelaugt aber voller guter Geschichten. M´s Gesamtschule war ein Glücksgriff, noch nie hatte sie, eingebettet in einen gleichgesinnten Kollegenkreis, solch ideale
Lehrbedingungen vorgefunden. Doch der Druck der Eltern nahm zu, Erziehungsdefizite durch die Schule ausgleichen zu lassen. Das kann Schule nicht, sie ist zum Lernen da, keine Erziehungsanstalt.
Hinzu kam ein immer größer werdender Anspruch der Bürokratie, Defizite des Systems über zentral gesteuerte Vorgaben auszugleichen, den Spielraum der Lehrer einzuengen. Mein neuer Vertrag als
Auslandsmitarbeiter sah sowieso den Wechsel vor, wir waren bereit. Das erste Angebot kam für Guatemala, nicht schlecht, ich kannte Land, Leute und Projekt, doch es gab soziale Konflikte die
eskalieren konnte, einmal war ich schon von bewaffneten Bauern aufgehalten worden. Besser warten. Und dann kam das Angebot. Ich rief M an, was sagst du zu Rio de Janeiro? Sie sagte nichts, sie
jubelte. Unsere Traumstadt, Konflikte hin, Konflikte her, die Stadt und ihre Bewohner hatten wir einmal lieben gelernt.
Ein neues Abenteuer mit neuen Geschichten begann.
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