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Tuesday, 4. may 2010 2 04 /05 /Mai /2010 12:46

Kolumbien - 12FESWenn sie Gummistiefel anhaben sind sie Guerilleros, hatte mir Juan Carlos eingeschärft, mit Schnürschuhen Soldaten, an den Uniformen kannst man sie nicht auseinander halten, hatte er gesagt. Und was waren die dann in dem Lastwagen vor uns, voll von gummistiefel-beschuhten uniformierten, bewaffneten Männern? Juan Carlos, was ist das? Si Señor, si, druckste er, ich hab’s gesehen, ganz ruhig bleiben, wir haben nix bemerkt, ganz ruhig. Und war die Unruhe selbst. Mir war mulmig, die Straße die Anden hinunter war gut aber kurvenreich, überholen konnten wir nicht, was machen wir, wenn die anhalten? Nach einer viertel Stunde Herzklopfen bogen sie ab in den Wald am Berghang. Ja, sagte Juan Carlos, sie sind hier, tauchen auf, verschwinden, wie auf einer Ziehharmonika spielen sie ihr Lied und narren die Armee. Klar, auch den Offiziellen ist nicht zu trauen, die sind womöglich noch korrupter und gewalttätiger, man muss zusehen, beiden Parteien aus dem Wege zu gehen. Er erzählte von seinem Dorf wo die Guerilla plötzlich erschienen war, sich im nahen Bergwald einquartiert hatte, einen Jungen zum Krämer schickte mit einer Liste von Waren, die jeden Tag zu liefern waren, Bezahlung gegen Gutschein der wahrscheinlich nie eingelöst werden würde. Jeder wusste, sich weigern war zwecklos, ansonsten gab es Tote. Und so brachte der Junge mit seinem Mula Tag für Tag Lebensmittel in den Wald. Dann waren sie weg und das Militär kam, stellte den Krämer an die Wand, erschoss ihn weil er kollaboriert hatte.

591px-Rio Magdalena mapWir waren auf dem Weg nach Ibagué, Juan Carlos fuhr den Jeep, von Bogota ging es 1000 m den Berg hinunter in eine weite Hochebene, in der Mitte der mächtige Magdalena-Fluss, der langsam, träge-braun dahin rollt, hier schon enorm, auf seiner Reise an die Küste grandios werdend bis er sich ins Meer ergießt. Drüben, auf der anderen Flussseite führte die Straße wieder die West-Kordilleren hinauf.  Noch immer zwischen 2000 und 3000 m weit oben, kalt war es. Ibagué ist die Hauptstadt der Provinz Tollima, genannt nach dem riesigen Vulkan im Tal hinter der Stadt. Der Berg hat einen Sombrero-Hut aus Schnee und Wolken und ist momentan ruhig. Aber bei denen weiß man nie, ob sie nicht mal rotzen und kotzen wollen. Dann kannste laufen Señor,  sagte Juan Carlos!

Eine Kooperative mit 80 000 Mitglieder hatte uns kontaktiert, wollte unsere Hilfe. Der Höflichkeitsbesuch bei der Bürgermeisterin war nett, sie hat zugehört, ob sie unsere Projektphilosophie verstanden hat, konnte ich nicht raus kriegen. Das Mittagessen mit dem Präsidenten der Kooperative oben in dem Tal, unterhalb des Vulkans war harmonisch, mit einfachen Menschen komme ich besser zurecht. Am Nachmittag Projektbesuche. Unsere Berater halfen im ganzen Land ausgesuchten Gruppen von "Micros", Kleine- und Kleinstunternehmen, mit einem neuen Modell sowohl Produktion qualitativ und quantitativ als auch den  Absatz zu verbessern. Der Auftrag kam von  der Regierung, die eine neue, effizientere Förderungspolitik suchte, die alte war ziemlich wirkungslos geblieben. Kolumbien---KMIUnternehmerin7.jpgGut in Erinnerung ist mir eine Unternehmerin, die bereits ihren Betrieb reorganisiert und beachtliche Erfolge erzielte hatte. Frauen erwiesen sich wieder einmal als lernfähigere Zielgruppen, sie waren durchweg flexibler und zuverlässiger als ihre männliche Unternehmerkollegen.

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