Artikel teilen! (46) Kolumbien: nach Ibagué II: In Holzhütten übernachteten wir oben im Tal. Der Weg hinauf zum Fuß des Vulkans durch Flüsse und Bäche ...
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In Holzhütten
übernachteten wir oben im Tal. Der Weg hinauf zum Fuß des Vulkans durch Flüsse und Bäche, über holprige
Wege, an einfachen Siedlungen vorbei, Menschen bewegten sich langsam, schauten interessiert, Mulas wieherten, Hunde jagten die Autoreifen, eine andere Welt.
Abends, auf dem Balkon, genoss ich die Ruhe. Wenn man aus Bogotá kam, war das eine Erleichterung. In der Hauptstadt hupt und schrillt und brummts den ganzen lieben langen Tag und oft nachts auch noch. Die Leute auf dem Campo - dem Bauernland - gehen mit den Hühnern schlafen und stehen so früh auf, dass sie den Hahn wecken. Das erinnert mich an eine Geschichte in Ecuador vor vielen, vielen Jahren. Wir mussten bei einer Bauernfamilie übernachtet, fernab von jeglicher Zivilisation, nur zu Fuß und per Mula zu erreichen. Um 19:00 oder 20:00 Uhr gehen sie ins Bett. Das hat der Mann auch getan, die Frau wollte aber unbedingt, dass wir ihre Gruppe besuchen. Und da wollten sie tanzen. Es war aber keine Musik da. Ein junger Mann hat sein Pferd geholt und ist in die Dunkelheit geritten. Nach langer Zeit kam er mit 2 Schallplatten zurück. Wir waren müde, mussten aber bleiben, denn wenn Besuch kommt, dann ist das ein Anlass zum Feiern. Und Besuch kommt selten. Es war spät, als wir auf unser Stroh kamen. Und kaum hatten wir die Augen zugemacht, ging das Radio von dem Mann los. Sein Bett war nur eine Bretterwand von uns entfernt. Von 3:00 bis 4:00 in der Früh pflegte er Nachrichten aus der nächsten Stadt zu hören, wie die Preise für das Vieh standen, wer sein Schwein verkaufen und seine Pantoffel verloren hatte und solche wichtigen Sachen. Um 4:00 ist er aufgestanden, um 5:00 Uhr gab es Frühstück. Einen Teller mit Reis, Fleisch, Eiern, gebratenen Bananen und Kaffee. Das hat uns etwas munterer gemacht.
Genauso geht das hier auch, hat mir Juan Carlos erzählt. Nur, dass sie keinen Kaffee, sondern Schokolade zum Frühstück trinken.
Am nächsten Tag ging’s wieder zurück, die einen Kordilleren hinunter, die anderen hoch. Juan Carlos erzählte wie so oft von der Guerilla da drüben in den Bergen, die kein Militär bisher vertreiben konnte. Sie hätten auch eine gute Seite, sagte er, würden die Interessen der kleinen Leute gegen einen Staat vertreten, der die Reichen immer reicher mache. Schauen Sie, sagte er. Alle 50 Km eine Kontrollstelle, an der Gebühren zu zahlen sind. Und dann kam ein Mautposten schon nach 25 km. Aber da war kein Häuschen mehr und keine Schranke und kein Mensch zu sehen. Tja, Juan Carlos grinste, das hat die Guerilla weggesprengt. Sie haben gesagt, es wäre nicht gerecht, so kurz hintereinander Geld zu verlangen. Wumm-Dumm, war das Problem gelöst. So kann man auch mit kleinen Sachen, den Autofahrern Freude machen. Ach nee, trotzdem kann ich sie nicht leiden, die Guerillas. Auch sie bringen dauernd einfache Leute um.
Und dann kamen wir wieder nach Bogotá und alles wurde laut und hektisch und die Autos rumpelten und hupten und der Verkehr stand still weil alle zusammen und auf einmal auf die Kreuzung wollten und ich war froh, als M mir freudestrahlend die Tür aufmachte. Da war ich wieder zu Hause.