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Monday, 10. may 2010 1 10 /05 /Mai /2010 11:04

Kolumbien - 19

Wir sollten bei ihm übernachten, unser Fahrer weigerte sich, er versprach, einen Jeep zu besorgen, ging los, es war weit zu laufen. Die Dämmerung setzte ein wie immer um 6:00 Uhr abends, unheimlich wurde es am Berg. Er kam zurück sagte, der Wagen müsse noch repariert werden. Wir warteten. Das ist normal in Lateinamerika, warten muss man können, das können alle. Sie setzten sich unter einem Baum, erzählten Geschichten, rauchten, waren lustig. Und ihre Mulas machten das Maul auf und röhrten mit. Die meisten Bauern blieben zum Übernachten, ihr Weg zurück war stundenlang.

 

Dann kam der Wagen und brauchte noch Benzin. Das gab´s weit weg. Wir gaben ihm Geld und warteten nochmals. Um 8:00 ging´s los, alle Mann eng zusammen hinten auf der Ladefläche, die Mulas blieben. Der Weg, eher eine Mondlandschaft denn eine Straße, hatte tiefe Krater und Risse, der Jeep mahlte langsam hindurch, von einer Seite auf die andere schwankend. Zweimal mussten wir durch einen Fluss . Es hatte geregnet in den Bergen, das Wasser kam rauschend herunter. Und der Jeep wühlte sich den Berg hoch und ließ sich nicht aufhalten. Gut so, denn Schieben hätte ich nicht mehr gekonnt, war zu müde.

 

An einer Stelle konnte man weit in das vom Mond beschienene Tal blicken. Da blieb der Jeep stehen, es ging nicht mehr weiter. Die Straße hörte auf. Wir luden unsere Sachen ab, marschierten weiter, zweimal noch durch kleine Bäche, tief war der Matsch, meine Beine kamen kaum hindurch. Bellend kam uns ein Rudel Hunde entgegen, Kinder hinterher und dann waren wir da, zu Hause beim Häuptling.

 

Es fing leicht an zu regnen. Wir saßen bei Kerzenlicht auf der Veranda, Strom gab es in der ganzen Gegend nicht. Nur Taschenlampen. Die brauchte man, um aufs Klo hinter dem Haus, in die Küche, in die Zimmer oder ums Haus herum gehen zu können. Das Haus des Häuptlings war aus Steinen, die anderen Indios leben oft noch in Lehmhäusern mit Strohdächern.

 

Ich war sehr müde. Es musste aber noch ein wenig palavert werden. Danach schliefen wir zu viert in einem kleinen Zimmer. Als Häuptling aus der Stadt stand mir der Lattenrost zu, die anderen mussten sich auf dem Boden legen. Es war ganz bequem, Indianerverhältnisse eben, ich habe gut geschlafen.

 

Am Morgen lernte ich die Familie und den kleinen Bauernhof, die Finca, kennen. Acht Leute wohnten in 2 Hütten, dazu 3 Hunde, 4 Kühe, Schafe, Meerschweinchen und Hühner. Die Hühner laufen frei herum. Als wir ihm empfahlen, sie im Stall zu halten weil dann die Eier leichter zu finden seien, stellte sich heraus, dass sie frei laufen müssen. Sie warnen mit ihrem aufgeregten Gegacker vor den Schlangen. Hinter dem Haus der Gemüsegarten und das Feld mit Yucca (bekannt auch als Yamswurzel), Bananen, Bohnen, Zuckerrohr - eben alles, was Menschen und Tiere als Grundnahrung brauchen. Eingezäunt das Ganze mit krummen Ästen auf einer Mauer aus losen Steinen, damit kein Tier unten durch krabbeln kann. Und Matsch wechselte ab mit Gras und Kraut und Pflanzen.

 

Das Land mit Kaffee war weit oben in den Bergen, zwei Stunden zu gehen. Die beiden älteren Jungen zogen los mit umgeschnallten Macheten und einem Gewehr bewaffnet. Sie hatten dort zu tun. Jeder in der Familie hatte seine feste Aufgabe. Nur das Baby nicht. Das wurde von einem Mädchen auf dem Rücken transportiert. Das Mädchen hatte ein Band um den Kopf geschnallt und in der Schlinge saß der Kleine, hielt sich fest, quietschte vergnügt und schaute sich alles an.

 

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