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Friday, 14. may 2010 5 14 /05 /Mai /2010 12:49

Ausflug

BRA-Paraty---2.jpgParaty mussten wir nochmals sehen. Im Bus war es so kalt, dass die Spucke erfror. M. wusste das, hatte Pullover mit und lange Hosen. Paraty ist die gut erhaltene Kolonialstadt mit Kopfsteinpflaster und schönen bunten Häuschen aus Seeräuberzeiten. Weiße Wände, rote, grüne, gelbe, braune Türen und Fensterläden. Am Hafen ein Kirchlein von Königspalmen überragt. Es bewacht die Bucht und die 360 Inseln davor zwischen denen Francis Drake auf das für Portugal bestimmte Gold aus Ouro Preto wartete. Das wurde in Maultierkarawanen aus dem Landesinneren gebracht und in kleine Karavellen verladen. Dann hat er zugeschlagen. Mit einem Messer zwischen den Zähnen und einem lauten, brüllenden Lachen. Der Seeräuber Drake wurde für seine Verdienste geadelt. Er hieß seitdem Sir Francis.

 

In Paraty haben wir Massenmord an Moskitos begangen. Eine erschlagen, 2 neue tauchten auf. Unangenehm das Geräusch, wenn sie wie Stukas angreifen und man nicht weiß, wo sie nippeln. M. hat ein sehr effektives Verfahren mit ihren Latschen entwickelt. Der Nachteil ist, hinterher sieht die Wand aus, als wäre einer herum gewandert.

 

Eigentlich wollte M. mit mir den schönsten Ausflug der Welt machen. Der geht nach Trinidade. Aber der Jeep war defekt und die Motoristas hatten frei. Da haben wir uns ein Boot gemietet, sind tauchen gegangen und haben den Fischen beim Weiden zugeschaut. Ich war lange nicht mit Flaschen unten. Eine geheimnisvolle, stille Welt. Ein Fisch hat mich mit griesgrämigem Gesicht stur angeschaut, ich hab ihm zugewinkt, er hat das Maul aber nicht verzogen. Niedlich der Kugelfisch mit seinem runden, schimmernden Bauch und den kleinen Flügelchen. Mit denen hat er gewedelt und ist eilig davon gekugelt. Zebrafische gab es, lila Seeigel und ein Seestern liebte wohlig einen Stein. Den Barrakuda in der Gruft, 2 m lang, haben wir wohlweislich nicht gestört.

 

Essen:

Wie die Könige haben wir gegessen. Feijoada und Picanha und Bolinhos de Bacalhau und Bolinhos de Aipim und Bohnen und Farofa und Fisch und Muqueca und Frango ao Passarinho und Cascinha de Siri, alles so wohlschmeckend wie es heißt. Und dann Fleisch, Fleisch, Fleisch in den schönen Churrascerias, da, wo sie die Spieße herumtragen, gebraten, überbacken, gegrillt, vom Rind, vom Schwein, vom Kalb. Dazu das große Salatbuffet und herrlichem Nachtisch aus Cocos Mus und Bananenpüree. Bei unserem Italiener unten im Haus, in dem wir gewohnt haben, waren wir auch. Er ist noch immer der beste Italiener, den wir kennen. Die Choperia mit dem schäumenden Bier daneben hat jetzt Stühle und Schirme auf dem Bürgersteig. Mit Jack und Anita mussten wir natürlich in´s Sentaí – setz dich hin – aber es war geschlossen, wurde gerade desinfiziert. Die Kakerlaken waren zu mutig geworden. Das Essen dort war immer köstlich portugiesisch schwer. Es hätte Ziegenragout in Rotweinsoße gegeben. M. hatte einmal eine Fischvorspeise aus Höflichkeit gelobt und kriegte sie fortan automatisch auf den Tisch wenn sie reinkam.

 

Wie die Speisen da oben alle auf Deutsch heißen? Ach, lassen wir sie im Original. Sie schmecken wie sie klingen.

 

Die Stadt

hatte sich verändert. Sie war noch schöner geworden. Es fiel auf, wie sauber es war. Überall waren Papierkörbe aufgestellt, sogar am Strand. Und die Menschen warfen den Abfall rein, nur die älteren Cariocas nicht, sie waren es gewohnt, alles hinter sich zu schmeißen. Und dann gab es Verkehrsdisziplin! Nicht zu glauben. Wir überquerten am ersten Tag die Straße, wollten schon rennen wie gewohnt, weil die Kolonne ankam – und dann hielten alle an der roten Ampel, wie mit einer Linie gezogen. Rote Ampeln zu überfahren, sagte man uns, kostete 450,-DM. Überall standen Polizisten mit Strafzettel, und das funktionierte. Wie schön, besonders für uns Bogotá Geschädigte.

 

Die Verbrecher

waren immer noch da. Leider. Es war die abstoßende Seite dieser Stadt.

 

 

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