Artikel teilen! (48) Urlaub in Rio de Janeiro (1988) Teil I: &nbs ...
Andere Welten oder: vom Leben in Chile, Ecuador, Brasilien, Kolumbien, Tansania, Mosambik und immer wieder Deutschland
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„Matar saudade“ – die Sehnsucht töten, nannten es die Brasilianer. Nach einem Jahr Kolumbien hielten wir es nicht mehr aus, flogen zurück, machten Urlaub in Rio, unserer Lieblingsstadt, 14 Tage. Herrlich, warm, freundschaftlich, vergnügt, feucht-fröhlich. Ich hatte vergessen, wie viel liebe Leute wir kannten. Wo wir hinkamen in unsere alten Lokale kamen die Ober freudestrahlend auf uns zu, wussten noch, was wir trinken wollten (uma Caipirinha com pouco azucar feita na ora), was wir gerne aßen (Muqueca de Camarao). Und dann die Freunde Jack und Anita und Renate, die alte Mannschaft aus dem Büro mit Zenaide und Clayton und Paulo und Maria und Vandré, auch Angela und Franklin. Alle waren sie lieb, nett, herzlich zu uns, luden uns ein. Die Tage wurden kurz, Nächte dominierten. (M: Eigentlich wollten wir immer morgens an den Strand, weil wir die Sonne nicht mehr so gewöhnt sind, aber da wir nachts –morgens – erst ziemlich spät nachhause kamen, sind wir nicht vor eins aufgewacht, und so mussten wir dann eben in der Mittagshitze an den Strand. Am 3. Tag waren 40 Grad!). Und im Bett liegen mit nur einer dünnen Decke über und draußen das Meer hören und die Geräusche von der Av. Atlantica. Und brasilianischen Fernsehen. Das war schön.
(M: Putzmittelreklame grundsätzlich von Männern gemacht und urkomisch, die Frauen sind für die eigene Schönheit zuständig.)
Wir kamen am Samstag den 27.3. an. Natürlich mit 3 Std. Verspätung, denn Avianca, die da auch heißt Avinunca, („Avi“ vom Flug, „nunca“ heißt „nie“) musste ja ihrem Namen Ehre machen. Aber was macht’s, wir waren in Rio. Renate, meine ehemalige Sekretärin, hatte das Hotel reserviert mit einem großen Zimmer, Blick auf den Strand von Copacabana. Und dann standen wir am Fenster und dann war er da, unser schöner Strand, lang ausgestreckt mit seinem hellen Sand und den vielen Menschen und die Wellen überschlugen sich als sie uns sahen. Und die Sonne lachte und die Autos hupten und die Polizisten schossen Salut. Na ja, denen weicht man immer noch am besten aus. Die wissen nicht, wie man Salut schießt.
Wie früher am Samstag war der erste Weg in unsere altes Lokal zu Jorge, Feijoada essen und Caipirinha trinken. Der kam mit offenen Armen auf uns zu, begleitete uns zum Tisch und brachte die beste Caipirinha, die wir je getrunken hatten. (OK, kann auch sein, sie war so gut weil die erste nach langer Zeit). Jorge erzählte uns von den Erdnusskindern. Sie arbeiteten noch immer am Wochenende, hätten sich aber gut gemacht. Und schon waren sie da, die Mädchen, noch immer funktionierte die informelle Kommunikationskette den Strand hinauf. Kleine Dämchen waren sie geworden, traurig, dass wir nicht mehr für sie da waren. Sie gingen zur Schule, die eine wollte Lehrerin werden, die andere Ärztin. Aber arbeiten mussten sie.
(M: Michelle und Raquel waren 15 Jahre alt und gingen in die dritte Klasse, Alejandro und Leandro waren 17, wir haben sie nicht gesehen, aber besonders Leandro schien ein Mann wie ein Kleiderschrank zu sein.)
Strand
In den ersten Tagen waren die Wellen hoch. Es wummerte, wenn sie auf den Strand kracht en . Und die Jungen mit ihren Brettern mittenmang in den Riesenbrechern rodelten die Wellenberge hinunter wie unsereins den Schneehang. Wir Normalmenschen konnten nur ins Seichte, vorne am Wasser. M. animierte mich zu langen Strandwanderungen. Muskelkater an den Unterschenkeln hab ich mir geholt in dem tiefen Sand. Und all die schönen braunen Menschen und mittendrin wir mit unserem Bogota-Edelweiß. Die Kommentare der Jungens waren korrekt, guckt mal, nevinhos, Schneechen. (M: Und über meinen kolumbianischen Bikini haben sie sich krank gelacht. Der geht bis zum Bauchnabel. Und das Oberteil bis ans Kinn- fast! Musste mir gleich einen einheimischen kaufen.) Aber nach einer Woche kam die Bräune zurück und Jack sagte zur M, sie sähe 10 Jahre jünger aus. Danach wollte sie nicht mehr weg.
(M: Na, wenn das kein Grund ist!)