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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(49) Kolumbien im Tagebuch X

10. Juni 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Kolumbien

Do 10.6.1999

Erste Erfolge bei M, leiert dem Rektor Zugeständnisse aus den Rippen. Ihre Kollegen danken.

Schreibe Artikel über Krieg und Frieden in Kolumbien für Zeitung.

Um ½ 6 klingelt der Wecker, M bringt Kaffee ans Bett, um 6:00 stehe ich auf, oft von den Schlaftabletten noch benebelt, M geht, ihr Bus fährt um 6:20, mache Autogenes Training, lese wichtige Artikel, lerne Spanisch von einer CD, mache Gedächtnistraining. Um ½ 9 im Büro, mittags nach Hause, esse ein wenig, leg mich ½ oder ¾ Std. hin, kippe weg wie ein Sack, bin müde, so müde. Nochmals Büro. M kommt oft spät aus der Schule, geht um 8 ins Bett, schläft beim Fernsehen ein. Dann sitz ich am PC, repariere, probiere, stell um, kann das Ding nicht in Ruhe lassen, lande in den Weiten des Netzes. Möchte so gerne im Sessel sitzen, lesen, ausruhen, in mir ruhen, den Tag ausklingen lassen. Schaffe es nicht.

An den Supermärkten stehen bewaffnete Privatpolizisten mit langläufigen Schrotflinten. Aufpassen muss man, ihnen nicht ins Schussfeld zu geraten, wenn´s ernst wird.

Morgens auf dem Weg zum Büro kommen sie an, die Straßenhändler mit ihren Karren voll Kisten wie kleine Tapeziertisch, sie werden auf Böcke gestellt, aufgeklappt und da sind sie drin, ihre einfachen Waren von Uhrbändern und Batterien über den ganzen chinesischen Billigramsch bis zu Süßigkeiten. Dann stehen sie da den ganzen Tag. Wenn es regnet, breiten sie Plastikplanen darüber und manchmal sitzen sie auch darunter wenn es viel regnet. Ich begreife nicht, wie man damit Geld verdienen, eine Familie ernähren kann. Abends, wenn die Dunkelheit kommt, packen sie zusammen und schieben ihre Karren nach Hause, wer weiß wo. Kolumbien - 17

 

Hilflos machen mich die Kinder. Sie wuseln zwischen den Autos herum, haben Süßigkeiten und Kaugummi zu verkaufen, wollen betteln. Sie reden und reden mit piepsigen Stimmen durch das geschlossene Fenster, wollen sich nicht abweisen lassen. Eine Moneda bitte Señor, nur ein wenig Geld bitte, ich habe solch einen Hunger, bitte. In der Zeitung ein Aufruf, nichts zu geben, sie sind von Gangstern in Banden organisiert mit genauen Vorgaben, Kontrollen und Strafen. Es scheint sich zu lohnen, Kleinvieh in Massen macht viel Mist. Trotzdem tun sie mir leid, diese verlassenen ohne Ausweg. Manchmal kann ich nicht anders und gebe.

Heute kam der Schuhputzer ins Büro. Ich hatte bei ihm an seinem Stand an der Straße gewartet, er war besetzt. Unser Wächter hat ihn gerufen. Komisches Gefühl im Büro sitzen, Zeitung lesen und der putzt dir die Stiefel. Es ist Usus, Männer legen Wert auf glänzende Schuhe. Das kommt, hat man mir gesagt, aus der Zeit der Caballeros zu Pferd. Sauber Schuhe bedeuteten, nicht zum Pöbel zu Fuß zu gehören.

Brief von Lukas

Hallo Reinhold!

Die letzte Zeit war ich ziemlich beschäftigt, deshalb konnte ich keinen Brief schreiben (ich habe zum Beispiel ganz oft bei Freunden übernachtet und andersrum).... Soll ich Dir einen Witz erzählen? O.k, hier ist einer: Ein Polizist hält bei einer Verkehrskontrolle ein Auto an und sagt:" sie sind unser einmillionstes Auto, das wir angehalten haben!" Er überreicht ihm einen Scheck über DM 5.000 und fragt:" Was werden Sie jetzt mit dem Geld machen?" Der Autofahrer sagt:" Meinen Führerschein". Die Frau neben ihm sagt:" Ach,, hören Sie nicht auf ihn, er redet immer so einen Unsinn, wenn er betrunken ist!" Und die Oma ruft von hinten:" Ich habe ja gleich gesagt ,dass das gestohlene Auto nichts taugt!"

 

 

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