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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(49) Kolumbien im Tagebuch XIII

16. Juni 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Kolumbien

Di 22.6.1999

Noch zwei Tage bis zu den beiden Großveranstaltungen. Bin schräg drauf, Körper reagiert komisch, Herz tut weh, Schlafe wenig, aufgedreht. Will diese Großveranstaltungen nicht (dann mach sie nicht, du blöder Hund, raunt mein lässiges Ich - doch, das bringt Ehre - sagt das Über-Ich). Franklin kommt aus Rio. Bürgermeister nehmen teil, Gouverneure, andere Großkopperte. Donnerstag Abend muss ich "dieses sehr erfolgreiche Seminar" schließen und am Freitag das nächste „sehr erfolgreiche Seminar“ eröffnen. Prost.

Mittwoch 23.6.1999

Franklin kommt nicht, Familienangelegenheit, schickt seinen Text, den wichtigen für das Seminar und Fresia hatte die Idee: Señor Einloft, Sie können doch portugiesisch, übersetzen Sie das Wichtigste und tragen es vor. Und ich lasse mich breit schlagen, ich Depp. 50 Seiten sind es voll komplizierter Gedankengänge einer neuen Theorie der Gemeindeförderung und nur einige praktische Beispiele. Wir hatten zwar zusammen ein Buch darüber veröffentlicht, doch das hier war neu. 

Kathi tröstet mich per Email.

Ich bin ganz sicher, dass du es schaffst und wenn es gar nicht klappt, fang einfach an zu lachen, dann müssen die andern mitlachen denn:

Wenn Reinhold lacht

dann nehmt euch in acht!

Dann wackeln Wände

und Schränke und Hände

klatschen laut Applaus

Da lacht jede Maus

und jeder Laus

fragt sich dann,

warum er nicht so gut lachen kann!

Ja, gut lachen kann nicht jeder, das ist eine Kunst, du bist ein hochbegabter Lacher!

Mo 28.6.1999

Leuchtkugeln im Bauch, manchmal strahlen sie, manchmal klumpen sie zusammen.

Metaplansitzung mit den Mitarbeitern für Bericht und Planung 2. Halbjahr. Freitag große Stehparty im Büro, dann kommen sie alle, die Großen und Kleinen, die wichtigen und unwichtigen Menschen die was mit uns zu tun haben wollen. Auch Präsidenten - ex natürlich. Der momentane ginge, wenn überhaupt, zur Konrad Adenauer Stiftung.

Fühle mich aufgefressen von der Arbeit, gedeckelt von den Dauerproblemen des Landes.
In 2 Tagen fliegen wir.

Juli bis Mitte August in Deutschland, Heimaturlaub

Zurück in Bogota

Kolumbien - 8MarianneDiese Stadt, diese Stadt, sie schafft mich! Von unserem Fenster aus sieht sie nett aus wenn die Sonne untergeht. Aber mitten drin ist sie schrill. Da pfeifen einem die Ohren und verdunkeln sich die Augen. Die Straßen sind voll aggressiv hupender Busse und Taxis. Und die sehen aus als wären sie bei den Wildsauen zu Hause. Einmal morgens im Schlamm umgewälzt und dann ab auf die Reise. Dann die Manie, die Alarmanlagen schrillen zu lassen. Es schrillen dauernd ein Dutzend und mehr. Nein, nicht weil sie geklaut werden, bewahre, sie lieben es zu schrillen und zu heulen und zu pfeifen und hören nimmer auf. Bei mir in der Straße vom Büro werden Autos gewaschen von Jungens für einen kleinen Obolus. Unter ohrenbetäubendem Alarmgebrüll, denn ihre Besitzer haben sie abgeschlossen, sind davon gegangen. Die Autos in Bogota lieben es nicht, gewaschen zu werden. Ich wette, wenn sie durch den Schlamm gerollt werden, ächzen sie vor Vergnügen.

 

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