Artikel teilen! (49) Kolumbien im Tagebuch XV: Mail von R an alle Aus den traurigen Tropen Ihr Lieben, Nachts um 1/2 4 k ...
Andere Welten oder: vom Leben in Chile, Ecuador, Brasilien, Kolumbien, Tansania, Mosambik und immer wieder Deutschland
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Mail von R an alle
Aus den traurigen Tropen
Ihr Lieben,
Nachts um 1/2 4 kamen sie, die Müllmänner. Mit ihrem schweren Gerät sind sie die Straße rauf durch die Schlaglöcher gerumpelt und ausgeschwärmt. Mit Getöse haben sie Mülltonnen den Hof runtergerollt und in die Müllwanne des Lasters geknallt. Das sind keine eleganten Müllbehälter in verschiedenen Farben und aus Plastik, nein, hier verwendet man alte Öltonnen. Die rumpeln so schön. Immer 2 Mann wuchten sie hoch und dotzen sie auf den Rand der offenen Wanne hinten auf dem Müllwagen, damit der ganze Schotter auch schön rauskommt. Und wenn die Wanne voll ist, gibt der Fahrer Vollgas, ein großer Rechen schiebt sich über den Müllhaufen und donnernd verschwindet der Müll im Bauch des Wagens. Und dann geht es weiter, zum nächsten Haus und zum nächsten und immer wieder dröhnt der Motor des Müllwagens auf, schleift die Kratze knirschend über die Wanne und stopft sich Müll in den Bauch. Bis er um den Block rum ist, vergeht gut eine halbe Stunde. Man kann ihn immerzu und gut hören, den Müllwagen Nachts um ½ 4.
Mo 20.9.1999
Seminar mit Parlamentariern. Unsere Erfahrungen und Ergebnisse aus den Projekten sollen denen vermittelt werden. Neulich hat jemand gesagt, wir seien ein Ort der Begegnung und das sei wichtig. Vielleicht. Kann sein. Mal sehn.
Ganze Woche auf Freitag gefreut. Wir machen die Vorhänge zu und feiern. Wo sollen wir auch hin? Fahrten über Land untersagt die Botschaft. Manchmal gehen wir tanzen. Habe wieder zu laufen begonnen.
Der Präsident findet das Land lebenswert, sagt M, hätte Pastrana in New York gesagt.
Friedensprozess abgebrochen. Die Regierung habe keinen politischen Willen, etwas zu ändern sagt die Guerilla. Haben die es? Eine Hoffnung weniger.
Mail von K an R&M Subject: Tagebuch 6
Hallo, ihr Hallo, ihr Lieben!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Ich habe gar nicht viel Zeit ,also mache ich es ganz kurz:
20.8.98: Heute Morgen hat mir Max aufs Bett gekotzt, nachdem der Tag so gut begonnen hat sind wir ans Meer gefahren, das Tauchen ist total gut, wir haben sogar mal eine Seegurke gesehen ,Lukas hat sie in die Hand genommen und sie hat ihm Klebriges Zeug in die Hand gespuckt ,das war sehr lustig(was lukas allerdings nicht fand)Danach sind wir an einen Ort namens Pazin gefahren da war ein 130 Meter tiefes Loch, ich habe Fotos davon gemacht.
EURE KATHI
Di 28.9.1999
Mach daraus eine Regionalkonferenz hatte der Abteilungsleiter gesagt. Projecto Andino de Desarollo Territorial, Entwicklung nicht nur punktuell gedacht für einzelne Zielgruppen sondern im Verbund mit allen Beteiligten in einem größeren Territorium war unser neuer Ansatz, den wir im Amazonasbecken begonnen hatten, dort, wo Kolumbien an Peru, Ecuador und Brasilien stößt. Das sollte nun länderübergreifend gemacht werden weil die Menschen sich nicht an die Grenzen halten. Die Koordination des Großprojektes wird ein anderer machen, hatte er gesagt, löste einen Schock bei mir aus. Unser Verhältnis war nicht gut. Genau so schlecht war es zu den Kollegen, sie dachten politisch, ich praktisch. Allein der Gedanke an das Treffen macht Stress.
30.9.1999
Stress, Stress, Stress. Mein Magen knäult sich, Atembeschwerden, Druck auf der Brust, mir ist übel, schlafe schlecht trotz Schlafmittel. Bin umgekippt, Gott sei Dank auf den Teppichboden, war wohl einige Zeit weggetreten, die Ohren sausen, Ärztin kann nichts feststellen. Wochenbefehl: Nerven ruhig halten
6.10.1999
Letzter Tag des Seminars. Ich bin Außenseiter, halte mich zurück, lasse reden, agiere kontrolliert. Es war nicht mehr mein Projekt, sollen sie sehen, wie sie zurecht kommen. Die denken in anderen Dimensionen, entwickeln Großprojekte die nie funktionieren können. Wir sind nicht die Weltbank, nur eine kleine Institution. Ich gehöre nicht zu ihnen, brauche Akzeptanz, werde sie in dieser Runde nie kriegen. Warum gehe ich nicht? Ich liebe das Büro, das Geld, die Tätigkeit und die (na ja relative) Selbständigkeit.
Es regnet, jetzt kommt der Winter. Geregnet hat es das ganze Jahr.