Artikel teilen! (49) Kolumbien im Tagebuch XVI: Mail von R an K Sonntagsvergnügen in Bogota Verehrteste! Ich wünsche einen ...
Andere Welten oder: vom Leben in Chile, Ecuador, Brasilien, Kolumbien, Tansania, Mosambik und immer wieder Deutschland
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Mail von R an K Sonntagsvergnügen in Bogota
Verehrteste!
Ich wünsche einen schönen Sonntag gehabt zu haben mit allen Deinen Lieben. Wir sind da besser dran, wir haben ihn noch vor uns wenn Ihr ihn schon bald abschließt....
Die Straßen in dieser Stadt sind wie Schweizer Käse, Loch an Loch und hält doch. Die Tage hab ich ein klitzekleines Autochen gesehen und plötzlich war es weg. Es war in eines der Löcher gefallen. Aber dann kam es doch hinten wieder rausgekrabbelt.
Gleich gehen wir einkaufen, weil wir Sonntag nachmittags zusammen kochen. Ja, ja, hier kann man auch sonntags einkaufen gehen. Das ist ganz praktisch, dann darf man auch was vergessen am Freitag...
Weils hier so wenig Arbeit gibt, schaffen sich die Leute ihre eigene Arbeit. Und eine davon ist, Papier zu sammeln. Ganze Familien gehen da rum und schauen in die Tonnen und fragen in den Häusern. Manche haben Karren, die laufen auf Kugellagern und wenn's den Berg runtergeht, dann stellen sie sich hinten drauf und mit einem Seil lenken sie vorne. Manche haben Wägelchen von einem Pferd gezogen. Die haben Autoreifen als Räder. Und damit fahren sie im Trab durch den Verkehr. Oft hochbeladen mit Pappe und Papier. Die Tage sind wir abends um die Ecke und vor uns hat ein Auto 2 Karren gerade noch vor sich gesehen, sie sind ja nicht beleuchtet. Und nur mit einem irren Schlenker ist er ihnen ausgewichen. Da standen die Kerle da, und haben sich schiefgelacht.
Da, wo ich arbeite, sind lauter kleine Lokälchen, manche mit nur ein paar Tischen. Die haben nur tagsüber auf. Weil es hier Mode ist, mittags essen zu gehen. Alle Welt geht mittags essen. Und wenn sie nicht essen gehen können, sind sie krank. Da gibt es nur ein Gericht. Wenn man fragt, was sie haben, sagen sie: ei Mittagessen halt. Ich ess mittags Brot. Weil ich so gerne mit Marianne abends esse. Dann sitzen wir in unserem Wohnzimmer vor dem Panoramafenster so breit wie das ganze Wohnzimmer und schauen zu, wie die Sonne untergeht und die Nacht kommt. Manchmal machen wir auch den Kamin dabei an.
20.10.1999
14 Tage Seminare, Gesprächstermine, Seminare, Gesprächstermine und dazwischen Revision durch 2 Prüfer der Zentrale. Wie organisieren Städte
ihre Entwicklung? Das soll ein Fachmann des Deutschen Städte- und Gemeindebundes vermitteln. Die waren ganz begeistert und zur Zusammenarbeit bereit als ich unser Anliegen in ihrem Hauptquartier
in Berlin vorstellte. Ich komme, sagte Bernd Röll, du bezahlst den Flug, ich den Rest. Wieder viel unterwegs, Bernd soll sein Wissen breit streuen. Wieder die Anden runter bis zum Magdalena
Fluss, dem braunen, trägen.
Juan Carlos hatte die
Strecke frei gegeben, wenn er sagt, wir können fahren dann können wir, er hat eine Finca da unten und Kontakte. Es war ein sonniger Tag mit wenig Verkehr nach Ibague hoch in ein wunderschönes Tal
mit lauter Urwald, Bambus und Palmen. Das Schulungsheim am Fuß des Vulkans liegt an einem heiligen Ort der Ureinwohner. Sie sagen, dass dort noch immer eine besondere Ruhe herrscht. Da ist was
dran. Nur ein Abend und eine Nacht genügen zur Entspannung. Auf dem Flug zurück steigt die kleine Maschine die 2600 m nach Bogota hoch ohne dass sich der Abstand zur Erde
wesentlich verringert. Juan Carlos hatte den Wagen vorweg gefahren, auf seiner Finca übernachtet, wartete am Flughafen. Die Fahrt nach Hause durch die überfüllte Stadt dauert 3 mal so lang wie
der Flug. Das war Freitag. Abends Empfang für unsere Gäste, Samstags Verabschiedung am Flughafen und dann hatte ich frei. Es waren 14 Tage Buschfeuer.
Mail von M an die Dietzenbacher
R macht eine RIESSEN Schweinerei
Ich wollte euch was von eurem Reinhold erzählen: er ist ein Genie! Wie man mit zwei Tellern Spaghetti mit Tomatensoße drauf so eine Schweinerei machen kann, wie er gestern, das konnte ich mir vorher überhaupt nicht vorstellen: Also, er bringt auf einem Tablett zwei Teller mit Spaghetti und Tomatensoße und ein Schüsselchen mit Parmesan drauf bis zur Tür unseres Schlafzimmers (wir wollten nämlich im Bett essen und dabei fernsehen - machen wir sonntags immer) und da bleibt er irgendwie an der Türklinke hängen. Naja, und wir haben ja einen fast weißen Teppichboden!!! Im Umkreis von fünf Metern(!) sah es aus, als hätte eine Spaghetti-Tomatenbombe eingeschlagen! In der Mitte lagen die Scherben von zwei Tellern, eingebettet in knallrote Matsche mit Parmesan obendrüber. Wir waren beide sprachlos und haben uns minutenlang die Sauerei angesehen, ehe wir etwas unternehmen konnten. Ich hab es mit einem Löffel ein bisschen eingesammelt und von den Wänden und Schränken gekratzt. Wenn man barfuß rübergelaufen ist, war es ziemlich glitschig. Dann haben wir ein paar Handtücher drübergelegt und es für unsere Empleada gelassen, die ja heute gekommen ist. Die ist auch beinahe in Ohnmacht gefallen! Aber sie hat es wieder prima hingekriegt, wofür sie allerdings einige Stunden gebraucht hat, die Ärmste!
Mo 25.10.1999
3 Tage frei und 2 Tage krank. Sinusitis.
Wochenbefehl: an der inneren Zufriedenheit arbeiten. Und Geschichten aufschreiben. Für die Kinder. Die Ameisengeschichte entsteht.