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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(49) Kolumbien im Tagebuch XVII

30. Juni 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Kolumbien

Do 28.10.1999

Noch immer wühlte es, man hatte mir mein Projekt genommen. Aufgedreht aufgewacht, Kopf voller möglicher und unmöglicher Niederlagen. Geht weiter mit dem Knoten im Bauch und keiner Ahnung wie verändern. Warum diese Angst vor Niederlagen? Einen alten Indianer hatte ich mir geschaffen, der lebte in meiner Phantasie hoch oben über einem zerklüfteten Canyon, ruhte in sich. Ihn befragte ich, er gab weise Ratschläge. Auch zu den Nachwirkungen aus der Konferenz. Komm, winkte er, führte mich zum Rand der Schlucht, zeigte hinunter, tief unten, ganz klein sah ich meine Kollegen herumwuseln.

Mail von Lukas an R&M Subject: Witze,Witze,Witze

HHHHHHHHHAAAAAAAAAAALLLLLLLLLLLLLLOOOOOOOOO!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Anna zu Paul: Gefällt dir dein Zeugnis? Paul: Ja, bis auf die Noten schon!

Im Geschäft:

Die Hose paßt! sagt der Verkäufer.

Eigentlich schon, nur unter den Achseln zwickt es noch ein bißchen. sagt Herr Klein.

Warum fährt der Bauer mit der Dampfwalze übers Feld?

Er will Kartoffelbrei züchten!

Gehen zwei Dössköppe durch den Wald.

Sagt der eine: ganz schön dunkel hier, was?

Sagt der andere: Weiß nicht, ich sehe nichts.

Viele Grüße von Lukas

P.S. :ich hab es selber geschrieben

   Mo 1.11.1999

Regionalkonferenz in Arequipa. Am Sonntag Flug von Bogota, Sandsturm in Lima. Mein alter Indianer hatte angewiesen, sag nur was, wenn du gefragt wirst. Es geht, fühle mich gut.

3 Tage in einem Seminarraum eingeschlossen, hochfliegenden Redebeiträgen gelauscht.

Irreal die Stadt, von den Spaniern erbaut im maurischen Stil mit Inka Elementen. Graubraun und sandig in einem wüstenähnlichen Hochtal gelegen, schimmern im Hintergrund schneebedeckte Andenvulkane. Warm war es, abends konnte ich draußen sitzen, habe es genossen nach dem kühlen und regnerischen Bogota. Morgens durch die Stadt gelaufen, bei Einheimischen in einem kleinen Lokal Nudelsuppe und Saft gefrühstückt. Eine Schulklasse getroffen, sie kamen aus einem Dorf in der Nähe, fragten mich aus, wollten mit mir fotografiert werden, baten um Adresse und Autogramm. Es war ein schönes Frühstück.

Dann die Überraschung: ich soll das Regionalprojekt koordinieren. Das, was der Leiter mir entzogen, mich in die Depression gestürzt hatte. Jetzt fühle ich mich stark, will nicht mehr, lehne ab, Vorerst. Sie wollten es selbst machen, sollen sie. Praxis tut gut. Plötzlich bin ich gefragt, Möglichkeiten und Nutzung des Internets steht auf dem Programm, meinem Spezialgebiet seit Bonner Tagen. Bin ein Pionier, ein Technikfreak. Sie die politischen. Lass sie, sagt mein Indianer.

Jedes Mal geht es mir so, mache mir einen Kopp über alles Mögliche und Unmögliche in der Zukunft und dann kommt es anders. Das muss ich mir eintrichtern: „Es ist auch so, dass wir die ganze Sache falsch betrachten. Wir nehmen das Leben auf einer Zeitschiene wahr: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft und schauen immerzu und gerne nach vorne. Planen, was zukünftig werden solle. Regen uns auf, was möglicherweise sein wird. Kalkulieren mit dem noch nicht da gewesenen. Aber real kalkulieren wir damit das Unwirkliche. Das absolut nicht kalkulierbare. Denn können wir irgend etwas in der Zukunft bestimmen? Nein. Noch nicht einmal die nächste Sekunde liegt in unserer Hand. Was wir haben ist der Augenblick und die Vergangenheit. Diese können wir betrachten. Den Augenblick gestalten. Und der Zukunft zugestehen, dass sie viel Überraschungen für uns hat. Die Zukunft lässt sich nicht planen, man kann sie nur in Ruhe erwarten und staunen was sie bringt“. Logisch. Aber wie sag ich’s meinem Seelchen? Djian tröstet mich im Matador: „Gleichgültig, welche Gründe ein Mann hat, so oder so zu handeln, wichtig ist, dass er seine innere Ruhe findet. Oder dass er zumindest daran arbeitet“. Mache ich.

Nov 1999 Zurück in Bogota

Draußen hängt ein dicker, graublauer Himmel seinen Bauch über die Stadt, ein paar durchsichtige, hellere Streifen des vergehenden Tageslichtes drin und darunter glitzern gelb-rot die Fenster der Hochhäuser und der bunten Reklamen. Toll sieht das aus.

Der Personalchef hat geantwortet, wahrscheinlich klappt es mit der Versetzung in´s Büro Erfurt. Wir hatten Interesse angemeldet, Bogota tat uns nicht gut, nach 8 Jahren Ausland war Deutschland wieder an der Reihe. 1992 waren wir nach Rio ausgereist, die innenpolitisch spannende Zeit der Wiedervereinigung hatte gerade begonnen. Unbegreiflich aus der Ferne die wachsende Schere zwischen Ost und West, es reizte, aus der Nähe die Gründe zu erfahren. Seit dem Fall der Mauer hatte die Stiftung in allen neuen Bundesländern Büros aufgebaut, die helfen sollten bei dem Schritt in die Soziale Markwirtschaft, die demokratische, soziale und wirtschaftliche Themen aufnahmen und vermittelten, die den Leuten auf den Fingern brannten. Neue Horizonte tun sich auf.

Schon wieder lange her, der Besuch in La Paz bei den Enkeln. Wir wohnen zu weit auseinander.Bolivien 95-klein Tati & RE In Tati hatte ich mich vom ersten Augenblick an verliebt, dieses kleine, süße Bündel, das mir Frank entgegenhielt. Wir kamen aus Rio, kämpften in El Alto, dem über 4000 m hohen Flughafen mit der Luft, und da war sie, die neue Erdenbewohnerin. M lästerte, siehste mal wie es ist, wenn du sie im Arm hast, immer hast du abgestritten, dass Neugeborene süß sein können. Ich war hin und weg, blieb es. Enkel-in-Bolivien-mit-Reinhold.gifBeim nächsten Besuch in La Paz war sie schon 2, wuchs mir noch mehr ans Herz. Opu, Opu kumm rief sie, schön war es auf dem Boden liegend, Spielzeug um uns herum, eingespannt zu sein in ihre Arbeit. Mit ihrem Baby, einer alten Stoffpuppe, einer Windel und einem Kopfkissen ahmte sie Ana Paula nach. Das neue Brüderchen war da, Jan Felipe, der Prinzipe. La Paz nahm mir immer noch die Luft trotz des geringen Höhenunterschieds zu Bogota. Ich hatte sie nie gemocht, diese Stadt in dem Kessel eines erloschenen Vulkans voller armer, Lasten schleppenden Indios. Doch plötzlich wurde sie schön mit der jauchzenden Tati auf den Schultern bei strahlendem Sonnenschein. Das glich das Gefühl aus, ein alter Mann zu sein, der sich in den steilen Gassen dauernd hinsetzen muss. Frank war M´s Sohn, hatte mit uns in Ecuador gelebt, akzeptierte mich und brachte seinen Kindern bei, mich Opi zu nennen.

Seit letztem Jahr bauen wir ein Haus. In Hommertshausen. Unter der Leitung von Bruder Klaus und der Mithilfe der Familie. Nur wir sitzen in fernem Lande und warten der Dinge. Auslöser war der Überfall in Rio. Die Analyse danach machte Sicherheitsbedürfnisse überdeutlich und ein sicherer Punkt in meinem unsicheren Leben war das Dorf, aus dem ich vor fast 40 Jahren auszog.Holzhaus-fruh---5.jpg Ein Holzhaus in Fertigbauweise hatten wir uns ausgesucht, erwartend, dies könne ohne unser Zutun fertig gestellt werden. Pustekuchen. Die kleine Firma kam nicht über und Nebenarbeiten nahmen an Umfang zu. Unendlichen Dank an Bruder und Co. Ohne sie niemals.

Mutter sagt, es wäre schön, wär aber eher ein Wochenendhäuschen.

 

 

 

 

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