Artikel teilen! (49) Kolumbien im Tagebuch XVIII: Mail Date: Fri, 5 Nov 1999 15:06:35 EST Subject: Freitagabend Hallo ihr Lieben! ...
Andere Welten oder: vom Leben in Chile, Ecuador, Brasilien, Kolumbien, Tansania, Mosambik und immer wieder Deutschland
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Mail Date: Fri, 5 Nov 1999 15:06:35 EST
Subject: Freitagabend
Hallo ihr Lieben!
Wie geht's euch? Mir gut!
....Reinhold ist doch schon zurück, gell? Wie war's denn so in Arequipa, oder warst du nur geschäftlich dort? Ich will auch mal wieder
nach Südamerika, ich habe Fernweh. Aber die Mama will ja nicht, dass wir euch besuchen kommen, weils zu gefährlich ist, aber ich würde so gerne mal sehen, wie ihr so wohnt und so....Ich vermisse
euch sooo doll!! Ich freue mich schon, wenn wir wieder zusammen auf der Terrasse sitzen und du, Reinhold rauchst Pfeife und Marianne, du erzählst mir einen Schwank aus deinem Leben und ich lese
witzige Bücher vor, das war doch schön, gell!Ich mache jetzt Schluß, eureweihnachtsnärrischeeuchvermissendeantiphysikalische Bundeskanzlerin KATHI!!
Lese Schumacher: Die Rückkehr zum menschlichen Maß. In der modernen Technologie ist die Arbeitslosigkeit vorgegeben, sagt er. Und die Massen-Landflucht und die soziale Ungerechtigkeit. Besonders krass, wenn sie in die Entwicklungsländer transportiert wird. Man sieht es am Fließband. Die Arbeit, die vordem Menschen verrichtet haben, übernehmen heute Automaten. Schwere, monotone Arbeit durch Maschinen zu ersetzen ist nicht per se negativ, wenn der Mensch im Mittelpunkt stände. Dann könnte Arbeit anders verteilt werden. Aber nein, in unserem System steht Profitmaximierung an oberster Stelle, Bereicherung einer kleinen Schicht auf Kosten vieler. Die Natur wird ausgebeutet, der Mensch als soziales Wesen ausgeblendet, er ist nur wichtig als Produktionsfaktor, der ausgesondert werden kann. Wie aber können wir die Wirtschaft unseres "Raumschiffs Erde" so organisieren, dass sie für alle produziert, auf Dauer, auch noch für unsere Nachkommen? Dass es einen Ausgleich gibt zwischen menschlichen Bedürfnissen und der Erhaltung des "Raumschiffs Erde"? Die Lösung, sagt Schumacher, liegt in der Entwicklung kleiner, auf Nachhaltigkeit ausgerichtete, von Menschen beherrschbarer Technologien. In der Reorganisation des Verhältnisses zwischen Geschäftsführung und Arbeiter, ausgerichtet auf Miteinander, in der kleinen, biologischen Landwirtschaft. Small is Beautiful. Was für ein schöner Traum.
Der Mensch ist das einzige Lebewesen, dass mehr will als es vertragen kann, bei dem Anhäufen von Gegenständen und Geld ein Wert an sich ist. Sehr viele Menschen sind so, besonders in unserem egoistischen, auf Individualität ausgerichteten Gesellschaftssystem (Asiatische Kulturen haben durchweg ein anderes Paradigma, ordnen die Interessen des Einzelnen dem der Gemeinschaft unter). Bestes Beispiel von Menschen, die die Schnauze nie voll kriegen, verheerende Wirtschaftskrisen auslösen können, sind die cleveren Jungens an den Börsen und ihre Vorbilder an den Schalthebeln der Macht. Sie alle müssten anders handeln für ein nachhaltiges, auf Mensch mit Natur im Gleichgewicht ausgelegtes System. Ich glaub nicht mehr daran. Allenfalls nach einem Zusammenbruch, wenn es nicht mehr weiter geht. Aber träumen ist schön.
Email von Kathi: Subject: Weihnachten
Hallo,
eben grade haben wir einen anderen Brief geschrieben. Dann hat Mama Euren Brief gefunden! Wir freuen uns alle riiiiiiiiiiiiiiisig! Ihr müsst unbedingt kommen!!!!!!!!!!
Eure Katharina
PS Der Rest der Familie schließt sich an! Das war vielleicht eine Freund, als ich die "Frohe Botschaft" beim Abendessen verkündete. Grenzenloser Jubel brach aus.
Fr-Di 16.11.1999
Das Fest am Donnerstag mal wieder lang und rauschend. Fahre Freitags früher nach Hause, abwaschen. Hier lassen sich die Herren
ihre Finger maniküren, hab ich auch gemacht. Mit Lack! Von wegen, machen nur Tunten, sag das denen mal. Dann kannste was erleben. Sieht pervers aus. Mit den Freunden Jorge und Doralina im Cafe
Libre.
Er ist Maler, sie haben zwei unglaublich
nette Buben. Jorge macht Kollagen aus Metallabfällen, die er auf der Straße findet. Eines seiner Bilder hängt in den USA im Museum, eines jetzt bei uns. M hat es gekauft, sein Geschäft ist
eingebrochen, es kommen keine Amis mehr zum Urlaub nach Kolumbien. Ganz schön teuer das Ding.
Vier Std. geschlafen, mit Sekt und Mordsweib im Bett gefrühstückt und gefeiert. Müde, erschöpft, Fisch in Sahnesoße von M hervorragend. So: dauernd eingeschlafen. Mo Feiertag, treffen uns wieder mit Jorge und Doralina im Fleisch mit Schnaps Restaurant. Lese: Feuer und Stein, Saga aus den schottischen Highlands um 1750.
Email von R am L
Hallo, mein Freund Lukas,
gerade sind wir zurückgekommen. Mit einem kleinen Flugzeug sind wir geflogen, einer Fokker mit 2 Propellern. Das schaukelt ganz schön über die Anden weg. Ist aber immer noch schneller als mit dem Auto die Anden rauf und runter. Und unser Jeep, der sieht ganz gut aus, aber so lange Strecken, ich weiß nicht, ich weiß nicht. Da haste hinterher nen matschigen Rücken. Wir waren in Manizales. Guck mal auf der Karte, so bisschen links oben von Bogotá aus. Und da waren wir in einem Hotel das hat ganz heiße Schwimmbäder. Weil die kommen tief aus dem Vulkan hinterm Haus. Ein Mordsding der Vulkan. Über 5000 m hoch und oben drauf Schnee. Und manchmal spuckt der Lava aus. Dann wird's hier in der Gegend ganz toll heiß. Aber wie wir da waren, da hat er sich nicht gerührt. Nett vom ihm, nicht. Nur sein Wasser, das hat er immer geschickt. Riecht bisschen nach faulen Eiern, weil da Schwefel drin ist. Und Tag und Nacht kommt ein dicker Strahl aus einem Rohr. Da kann man sich kaum darunter stellen, so heiß ist das. Wir hatten ein kleines Häuschen und da war im kleinen Gärtchen auch eine kleine Badewanne mit schön heißem Wasser. Sind wir manchmal nachts nackt reingegangen. Ich schick Euch Fotos, da könnt ihr's sehen. Tagsüber muss man natürlich was anziehen, ist klar. Aber nachts hat's ja keiner gesehen, im kleinen Gärtchen. Und dann hatten wir einen Kamin im Zimmer. Und einen Fernseher. Der hatte nur ein Programm, und das hat nichts getaugt. Ham wir halt gelesen und geschlafen. Jawoll, geschlafen wie die Rätze! Echt. Anscheinend hat das Wasser aus dem Vulkan müde gemacht. Die Marianne ist sogar vor dem Kamin eingeschlafen. Ich red mit ihr und guck so gemütliche ins Feuer und denk, na warum sagt sie nix mehr.... und da war sie eingeschlafen. Sind wir ins Bett gegangen. Ich war auch müde.
Jetzt sind wir wieder hier in Bogotá. Und was glaubste, nee, du glaubst es nicht, hier ist es heiß! Ich hab kurze Hosen an und ein kleines Hemdchen. Zum ersten mal in unserer ganzen Zeit. ...
Mist, hab mir in den Finger geschnitten. Gerade. Und wie. Trinkwasser kriegen wir in 10 Liter Flaschen. Und die ham so´nen komischen Plastikverschluss. Und den hab ich versucht, abzuschneiden. Und zack hat's gemacht, da war mein Finger dazwischen. Ach, was so´n richtiger Indianer ist, dem macht das nix aus, gelle.
hahaha, wieder schön zu lesen Deine Emailkontakte.
Die Gedanken die Du Dir machst sind leider wahr. Immer mehr und mehr, bis die Erde zusammen bricht.
Alles wird zerstört ;auf Kosten der Natur haben wir das Beste vom Besten für wenig Geld.
Leider ist es so in der heutigen Wegwerfgesellschaft.Da kann man nur selber ein wenig zurück stecken.Es bringt nicht viel aber das eigene Gewissen ist nicht so belastet.
Wünsche ein schönes heisses We.
Lg Bianca