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Unterm Dach juchhe fand M unsere
Wohnung. Das alte, renovierte Patrizierhaus bildete den Abschluss eines kleinen Platzes, hatte einen fürstlichen Treppenaufgang und hochherrschaftliche Räume, eine Stiege hoch war der Dachstuhl
ausgebaut mit schrägen Wänden, Balken freiliegend, mein Zimmer verwinkelt und schnuckelig, nie hatte ich ein schöneres. Im Hinterhof, durch einen gepflasterten Tordurchgang, dort, wo ehemals das
Gesinde gewohnt, Kutschen gestanden hatten, waren nun ein Restaurator nebst kleinen Büros. Darauf schauten wir nach der einen Seite.
Die andere Seite ließ den Blick frei auf die ehemalige Mühle am Bach, der, war es ruhig, zu hören war. In der Mühle ein italienisches
Restaurant, Tische und Stühle im Sommer am Fluss, es wurde eines unserer Lieblingslokale. Die Altstadt lag vor der Tür, zum Domplatz, dem Zentrum, 4 Min zu Fuß, zum Rathaus 5 und zum Büro 3
idyllische Minuten über den gepflasterten Platz, an kleinen Läden auf der Langen Brücke vorbei in einen Durchgang, dahinter
der Fußgängersteg über den von dichten Weiden begrenzten Mühlenbach und ich war im Büro. Die Nachteile waren gering, beim Einzug merkten wir, dass kein Nagel in irgend einer Wand
hielt, alle Zimmer waren aus billigstem Rigipsplatten zusammengeschustert, das Regal fiel erst mal um, nur Spezialhaken machte die Befestigung möglich. Auch Böden und Decken waren aus dünnstem
Material, Zeuge einer rigorosen Billigrenovierung der neuen westlichen Herren. Wir kriegten oft mit, was die Nachbarn so trieben. Sogar den Dachfirst hatte man ausgebaut, über uns wohnte ein
Kellner, der kam nachts um 4.00 nach Hause, lief auf und ab, brachte auch mal eine Freundin mit, wir hörten jeden Schritt und mehr. Doch das tat unserer Freude keinen Abbruch.
Auch lernten wir neu die Kosten der Handwerker zu fürchten. Gewohnt an willige Tüftler, die für alles eine Lösung fanden, wenn auch nicht die technisch beste, Appel und Ei verlangten, kamen und gingen wenn es ihnen beliebte, stellten wir letzteres auch bei Deutschen Handwerkern fest, die aber verlangten ungeheuer. Gleich neben uns auf dem Platz ein Elektriker, er sollte das Fernsehen verkabeln. Was er irgendwann tat. Die Rechnung wies unerklärliche Anfahrtskosten auf, waren es doch gerade mal 20 m gewesen, die der gute Mann zu Fuß zurücklegen musste. Befremdet fragten wir nach, erfuhren, dass er, kaum aus dem Haus, Anfahrtswege berechnen berechtigt sei. Die waren höher als seine Arbeitskosten. Kein Wunder, dass Handwerker nur ungern nachgefragt werden.
Mittlerweile wackelte er ein wenig, mein Tisch mit der massiven Platte aus dem Hommertshäuser Wald, der
Indio-Schreiner hatte das Gestell darunter weder schön noch stabil gebaut. Verborgen unter einer Decke war er allemal gut genug für acht Leute, wichtiger war, was drauf kam.
Wir luden gerne ein, M kochte Köstlichkeiten lateinamerikanisch inspiriert, ich versorgte mit Getränken, hing über der
Anrichte, die am dicken Tragebalken mitten im Raum anschloss und die Grenze zur offenen Küche markierte, erzählte gerne Witze, begleitete die zumeist politischen Diskussionen mit Kommentaren,
streute Geschichten aus unseren Ländern ein, die M komplementierte. Als eingespieltes Erzählerteam, spielten wir uns die Erinnerung zu wie Pingpong Bälle. Es wurden immer lange, feuchte Nächte,
zumeist konnten die Freunde nach Hause laufen, wir wohnten ideal zentral. Breit gestreut waren die Berufe, Lehrer, Professoren, Erwachsenenbildner, Politiker (ja, natürlich nur von unserer
Partei), jung und älter waren sie. Oft und gerne kam die Familie, dann gingen wir aus, Thüringisch essen oder M brachte Deftiges, manchmal Unbekanntes auf den Tisch. Einmal gab es Hammel mit
Bohnen, Bruder Klaus, wussten wir, isst keinen Hammel, M kochte extra für ihn Rindfleisch hinein, lass mich mal probieren sagte er, du isst doch keinen Hammel sagte Marga, ich HABE keinen
gegessen, antwortete er. Mutter erbat nachmittags Kaffee von M, sie kochte und erntetet Erstaunen. In Mutters Diktion schloss Nachmittagskaffee Kuchen ein. Die Stadt verzauberte alle, die
kamen.