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Tuesday, 10. august 2010 2 10 /08 /Aug. /2010 11:24

Erfurt FES - 35Du kannst das, hatte der Personalchef gesagt, im Büro Erfurt mit einer jungen Frau als Leiterin zusammen. Die Stiftung hatte beschlossen, Frauen bevorzugt zu promovieren, auch sie. Jo, warum nicht? Mit meiner Erfahrung, kein Problem. Selten so getäuscht, das aber wusste ich noch nicht. Zu der gehst du nicht, sagte M, die ist genau dein Typ. Wir hatten uns mit der neuen Büroleiterin getroffen. M hatte Recht. Sie, eine herbe Schönheit mit prominenten Formen, schwarzem wallendem Haar, intelligent, sprachgewandt, eher Südländerin denn Deutsche, kam gerade aus Indien zurück. Ich fand sie nett, drückte M und gab ihr einen Kuss mitten auf einer sonnenbeschienenen Brücke. Im Büro waren 2 Damen beschäftigt, eine als Buchhalterin, die andere sagte, sie sei die Sekretärin. Eine Gruppe von jungen Leuten half bei der Vorbereitung und Durchführung der Seminare, das wars. Kein Fahrer, keine Mitarbeiter, kein funktionierendes Team, eher eine Wand mit Widerständen. Die Damen behandelten mich abweisend, die Sekretärin wurde kratzbürstig wenn sie schreiben oder telefonieren sollte und die Kollegin Büroleiterin hatte viel zu tun, um ihre Stellung zu verdeutlichen. Plötzlich war ich wieder Einzelkämpfer.

Erfurt-FES Büro RESpannend, manchmal aufregend vor allem lehrreich war die Arbeit. Seminare, Gesprächskreise, Ausstellungen, Lesungen organisieren, Autoren und Referenten suchen und kontaktieren, Veröffentlichungen koordinieren, Reden schreiben und halten, all das mit dem Ziel, Politik und Demokratie, Kultur und Hintergrundwissen, Geschichte und aktuelle Probleme den Menschen näher zu bringen. Das Arbeitsfeld war Thüringen. Veranstaltungen waren oft in Erfurt, aber auch  im Norden, im Eichsfeld und Nordhausen, ging vom Warthburger Kreis im Westen zum Altenburger Kreis im Osten und runter zu den südlichen Kreisen nach Saalfeld Rudolstadt und anderswo.

Viel Reisen war angesagt, dann packten wir unsere Autos voll mit Stellwänden, Seminarmaterial, Bücherkisten und ab gings. Ein schöner Freistaat, dieses Thüringen.

Thüringen Karte
Landkarte von StepMap StepMap Thüringen Karte

 

Nie hätte ich die wechselnden Landschaften mit ihren zumeist freundlichen, offenen Menschen so nah und intensiv kennen gelernt ohne diese Tätigkeit. Was waren das für Diskussionen, manchmal noch nach den Veranstaltungen im kleineren Kreis in irgend einer Kneipe bei einheimischen Köstlichkeiten und Getränken. Ich wusste nicht, dass sie einen eigenen Wein haben, den Saale-Unstrut, köstlich, köstlich und jetzt weiß ich, was man alles mit Knödeln machen kann. Nur die Thüringer Wurst, die wollte nie an mich ran, ich kannte die Nürnberger.

Rechtsextremismus war eines der drängenden Themen. So massiv auftretend hatte ich sie noch nie gesehen, diese Glatzen in ihren Bomberjacken und Springerstiefeln. Keine Ahnung ob es meine Vorurteile waren, mir schien, die umgibt was Primitives und so sehen sie auch aus. Es war besser, die Straßenseite zu wechseln, wenn eine Gruppe von ihnen auftauchte. Dann kamen sie über die ganze Breite des Bürgersteiges angewalzt, vor Kraft kaum gehen könnend und zwangen der Straße ihre Präsenz auf. Immer mehr wurden sie, Schüler und Lehrlinge waren angetan von ihnen, Jugendliche zumeist, gar nicht die alten Rechten in ihrem korrekten Biedermannshabit. War es die Ideologie die anzog, hatten sie überhaupt eine? Sie waren eine Gefahr für jeden Ausländer und Andersdenkenden. Gegen die neue braune Flut mussten wir was tun. Klar, wir machten Seminare mit Fachleuten, die dann schilderten wie die Gruppen strukturiert waren (wie eine Zwiebel, innen der harte, ideologische Kern, je weiter nach außen, je mehr Mitläufer die auch über die Straße laufen wollten und alle wichen aus), die ihren Herrenmenschenanspruch analysierten (warum guckten die nicht mal in den Spiegel? Das sollte die Elite der Menschheit sein?), die Fachleute wussten viel davon. Nur waren die Veranstaltungen immer besucht von Menschen, die eh schon gegen sie waren.  Einmal nur, bei einer Freilichtveranstaltung, kamen sie und pöbelten rum als Außenseiter. Wichtig trotzdem, Multiplikatoren zu informieren, Meilensteine in Erkenntnis gegen Rechts waren diese Veranstaltungen.

 

 

 

 

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