Artikel teilen! (53) Erfurt (2000-2003): Freundschaft: Einige Freundschaften hielten. Da waren Wolf und Male, beide Ressource-Personen und Multiplikat ...
Andere Welten oder: vom Leben in Chile, Ecuador, Brasilien, Kolumbien, Tansania, Mosambik und immer wieder Deutschland
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Einige Freundschaften hielten. Da waren Wolf und Male, beide Ressource-Personen und Multiplikatoren auch für Veranstaltungen der FES, er
Sozialwissenschaftler, Professor, später Rektor der Fachhochschule mit immer neuen Ideen zu aktuellen Themen, sie, Trainerin in Mediation, zentrale Anlaufstelle zur Umsetzung und Verbreitung des
Schüler-Schlichter Modells, beide wurden sie diskussionsfreudige Gäste in unseren Jour Fix unterm Dach juchhe. Wir kamen uns auch räumlich näher, hatten ihnen die große Wohnung in unserem Haus
vermittelt. Auch nachdem wir Erfurt schon lange verlassen hatten, blieben bei unseren Besuchen die heißen Diskussionen an
ihrem Küchentisch bei Lammbraten aus dem Ofen mit Rotwein, Käse, Obst und Grappa bis spät nach Mitternacht. Zu Beginn waren sie jedes Mal
ein Quell von Fakten zum sozialen System, er, der Vielwisser, ließ uns gerne teil haben an den neuen Erkenntnissen aus seiner Disziplin, die auch meine war, sie begleitete mit
Emanzipationserkenntnissen und Beispielen aus der Erfahrung. Doch mit jeder Flasche Wein vertiefte sich der Graben zwischen Theoretikern und Praktikern und wie sie die Welt sahen. Noch viel
später reisten sie um die Welt, erforschten die kulturelle Globalisierung, besuchten uns in Tansania, wir zeigten ihnen "unser" Land, das wir liebten, sie fanden es das schönste ihrer Reise. Doch
ihrem zentralen Beurteilungskriterium von Kulturen entlang der Durchsetzung von Menschen- und Frauenrechten vermochten wir nicht zu folgen. Zu differenziert sahen wir die Ehrfurcht gebietenden
alten Kulturen afrikanischen Völker, zu unterschiedlich zu unseren Denkkategorien, zu wenig nachvollziehbar ihre Strukturen gerade für Reisende mit kurzem Aufenthalt. Je länger wir blieben um so
schwerer wurde uns die Beurteilung dieser auf Familien, Gemeinschaft und Ahnenverehrung ausgerichteten Gesellschaften, die eigene, auch positive Werte hatten. Natürlich entsprachen sie nicht
durchgängig unseren Vorstellungen von Menschenrechten, waren verankert in langen Traditionen, hatten andere humane Strukturen, teilweise in der westlichen Kultur verloren gegangene. (Bei der
Formulierung der offiziellen Menschenrechte dominierten Vertreter unserer westlichen Kultur, nur ein Inder, in England gebildet, "vertrat" die anderen Welten. Die allerdings hätten weitere
Schwergewichte auf Menschenrechte gesetzt, z.B. Leben mit der Umwelt, Zentriertheit der Familie und des sozialen Umfeldes und anderes. Sind dies deshalb, weil für uns nicht wichtig, keine humanen
Rechte?). Mords Auseinandersetzungen haben wir uns geliefert, wir beiden rechthaberischen Dickköpfe, dabei vertraten wir nur verschiedene Facetten, verschiedene Blickrichtungen, aus denen
Kulturen zu beurteilen sind. Nun sind sie nach Berlin gezogen, selten noch hören wir voneinander. Ich vermisse sie, wenn wir Erfurt besuchen und die Gespräche am Küchentisch. Sie waren
Wissensspeicher. Wolf und Male haben ein Buch geschrieben über ihre Weltreise (Renate Müller /Wolf Wagner : Angst und
Neugier im Gepäck – Eine etwas andere Forschungsreise um die südliche Welt).
Da waren Michael und Doryth,
beide als hochrangige Verwaltungsmenschen schon früh aus Hessen nach Erfurt gekommen um ihr Wissen, ihr Können, ihre Erfahrung in die Partei und Ministerialbürokratie einzubringen. Die SPD in
Thüringen war schon lange abgewählt, Doryth aber blieb als einzige Beamtin mit dem anderen Parteibuch in verantwortlicher Stellung im Landtag. Zuständig für außerschulische Bildung, unterstützte
sie wo sie konnte unsere Projekte, besonders mit Jugendlichen. Er, früh und krankheitsbedingt ausgeschieden aus seiner Karriere, stand uns allzeit zur Verfügung mit seinen Kenntnissen. Einmal hat
er eine Gruppe russischer Verwaltungsbeamte geschult, die wollten ihn gleich mitnehmen. Unschätzbar war ihr beruflicher und freiwilliger Einsatz nicht nur bei uns, auch und gerade in der
Parteiarbeit, eine eigentlich undankbare Aufgabe in einer zerstrittenen Truppe zwischen linkem und rechten Flügel. Sie strebten keine Posten an, Stärkung war ihr Ziel. Bis heute sind wir
befreundet, sehen uns bei unseren Besuchen in Erfurt.
Da waren Thorsten und Consuelo, hatten ein Kind, das 2. kam schnell nach, beide Klone ihres dynamischen Vaters, der mal Zehnkämpfer gewesen war. Sie lebten in einer kleinen, engen Wohnung in wahrlich bedrängten Verhältnissen. Er nahm jede Arbeit an, studierte nachts und samstags, engagierte sich in der Partei, wollte was werden, wurde was, stieg auf mit seinem Freund, dem neuen Bürgermeister. Sie selbstverständlich Mutter UND weiter Studierende, musste zur Uni von Erfurt nach Jena, schwer die Organisation mit den Kindern, fiel einmal durch, dann wieder, wechselte den Studiengang, eisern festhaltend an der Maxime, Beruf ist ein zentraler Bestandteil des Lebens. Sie haben sich getrennt, leider.