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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(56) TAN 2003 der Anfang: Afrika ist Warten

28. September 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Zwei Monate wohnten wir in einem Hotel, warteten auf das unbegleitete Fluggepäck, warteten auf den Umzug, das Auto, die Wohnung, das Visum, die Arbeitserlaubnis. Mal sollte es bald kommen, mal hing es irgendwo, wartete auf Bakschisch oder andere Wohltaten. Und dann dauerte es wieder. Leben zwischen den Welten  muss geübt sein.

 

Afrika ist Warten. Einiges sind wir aus Lateinamerika gewohnt, doch hier scheint mir die Ungewissheit größer. Man weiß nie, was passiert, besser gesagt, warum nichts passiert und plötzlich doch. Ganz Tansania tut langsam. Vielleicht aus gutem Grund? Es ist das einzige Land in Afrika ohne große Konflikte, ohne Kriege, ohne Umstürze seit der Unabhängigkeit. Ja, sie haben Iddi Amin, den Schlächter von Uganda verjagt, weil der sie angegriffen hat. Aber ansonsten ist es ein friedliches Land. Arm wie die Kirchenmaus aber wenn der Regen nicht ausbleibt, verhungert selten jemand. Vielleicht müssen wir auf alles so lange warten, weil ihr Leben langsam und  friedlich verläuft? Zwischen Widerstand gegen Veränderung und Ruhe gibt es einen Zusammenhang, da bin ich sicher. Nur meinen alle Nordlichter, die Tansanier müssten sich ein bisschen mehr entwickeln. Ich lebe davon.

 

(M) 6.6. Eben hat Reinhold angerufen. Eine Truhe mit unserem unbegleiteten Fluggepäck ist noch in Frankfurt, die andere ist verschollen! Ich will mich nicht aufregen, aber wenn ich daran denke, was da alles drin ist: sämtliche Unterlagen unserer Versicherungen, Zeugnisse, Verdienstbescheinigungen, meine Medikamente für ein Jahr.... Na ja, meistens wird ja nicht so heiß gegessen, wie gekocht wird, und die Sachen tauchen irgendwann wieder auf....hoffentlich! Trotzdem, je länger ich drüber nachdenke......irgendwie macht es mich schon nervös!

Ich bin fürchterlich zerstochen, besonders im Gesicht. Ich dachte nicht, dass die Biester auch morgens am Swimmingpool angreifen.

 

8.6. Also, ein Gepäckstück ist jetzt in Zürich, kommt aber wohl am Montag. Auf telefonische Nachfrage von Reinhold, wie es denn aussehe, sagte man ihm, es sei eine ganz gewöhnliche 35 Kilo schwere Pumpe(!).

 

16.6. Seit gestern Nachmittag sind wir in einem sehr schönen Hotel-Apartment und genießen das Allein-Zusammensein. Kipepeo---Shamte-wartet-Kopie-1.jpgR wird morgens von seinem Fahrer abgeholt. Im Hotel können wir kochen, haben Internet und zwei Zimmer. Mama Hamisi, die noch bis zu Peters Abreise bei ihm arbeitet, kommt zweimal die Woche um unsere Wäsche zum Waschen abzuholen und zurück zu bringen. Es gibt keine Wäschereien in der Nähe. Ich wüsste nicht, wo ich alles aufhängen und bügeln könnte. Wir schwimmen regelmäßig im Pool und gehen in den klimatisierten Fittnessraum zum Trainieren.

 

Shamte kommt freudestrahlend und stolz mit unserem unbegleiteten Fluggepäck, wohlbehalten und vollständig. Wir finden allerlei Nützliches darin, nur nicht die Malariatabletten. Die haben wir wohl aus Versehen zum Umzug gepackt, der erst in einigen Monaten ankommt. Aber eigentlich wundern wir uns, was wir alles gemeint haben, unbedingt zu brauchen, warme Kleider, CDs und viele Bücher. Die beiden Kisten stehen  uns im Hotel im Weg herum.

Unser Auto, in Gibraltar bestellt, kommt relativ pünktlich im Hafen von Dar es Salaam an, wir haben seine Reise auf der Internetseite der Reederei verfolgt. Doch die Schlüssel dazu sind an unseren alten Wohnsitz geschickt worden, an die Adresse, die wir schon vor vier Monaten aufgegeben hatten,  bevor wir zur Fortbildung nach Bad Honnef gegangen sind. Also wird es noch ein paar Wochen dauern, bis uns der Schlüssel wenn überhaupt irgendwie erreichen. Wir können weiter nichts tun als warten und hoffen.

Reinhold ist gestern das erste Mal alleine mit dem Dienstwagen nach Hause gekommen. Abends waren wir noch unterwegs und er hat prompt wieder vergessen, dass hier Linksverkehr ist. Und dauernd versucht er, mit der rechten Hand zu schalten. Ich darf ja nicht mit dem Dienstwagen fahren und nehme für meine Unternehmungen ein Taxi.

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