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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(56) TAN 2003 der Anfang: Afrika ist Warten Teil II

30. September 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

Teil I beschreibt, wie wir zwei Monate in einem Hotel wohnten und warteten: auf das unbegleitete Fluggepäck, warteten auf den Umzug, das Auto, die Wohnung, das Visum, die Arbeitserlaubnis. Arbeiten musste ich natürlich auch


13.7. (R) Anfang der Woche kamen zum dritten Mal die Formulare zur Entzollung des Autos zurück. Es seien wieder die falschen und außerdem müssten sie mit Schreibmaschine ausgefüllt sein. Wir haben keine Schreibmaschine mehr. Adda sagt, die wollen Geld. Ich schicke ihnen jetzt einen Agenten, der mal bei der Regierung gearbeitet hat.

Und wann und unter welchen Bedingungen werden unsere Möbel frei? Dazu brauchen wir die Arbeitserlaubnis im Pass. Wir haben nur ein Touristenvisum, das nächste Woche abgelaufen ist. Jetzt müssen wir erst mal 620,- Dollar für unser Visum zahlen, eine Hoffnung ist es immerhin. Wir wollen aber auf alle Fälle Ende des Monats in unsere Wohnung einziehen. Es gibt Einbauschränke, Einbauküche und ein Bett, wir haben Balkonmöbel gekauft, so dass wir erst mal dort leben könnten. Den Kleingeräte leiht uns eine Nachbarin.

Freitag im Auto kriegt Shamte einen Anruf. Er grinst über sein ganzes schwarzes, liebes Gesicht und sagt. Good news. Ein Wunder ist passiert, die Zollbefreiung ist da. Jetzt kann es sich nur noch um Tage handeln, bis der Wagen raus kommt. Wenn sie die Schlüssel finden und wenn sie die Kopien der Frachtpapiere akzeptieren. So einfach kann es nicht glatt gehen.

Dar es Salaam 17.7.03

Heute kommt das Schiff mit unserem Container. So lange die Arbeitsbewilligung nicht im Pass ist, kann der Umzug nicht aus dem Hafen. Niemand weiß, warum das Verfahren andauert. Es gibt bisher keine Antwort und das ist bedrückend. Freitag soll das Auto raus kommen. Vielleicht.

Vier Tage später: Gestern haben wir dem Montags-Obsttag ein Schnippchen geschlagen. Gute Nachrichten kamen und mussten  gefeiert werden. Das Auto soll (vielleicht) in 2 Tagen kommen, die Arbeitserlaubnis vielleicht diese Woche und das Schiff mit dem Umzugscontainer ist angekommen. Die Verspätung stellt sich als Glück heraus, es fallen weniger Lagergebühren an. Und da haben wir Obst Obst sein lassen und sind zum Italiener gegangen, Pizza essen.

Hätten wir vielleicht nicht tun sollen. Heute ist das „vielleicht“ wieder sehr weit weg gerückt. Ich habe die Botschaft eingeschaltet, sie schreiben eine Note.

31.7. Heute vielleicht oder morgen vielleicht oder  – soll der Wagen kommen. Bestimmt kommt er eines Tages. Inshalla. Am Montag kamen die Ersatzschlüssel aus Gibraltar. Am Dienstag war Weihnachten. Das Päckchen aus Hommertshausen hatte fast 6 Wochen gebraucht und zum Inhalt alle Autoschlüssel (mit Fernbedienung), das Sicherheitsschloss, die Personal-Card von Multi-Lock und alle Originalpapiere. Die Firma in Gibraltar hatte alles an meine Heimatadresse geschickt statt zu uns nach Dar es Salaam.

Mit M gebührend gefeiert. Befürchte, wenn wir aus dem Hotel ausziehen, muss ich das Zimmer renovieren lassen. Hab es fertig gebracht, beim Ausschlagen von Krümel aus dem Bett mit einem Handtuch das Rotweinglas vom Nachttisch gegen die Wand zu donnern. Warum immer das R0otweinglas?

6. August 2003

Zum Dank dafür, dass wir 6 Wochen auf das Auto warten durften, müssen wir jetzt auch noch 2000 Dollar zahlen. Wofür? Eben: Wartegebühren. Rumstehgebühren. Seit 3 Wochen solll es ganz bestimmt befreit werden. Letzten Freitag war es zu spät. Am Montag, sagte der Dispatcher - natürlich braucht man einen, kein Mensch ansonsten kennt die verschlungenen Wege tansanischer Bürokratie - sie hätten die Hafengebühren zahlen wollen aber es sei ein falscher Dollarschein dabei gewesen. Am Dienstag war die Schlange vor dem Schalter zu lang.

Hanne fragt an, ob wir die Hafengebühren selber zahlen müssen. Aber klar, es ist unser Privatwagen. Die lange Zeit liegt am Prinzip. Warum soll der Hafen schneller arbeiten, wenn jeder Tag Geld bringt? Und der Agent kriegt auch noch was wenns länger dauert. Überstunden oder so.

 Auto-TAN-Toyota---7.jpg7.8. Gestern Abend war wieder Weihnachten. Da kamen doch tatsächlich beide Chauffeure mit unserem Auto angefahren! Es sieht gut aus, hat allerdings noch keine Nummernschilder, so dass wir noch nicht fahren dürfen. Aber angucken ist ja auch schon was! Jetzt kann es wenigstens keine Hafengebühren mehr kosten!

16.8. Der Umzug ist wohlbehalten da! Was für eine Freude. Siehste, sagen die Gesichter der afrikanischen Freunde, ging doch alles. Warum so aufregen?

 

 

 

 

 

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