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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(56) Tansania - Die Ankunft (von M) Teil I&II

26. September 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

 

Der Flug zu den Emirates führte über das Schwarze Meer, Anatolien, den Irak und den Iran. Auf dem Flughafen in Dubai hatten wir den Eindruck, in einer riesigen Shopping Mall gelandet zu sein. Glitzernde Läden mit internationalen Luxusprodukten, aber auch typisch arabische Waren wie Wasserpfeifen, Kaftane, Dolche und Schwerter, Ledersitzkissen, Felle und Gewürze wollte ich mir näher ansehen, aber ich wurde im Gedränge weiter geschoben. Verschleierte Frauen kauften Goldschmuck nach Gewicht, Männer in langen weißen Hemden und mit Turbanen oder Tüchern auf dem Kopf und Laptops in den Umhängetaschen führten ihre diversen Frauen und kinderreichen Familien durch die Menge und kauften ihnen Kuchen und Cola, Geschäftsleute im formellen Anzug oder Kostüm, sonnenverbrannte Touristen mit nackten Oberschenkeln und Bäuchen- viele von ihnen hätten mit langem Hemd und Schleier sicherlich auch besser ausgesehen- waren auf der Suche nach Schnäppchen und R besorgte sich seinen Pfeifentabak auf Vorrat. Ich beobachtete und staunte und die Wartezeit bis zum Anschlussflug verging.

Auf dem Weiterflug sahen wir die graugelbe Arabische Halbinsel und das türkisfarbene Meer am  Horn von Afrika. In Nairobi ein weiterer kurzer Aufenthalt und von hier war es nur noch eine Stunde. Zuerst aber flogen wir am Kilimanjaro vorbei und damit ihn alle einmal sehen konnten,  drehte der Pilot eine Ehrenrunde über dem schneebedeckten Bergmassiv mit seinen vielen kleinen Kratern, bevor er langsam sank und zur Landung in Dar es Salaam ansetzte. Sansibar war unter uns zu sehen und der hellblaue Indische Ozean, in dem von oben die Korallenriffs und kleine weiße Inseln wie Boote wirkten. Dar-es-Salaam---16.jpgDie Gegend um Dar es Salaam erschien sehr flach und grün, ein langer weißer Strand war zu erkennen und weit verstreute Siedlungen aus kleinen Häusern und Hütten mit Blech- oder Palmdächern, winzige Felder und Gärten drum herum, viele Pfade und ungeteerte Wege, rotgelbe Erde, dann einige wenige breite Straßen und mehrgeschossige Bauten, ein paar Hochhäuser in der Nähe des Hafens, wir legten uns in die letzte Kurve und setzten auf.  Aufregend war das:  dies war der Mittelpunkt unseres Lebens für die kommenden Jahre. Wir hielten uns schwitzend an den Händen und freuten uns, von oben war es wunderschön.

Beim Aussteigen überwältigte uns die feuchte Hitze und im Gedränge bei der Passkontrolle hatten wir Atembeschwerden und unsere Kleidung klebte. Den Anderen ging es auch nicht besser, wenn man jemanden aus Versehen berührte, war er genauso nass verschwitzt wie wir. Es roch nach Schweiß. Wie das die schwarz verschleierten Frauen aushielten, die, unter ihrem Schleier noch Jeans oder Kleider trugen? Wir bekamen ein Touristenvisum für drei Monate, unser Gepäck war da und draußen stand schon der kräftig gebaute gütig aussehende Bürobote und Chauffeur Shamte, der uns mit einem großen Namensschild erwartete und perfekt Englisch sprach. Der Dienstwagen war ein vierradgetriebenen kräftigen Jeep mit dem Lenkrad rechts, Tansania hatte Linksverkehr. Die Fahrt ging über eine autobahnähnliche Zufahrtsstraße, vorbei an Werkstätten und Produktionshallen, davor wackelige Verkaufsstände - das alles erinnerte noch an Lateinamerika, nur die Menschen waren dunkler - führte am Zentrum vorbei mit Repräsentativbauten,  älteren Häusern aus der Kolonialzeit und einem indisch aussehenden Viertel um im Norden der Stadt,  auf der Halbinsel, in einen Weg aus rotem Lehm mit tiefen Wasserlöchern über zu gehen. Wir holperten und schaukelten durch eine luxuriöse Wohngegend,  an hohen Mauern und Zäunen vorbei hinter denen große Grundstücke und Villen zu erkennen waren, zur Residenz des scheidenden Direktors und Vorgängers von R und seiner brasilianischen Ehefrau, wo wir eingeladen waren, die ersten Tage zu verbringen.

Teil I endete mit den ersten Eindrücken von Dar es Salaam und der Ankunft beim scheidenden Direktors der FES (meinem Vorgänger) und seiner brasilianischen Ehefrau, wo wir eingeladen waren, die ersten Tage zu verbringen.

 

 

Shamte hupte, ein Diener riss das Tor auf und wir rollten durch den großen tropischen Garten vors Haus. Beim Verlassen des klimatisierten Wagens erschlug mich die Gluthitze. Ein anderer Diener und eine junge Frau griffen sich unser Gepäck und brachten es irgendwohin. Unsere Gastgeber  begrüßten uns mit „Hallo, wir sind Peter und Valeria“, Küsschen und Schulterklopfen. „Am besten,  ihr springt erstmal in den Pool“, luden sie uns ein. Was für eine gute Idee!

Richtig kalt war das Wasser zwar nicht, aber es erfrischte, zumindest konnte man sich den Schweiß der Reise abspülen.

Sie wohnten zu zweit in einer dreistöckigen Villa inmitten eines großen Gemüse- und Blumengartens mit Bambus, Affenbrot- und  Flammenbäumen, Bananenstauden und Bougainvilleen auf der Halbinsel zwischen Indischem Ozean und der Msasani-Bucht,  etwa 20 Minuten vom Büro entfernt.

Wir hatten ein einfaches Zimmer mit einem eigenen Bad und Moskitonetzen vor den Fenstern und über den Betten.

Ein Bad nach dem langen Flug, ein eiskalter Gin-Tonic zur Begrüßung  auf dem Dachgarten mit Blick aufs Meer , eine warme Brise – unser Leben in Afrika konnte losgehen! Das Paradies war nicht perfekt, die Moskitos attackierten und im Nu waren wir zerstochen und mussten ins Haus. Das Autan war noch in unserem unbegleiteten Fluggepäck, aber die Malaria-Prophylaxe hatten wir schon vor einer Woche begonnen.

Wir schliefen ohne Zudecke, ohne uns zu berühren und ich rettete mich in der Nacht zweimal unter der lauwarmen Dusche (kaltes Wasser gab es nicht – woher auch?).

Das Frühstück bestand aus Obstsalat mit Mangos, Orangen, Papayas und Bananen, dazu frisch gepresster Saft.

Einige Tage später lag ich  wach auf meinem nass geschwitzten Laken, es war noch dunkel, als die Brise ein seltsames Geräusch von der Stadt her übers Wasser wehte: der Muezzin rief. Ich glaubte, es waren sogar mehrere, aber ich konnte mich auch irren, weil einige Hunde anfingen zu heulen. Es war Freitag, verschärfter Moscheegang für die Muslime. Es musste ungefähr halb fünf Uhr sein. Erst danach fingen die Hähne an zu krähen, dann die Vögel zu singen, und die vielen Raben zu krächzen. Als erstes in den Pool zum Wachwerden. Gestern Abend war es etwas später geworden. R hatte Caipirinhas gemacht, das Essen war vorzüglich gewesen.  Unsere Gastgeber gaben sich Mühe, uns zu zeigen, wo wir einkaufen konnten, sie machten uns mit Leuten bekannt, erklärten, was wir nicht verstanden. Ich hatte das Gefühl, wir würden uns schon lange kennen, waren vertraut. Dazu trug natürlich bei, dass Valeria Brasilianerin war und wir uns auf Portugiesisch unterhalten konnten. Mit Brasilianern wird man einfach schnell warm, sie sind offen und herzlich.

Asha.jpg„Mama Hamisi“, die junge Frau im Haus gefiel uns,  wir übernahmen sie gerne als Hausangestellte wenn wir eine eigene Wohnung hätten. Sie sprach geduldig Kisuaheli mit mir und verstand, was ich meinte. Sie war etwa 26 Jahre alt, schlank und schön mit ihrer braunen Haut, dem edlen Gesicht und der originellen Zöpfchenfrisur, arbeitete schnell und gründlich und sah, wo etwas zu tun war. Außerdem lachte sie immer, was natürlich auch darauf hin deuten konnte, dass ich ziemlichen Blödsinn redete. Ihren Namen hatte sie von ihrem ersten Sohn Hamisi. Mütter werden nach ihren erstgeborenen Söhnen genannt, der Jungmädchenname ist nicht mehr wichtig, wenn sie verheiratet sind. Und Hamisi bedeutet, dass er an einem Donnerstag geboren wurde. Die „Jumas“ wurden am Freitag geboren, sind also islamische Sonntagskinder! Mama Hamisi lachte erfreut bei unserer Anfrage, ich hatte den Eindruck, ihr sei eine Last von der Seele genommen. Ihr Mann Iddi war der Gärtner, den wir draußen gesehen hatten, und es konnte gut sein, dass die neuen Mieter des Hauses ihn nicht mehr brauchen würden, da sie selbst Personal mit brachten. So hatte wenigstens sie die Gewissheit, weiter Geld zu verdienen.

R fuhr mit Peter ins Büro. Er musste jeden Tag der Überlappungszeit ausnutzen, um wichtige Leute kennen zu lernen und sich mit der Arbeit der Stiftung vertraut zu machen.

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